Das Oxford-Experiment

Im Test: Gray Matter

"Gray Matter", das aktuelle Point&Click-Adventure des Designer-Urgesteins Jane Jensen ("Gabriel Knight"), hat selbst eine abenteuerliche Entstehungsgeschichte hinter sich. Trotz Wechsel des Entwicklerstudios und wiederholten Rückschlägen ist die Geschichte um Magie und mysteriöse neurobiologische Experimente eines der Adventure-Highlights des Jahres 2010 geworden.

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Im Test: Gray Matter - Genre-Urgestein Jane Jensen ("Gabriel Knight") meldet sich mit ihrem neuen Adventure "Gray Matter" zurück. (Bild: dtp)
Genre-Urgestein Jane Jensen ("Gabriel Knight") meldet sich mit ihrem neuen Adventure "Gray Matter" zurück. (Bild: dtp)

Was für ein Sauwetter: Als die amerikanische Zauberkünstlerin Samantha Everett mit dem Motorrad nach London unterwegs ist, peitscht ihr der heftige Regen ins Gesicht. Zu guter Letzt verfährt sie sich auch noch und landet des Nachts in der Universitätsstadt Oxford. Völlig durchnässt klopft sie an die Tür eines düsteren Anwesens, das den bezeichnenden Namen "Dread Hill" trägt …

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Dread Hill ist Heim und Wirkungsstätte des undurchschaubaren Neurobiologen Dr. Sykes, der in der Oxforder Gesellschaft als zwielichtiger Spinner verschrien ist und dem Phantom der Oper zum Verwechseln ähnlich sieht. Trotzdem: Samantha braucht Geld und wird deshalb kurzerhand Sykes' Assistentin. Ihre erste Aufgabe: in der Stadt sechs Freiwillige für ein wissenschaftliches Experiment finden. Das erweist sich schwieriger als gedacht - nur mit Überredungskunst und kleinen (Zauber-)tricks gelingt es Sam, eine Hand voll Studenten zum Mitmachen zu bewegen. Sie selbst fungiert ebenfalls als Versuchskaninchen des düsteren Doktors und wird so immer tiefer in eine geheimnisvolle Geschichte um Dread Hill und Sykes' verstorbene Ehefrau verstrickt …

Schon in der legendären "Gabriel Knight"-Trilogie verstand es Designerin Jane Jensen großartig, gut recherchierte Geschichten mit realen Bezügen und perfekten Spannungsbögen zu erzählen. Und so ist auch "Gray Matter" ein ganz besonderes Adventure geworden, das die üblichen Genre-Klischees weitgehend links liegen lässt und den Spieler geschickt mit immer neuen dramaturgischen Kniffen bis zur letzten Sekunde packen kann.

Während sich die Story, in der man abwechselnd Sam und Sykes steuern darf, im ersten Kapitel noch recht gemächlich, fast schon zäh entwickelt, legt das Geschehen spätestens nach dem Experiment im Keller von Dread Hill deutlich an Tempo zu. Die Rätsel, die es unterwegs zu lösen gilt, fügen sich perfekt in die Handlung ein, sind aber bei Weitem nicht so anspruchsvoll wie die der "Gabriel Knight"-Reihe. Meist genügt es voll und ganz, mit gesundem Menschenverstand an die Sache heranzugehen. "Um die Ecke denken" ist nur in wenigen Situationen gefragt - so beispielsweise, wenn einen der Zauberzirkel Daedalus Club durch halb Oxford schickt, um der Bedeutung eines kryptischen Satzes auf den Grund zu gehen.

Gelegentlich muss Sam auf ihr Zauberbuch und diverse Utensilien aus Mephistopheles' Zauber-Shop zurückgreifen, um zum Ziel zu kommen. Etwa, wenn sie tief in die Trickkiste greifen muss, um ein Videotape gegen ein anderes auszutauschen, ohne dass die Besitzerin misstrauisch wird. Diese Zauberkunststücke werden in einem speziellen Bildschirm arrangiert - eine nette Abwechslung in der ansonsten recht konventionellen Steuerung. Letztere lässt allerdings mit überschaubarem Inventar am oberen Bildschirmrand, Tagebuch und einblendbaren Hotspots ebenfalls kaum Komfort vermissen. Allenfalls der Einsatz von Gegenständen mit der rechten Maustaste ist etwas umständlich gelöst.

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