Vom Verhörraum in die Welt

Im Test: Call of Duty: Black Ops

Virtueller Krieg ist ein einträgliches Geschäft - und kein Entwickler beherrscht es derzeit besser, ihn auf dem Bildschirm zu bringen, als die Macher der Shooter-Reihe "Call of Duty". Der Ende 2009 veröffentlichte Ableger "Modern Warfare 2" bescherte Publisher Activision Einnahmen in Milliardenhöhe.

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Im Test: Call of Duty: Black Ops - Dieses Motiv dürfte man schon mal gesehen haben: Activision rührt für seinen neuen Shooter "Call of Duty: Black Ops" mächtig die Werbetrommel. (Bild: Activision)
Dieses Motiv dürfte man schon mal gesehen haben: Activision rührt für seinen neuen Shooter "Call of Duty: Black Ops" mächtig die Werbetrommel. (Bild: Activision)

Das Spiel legte zudem den "erfolgreichsten Start eines Unterhaltungsprodukts aller Zeiten" und landete damit im Guinnessbuch der Rekorde - vor dem Hollywood-Blockbuster "Avatar". Nun steht der mittlerweile siebte Teil in den Läden: "Black Ops". Und die Erwartungen sind groß - sowohl beim Hersteller als auch bei volljährigen Actionfans.

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7, 15, 1, 2, 19, 7, 25, 6, 13, 6, 7, 15, 14, 0 - um diese Zahlenkolonne, eingangs von einer Frau in ein Mikrofon gesprochen, dreht sich alles in "Black Ops". Was es damit auf sich hat, wollen nicht nur PC- und Konsolenspieler von Alex Mason wissen. Der Elitesoldat sitzt angeschnallt in einem finsteren Verhörraum und wird von Unbekannten mit Elektroschocks gefoltert. Sie fragen nach früheren Einsätzen, Zielen, Orte, Namen. Und Mason erinnert sich ...

"Black Ops" reiht auf diese Weise halbwegs stringent 15 Missionen aneinander, die größtenteils im Kalten Krieg angesiedelt sind und in denen der Spieler bis auf eine Ausnahme stets Mason verkörpert. Es geht nach Kuba, um Castro aus dem Verkehr zu ziehen. In ein russisches Straflager, in dem eine Gefängnisrevolte losbricht und der Held wie beim Filmklassiker "Gesprengte Ketten" auf dem Motorrad flieht. Zum Weltraumbahnhof Baikonur, wo Mason eine startende Sojus-Rakte vom Himmel holt. Nach Vietnam, Hongkong und Laos. Sogar dem Pentagon stattet man einen Besuch ab, wo Präsident Kennedy wartet - und verstörende Zwischenschnitte Hinweise auf den mit Wendungen gespickten Geschichtsverlauf geben.

Einer der wenigen Momente im Übrigen, in dem die Waffen schweigen. Ansonsten scheucht "Black Ops" den Spieler ohne Atempause durch die schlauchartigen Levelaufbauten und platziert dabei Heerscharen von nicht allzu clever agierenden Gegnern vor seiner Flinte. An manchen Stellen strömen so lange feindliche Truppen aufs Schlachtfeld, bis eine bestimmte Stelle erreicht wird und der nächste Akt in dieser streng nach Skript ablaufenden Ballerorgie beginnt - ein Relikt aus alten "Call of Duty"-Tagen.

Vollends zur stupiden Schießbude verkommt der Titel, wenn sich Mason hinter ein Geschütz klemmt und erst dann aufhört zu feuern, wenn die Rohre glühen oder der Spieler zwischen all den eingestreuten Explosionen die Übersicht zu verlieren droht.

Rund sechs Stunden dauert "Black Ops", das serientypisch nicht an drastischer Gewalt spart, sich im Gegensatz zum Vorgänger aber keinen kalkulierten Tabubruch leistet. In "Modern Warfare 2" sorgte noch ein Anschlag auf den Moskauer Flughafen für hitzige Diskussionen - und später für eine Abänderung der deutschen Version des Spiels. Aber auch "Black Ops" wurde an manchen Stellen entschärft, um von der USK nicht aus dem Verkehr gezogen zu werden. Warum diese jedoch den Stones-Hit "Sympathy for the Devil" in einer Szene kassierte, die überdeutlich an die Walkürenritt-Passage aus dem Antikriegsfilm "Apocalypse Now" erinnert, dürfte auf ewig das Geheimnis der Prüfer bleiben.

Im permanenten Kugelhagel fällt zunächst kaum auf, dass die mittlerweile drei Jahre alte Grafikengine, auf der das Spiel fußt, eine Generalüberholung vertragen könnte. Von einer zerstörbaren Umgebung haben die Entwickler offenbar noch nichts gehört. Und auch inszenatorisch scheinen die Macher immer wieder in dieselbe Trickkiste zu greifen. Denn "Black Ops" bietet wenig neue Ideen, dafür viele routiniert in Szene gesetzte Momente, die Genreveteranen so oder ähnlicher Form schon mal erlebt haben dürften - bei Neulingen aber für Staunen sorgen dürften.

Etwa, wenn sie an Bord eines Helikopters Raketen auf den Vietcong niederregnen lassen. Oder vor ihren Augen ein Flugzeug abstürzt und ein Wrackteil nur um Haaresbreite an ihnen vorbeijagt. Vor allem Besitzer von 3D-fähigen TV-Geräten und Monitoren dürften hier reflexartig die Köpfe einziehen.

Eine Klasse für sich ist dagegen der Multiplayer-Modus, der im Vergleich zum Vorgänger "Modern Warefare 2" noch einmal erweitert wurde. Spieler können in acht Varianten (neu ist der Überlebenskampf) und auf 13 Maps Erfahrungspunkte sammeln, im Rang aufsteigen und ihre virtuelle Ausrüstung optimieren. Wie gut die Matches bei den Fans ankommen, zeigt ein Blick in die Nutzerstatistiken von "Xbox Live". Allein über den Onlinedienst von Microsoft spielten die Nutzer rund 1,9 Milliarden Stunden den "Modern Warfare 2" - was umgerechnet rund 200.000 Jahren entspricht.

24 Stunden nach der Veröffentlichung ist klar: "Black Ops" hat den Verkaufsrekord des Vorgänger überflügelt. Allein in den USA und dem Vereinigten Königreich verkaufte sich das Spiel am Starttag 5,6 Millionen Mal. Das sind rund 900.000 Exemplare mehr als 2009 am Starttag von "Modern Warfare 2". "Wir befinden uns zudem auf gutem Wege, den Fünftagesumsatz des Vorjahres von 550 Millionen Dollar zu übertreffen", sagte Activision-Blizzard-CEO Robert Kotick stolz.

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Am Nachfolger wird übrigens schon gearbeitet. Bis es so weit ist, sollen kostenpflichtige Zusatzinhalte die Spieler bei der Stange halten.

Datenblatt

Call of Duty: Black Ops
SpielnameCall of Duty: Black Ops
HerstellerTreyarch
VertriebActivision Blizzard
GenreAction
Erhältlich ab09.11.2010
Preisca. 60 Euro
EAN Code5030917085796
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene und Profis
Alterab 18 Jahren
Multiplayer2-18 (WWW)
Sonstiges 
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundsehr gut
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtgut
SystemPlayStation3
SystemXbox 360
SystemPC

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