CD Baby Gründer klagt an
iTunes: Apple drangsalierte Independent Label
Apple-Chef Steve Jobs hat in der IT-Branche nicht den besten Ruf. So brillant das Gespür des Kaliforniers für Trends und Entwicklungen auch ist, im Umgang mit Geschäftspartnern ist Jobs rigoros. Das hat auch der CD Baby Gründer Derek Sivers erfahren müssen.
CD Baby ist laut eigenen Angaben der größte Online-Handel für Independent Musik. Als Apple 2003 iTunes erstmalig vorstellte bemühte sich das Unternehmen, das damals noch überschaubare Musikangebot zu erweitern und wollte dazu auch Verträge mit kleineren, unabhängigen Plattenfirmen abschließen. Zumindest sagte das Steve Jobs laut Sivers auf einer Präsentation in Cupertino.
Sivers sah hier die Chance gekommen, seine Musiker einem großen Publikum vorzustellen. Enthusiastisch unterzeichnete er einen Vertrag mit Apple und machte dann offenbar zwei verhängnisvolle Fehler: Zum einen berichtete er auf seiner Webseite über Apples Pläne, zum anderen erhob er von seinen Künstlern eine Gebühr von 40 US-Dollar, da alle Stücke, obwohl sie bereits digital vorlagen, auf Wunsch von Apple für iTunes noch einmal über eine spezielle Apple-Software digitalisiert werden mussten.
Öffentliche Schelte von Steve Jobs
Apple forderte Sivers umgehend auf, alle Einträge zu den Plänen auf seiner Homepage zu entfernen. Diese seien geheim, obwohl das laut Sivers bei der Präsentation nicht gesagt wurden und er auch kein entsprechendes Abkommen unterzeichnet hätte. Sivers entfernte dennoch die Einträge und konnte die Lieder seiner Künstler auch in anderen Musikdiensten wie Rhapsody unterbringen, da diese umgehend auf Apples Offensive reagieren wollten. In der Zwischenzeit wartete Sivers immer noch auf die Vertragsunterschrift von Apple. Diese ließ jedoch auf sich warten.
Stattdessen erklärte Steve Jobs in einer Keynote, dass das iTunes Musikangebot im Vergleich zur Konkurrenz zwar kleiner sei, aber dafür hochwertiger. Bei der Konkurrenz seien Künstler zu finden, die 40 US-Dollar an einen Zwischenmann zahlen, der dann ihre Songs in diese Dienste bringt. Sivers empfand das als klaren Seitenhieb gegen ihn und sah sich von Apple getäuscht. Er erstattete allen Künstlern die Gebühr zurück, insgesamt 200.000 US-Dollar. Nur einen Tag später erhielt Sivers dann doch einen unterschriebenen Vertrag von Apple und seine Künstler wurden ins iTunes-Angebot aufgenommen. Das sich an Steve Jobs Verhalten die Geister scheiden, zeigt nicht nur diese Geschichte, sondern auch eine gerade im Internet veröffentlichte Dokumentation von Bloomberg.


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