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iLife 11: Apples Multimedia-Suite im Test
Neuerungen im Detail

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Seit der Vorstellung der ersten Fassung von iLife im Jahr 2003 gilt die Multimedia-Suite als einer der wichtigsten Gründe, warum manche Nutzer zum Macintosh statt einem regulären Computer greifen. Netzwelt hat sich die jüngste Ausgabe mit Versionsnummer 11 einmal näher angesehen.

In iLife 11 besticht besonders der neue Vollbildmodus, wie hier in iPhoto.

Vor kurzem hat Apple eine neue Version seiner Multimedia-Suite iLife 2011 vorgestellt. Neue Funktionen gibt es vor allem für GarageBand, andere Bestandteile der Software hingegen wurden kaum überarbeitet. Erfreulich ist der geringe Preis: iLife 2011 kostet deutlich weniger als die Vorgängerversion.

Apple hat ein Kunststück geschafft, dass nur wenigen Technologiekonzernen gelingt: Die Aufregung um die Produkte aus Cupertino ist so groß, dass schon Wochen vor einer Pressekonferenz stets die Gerüchte überschlagen, welche bahnbrechende Neuerung der Kult-CEO Steve Jobs denn nun wieder vorstellen wird. Genauso war es auch am 20.10.2010: Schon vor der Veranstaltung unter dem Titel "Back to the Mac" wurde spekuliert, Apple könnte eine neue Version von Mac OS X zeigen.

Das ist auch tatsächlich geschehen, mehr als die Hälfte der Zeit widmete sich Apple aber einem ganz anderen Produkt: iLife 11. Nach Aussage von Steve Jobs gibt es dafür auch sehr gute Gründe: Es stehe fest, dass die iLife Multimedia-Suite einer der wichtigsten Gründe sei, warum einige Menschen einen Mac und eben keinen regulären PC mit Windows oder Linux erwerben würden. Die Anhänger der in iLife enthaltenen Anwendungen iPhoto, iMovie, iDVD, iWeb und GarageBand haben schon lange auf eine Aktualisierung gewartet, die seit Ende Oktober endlich in den Läden steht.

Installation dauert lange

Apple ist nicht unbedingt für niedrige Preise bekannt, doch zumindest bei iLife 11 hat sich etwas getan: Im Gegensatz zum Vorgänger iLife 09 für 79 Euro kostet die aktuelle Fassung nur noch 49 Euro. Dabei ist jede verkaufte Lizenz von iLife 11 eine Update-Ausgabe, da Mac-Benutzer ja bereits automatisch über eine bestehende iLife-Version verfügen. Wenn man diese nicht auf seinem Mac installiert hat, kann man mit der iLife-DVD eine Neuinstallation durchführen.

Apropos Installation: Wie gewohnt liefert Apple einen Assistenten auf der DVD aus, die zusammen mit einer kleinen gedruckten Schnellstartanleitung in der bekannten Papphülle "designed by Apple in California" verkauft wird. Derzeit gibt es keine Download-Fassung von iLife, sodass Anwender eines MacBook Air zwingend ein externes Laufwerk benötigen. Ansonsten schreibt Apple nur vor, dass für iLife 11 zwingend ein Intel-basierter Mac mit dem Betriebssystem Snow Leopard vorhanden sein muss. Außerdem sollte man gute fünf Gigabyte Speicherplatz auf der Festplatte frei haben.

Auffällig war im Test war auffällig, dass die Installation sehr lange braucht: Ein weißes MacBook (aktuelle Generation) benötigte über zwanzig Minuten, um knapp vier Gigabyte an Daten auf die Platte zu schaufeln. Dabei wurde, wie erwartet, ein älteres iLife problemlos überschrieben – allerdings ohne Rückfragen durch den Assistenten. Zum Abschluss war kein Neustart nötig, was typisch für Apple ist.

Bildergalerie: Installation der Suite

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Bevor die Installation losgeht, sollte der Nutzer die Hinweise im beigefügten Dokument aufmerksam lesen.

GarageBand mit neuen Tonstudio-Funktionen 

Eine der beliebtesten Programme aus iLife ist mit Sicherheit GarageBand. Apple versucht auch in der neuen Fassung weiterhin, das Programm zum professionellen Tonstudio für Einsteiger umzubauen. Dazu hat GarageBand 11 die Funktionen Flex Time und Groove Matching von den großen Vorbildern Logic Express und Logic Pro geerbt. Mit Flex Time ist es nun möglich, einzelne Töne aus Aufnahmen mit echten Instrumenten in einer Zeitleiste beliebig zu verschieben. Dabei können diese nicht nur an eine andere Stelle gesetzt werden, sondern auch innerhalb der gleichen Spur gestaucht und gestreckt werden. Im Test führte die Funktion allerdings zu mehrfachen Abstürzen der Anwendung.

Für die weitere Arbeit mit Musikern, denen etwas das Gefühl für den Rhythmus fehlt, sorgt Groove Matching: Über den Klick auf den Stern neben den Instrumentensymbolen lässt sich festlegen, dass die jeweilige Spur als Taktgeber für ein Musikstück dient. Die anderen Instrumente lassen sich mit einem einzigen Klick einpassen: GarageBand 11 richtet diese nach der taktgebenden Tonspur aus, was mit guter Qualität gelingt. In der Praxis ist die Funktion hilfreich, um zum Beispiel eine fehlende Gitarre nachträglich einzuspielen, sofern der Groove etwa über das Schlagzeug schon vorgegeben ist. Groove Matching arbeitete im Test anders als Flex Time ohne Abstürze.

GarageBand 11 ist aber nicht nur ein Ton-, sondern auch ein Lernstudio: Wie in der älteren Ausgabe können Einsteiger in der virtuellen Musikschule das Spielen von Piano und Gitarre erlernen. Dabei hat mit der Aktualisierung eine neue Kontrollfunktion Einzug gehalten, die Nutzern eine Rückmeldung zu ihrer Spielqualität gibt. Schade ist, dass Apple mit GarageBand gerade einmal zwei Basiskurse liefert – den Rest muss man zusätzlich aus dem Store kaufen (rund 4,95 Euro je Kurs) und laden.

Kaum Neuerungen in iPhoto

Die wichtigste Anwendung in iLife 11 ist wohl weiterhin iPhoto, über das es allerdings nicht nur gute Berichte gibt: In zahlreichen Online-Foren beschweren sich Anwender, deren iPhoto-Bibliothek nach der Aktualisierung auf die neue Version nicht mehr lesbar war. Im Test konnte Netzwelt das Problem zwar nicht reproduzieren, eine Sicherung vor dem Update ist aber sicher keine schlechte Idee. Apple hat am 02.11.2010 auch ein Update für iLife 11 veröffentlicht, das zumindest einige dieser Probleme beheben soll. Auch in einem ganz anderen Punkt zeigt sich das neue iPhoto 11 etwas merkwürdig.

Nach immerhin zwei Jahren hat Apple keinerlei neue Funktionen in die Anwendung eingebaut, dafür den Fokus aber auch die Verbesserung der Oberfläche gelegt. Ob diese Strategie aufgeht, muss sich zeigen – iPhoto ist immer noch kein wirklicher Ersatz zu Konkurrenten wie Photoshop Express. Nutzer, die mit iPhoto viel Zeit verbringen, werden sich dagegen sehr über den neuen Vollbildmodus freuen: In diesem lassen sich Bilder und Alben nicht nur sehr schön durchstöbern, sondern auch noch bearbeiten – es handelt sich also um einen vollfunktionsfähigen Vollbildmodus, der durchaus an die Darstellung der Bildergalerie auf dem iPad oder iPhone mit iOS-Betriebssystem erinnert. Mit neuen Themen wirkt die Darstellung bildschirmfüllender Diashows noch ein wenig schöner.

Komplett neu gestaltet hat Apple den Bereich zur Gestaltung von Fotobüchern: Hier gibt es zusätzlich zu den neuen Vorlagen ein schickes Bücherregal, das als Voransicht für die Druckprodukte von Apple dient. Leider ist es in iPhoto 11 wie bisher nicht möglich, die Zahl der Fotos auf einer Buchseite zu beeinflussen, damit nicht zu viel gedruckt wird. Gelungen ist dagegen die Anbindung ans Internet: In iPhoto 11 ist das Hochladen zu Facebook, Flickr und Co. nun an der Stelle "Web" zusammengefasst. Dabei lassen sich Fotos nun auch direkt auf der Pinnwand bei Facebook veröffentlichen.

Bildergalerie: iPhoto, iMovie und Co.

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Mit iPhoto lassen sich auch große Bildarchive schnell und sicher verwalten.

Verbesserungen in iMovie

Im Vergleich zu den Neuerungen bei GarageBand hat sich wie bei iPhoto auch bei iMovie, der dritten Anwendung aus iLife, nur wenig getan. Die größte Veränderung stellen die so genannten Trailer dar: Der Benutzer kann aus ganzen 15 vorgefertigten Sequenzen wählen, mit denen man seinen persönlichen Film schmückt. Dabei reicht die Palette von der Einführung in den Winterurlaub bis zu einem Trailer im Stil von Agentenfilmen wie James Bond. Der Umgang ist dabei nicht sehr aufwändig, erlaubt aber neben dem Text und Filmclips keinerlei eigene Anpassungen des genutzten Trailers.

Die Schnittwerkzeuge sind in iMovie 11 weitgehend gleich geblieben, lediglich beim Präzisiontrimmer gab es einige Verbesserungen – und dieser produziert jetzt auch bei großen Filmen weniger Abstürze. Für die Nutzung von Videoeffekten hat Apple iMovie 11 eine neue Übersicht spendiert, durch die das Anwenden auf den aktivierten Filmausschnitt deutlich leichter wird. Ganz neu sind die Audio-Effekte: Wer eine Aufnahme etwa mit Echo oder Hall untermalen oder wie Roboter klingen lassen will, wird an den über zwanzig neuen Möglichkeiten sicher sehr große Freude haben.

Die wichtigste Neuerung in iMovie 11 kommt jedoch aus dem Umfeld von iPhoto: Es gibt nun auch in der Videoanwendung eine Funktion, die Gesichter erkennt. Dabei durchsucht der "People-Finder" die Filmclips recht zügig und markiert solche Stellen, an denen ein oder zwei Personen auftreten. Durch die Erkennung von Gruppen kann der Nutzer beispielsweise recht schnell herausfinden, welchen Bereich er aus einer Filmsequenz ausschneiden muss. In Verbindung mit den neuen Trailern macht diese Funktion sehr viel Sinn, da sich so die nötigen Ausschnitte zügig zusammenstellen lassen.

iDVD und iWeb 

Neben GarageBand, iPhoto und iMovie sind auch iDVD und iWeb in iLife 11 wieder mit dabei – nur ist es Apple offenbar nicht wichtig, diese Anwendungen auch gegenüber den Kunden zu erwähnen. Auf der Rückseite der Produktbox werden nur die ersten drei Programme herausgestellt und lediglich ein dünner Hinweis verrät, dass iDVD und iWeb auch auf der DVD ausgeliefert werden. Auf der Webseite von Apple sieht es ganz genauso aus. Der Grund für die Zurückhaltung ist ganz einfach: Apple hat an iDVD und iWeb kaum Änderungen vorgenommen. Bei iDVD gibt es einige neue Vorlagen, in iWeb ist die Unterstützung für Webstandards nun generell etwas besser, auch wenn HTML5 immer noch keine große Rolle spielt. Insgesamt sind die Änderungen dort eher kosmetischer Natur. Offenbar glaubt der Konzern aus Cupertino nicht mehr, dass viele Menschen eine DVD oder Webseite erstellen.

Fazit: Schwache Leistung, geringer Preis

Mit iLife 11 hat Apple eine Aktualisierung seiner Multimedia-Suite vorgelegt, die ein gespaltenes Bild hinterlässt: Einerseits sind die Änderungen an GarageBand, iPhoto und iMovie sehr nützlich. Mit dem neuen Vollbildmodus, der neben iPhoto auch in den anderen Programmen existiert, geht Apple einen großen Schritt in Richtung Mac OS X 10.7 Lion, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Gleichzeitig sind einige Funktionen in iPhoto und iMovie etwas umständlicher zu bedienen, das Programmpaket nicht mehr so stabil wie früher und iDVD sowie iWeb wurden vernachlässigt – das ist eigentlich eine viel zu schwache Leistung angesichts der Entwicklungszeit für das Update von zwei Jahren. An iLife 11 werden die meisten Macintosh-Nutzer trotzdem ihre Freude haben. Insbesondere auch der mit 49 Euro geringere Preis macht es attraktiv, das Update auf iLife 11 zu wagen.

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iLife 11: Apples Multimedia-Suite im Test
iLife 11 ist Apples neueste Version der Multimedia-Suite. Im Test hinterließ das Programmpaket ein gespaltenes Bild.
http://www.netzwelt.de/news/84740-ilife-11-apples-multimedia-suite-test.html
2010-11-17 16:12:42
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iLife 11: Apples Multimedia-Suite im Test