Flexibel, kreativ, innovativ
Kommentar: Gefährliche Schlagworte der Arbeitswelt
Immer mehr Mitarbeiter gehen nicht mehr ins Büro zum Arbeiten. IT-Technik macht sie flexibel und unabhängig. Doch die Freiheit unabhängig von Ort und Zeit zu arbeiten, birgt auch Risiken. Sicher ist nur eins: Computertechnik macht die Arbeit auch in Zukunft nicht leichter.
Inhaltsverzeichnis
- 1IT-Hersteller schwärmen von der Zukunft
- 2Vier Technik-Trends revolutionieren die Arbeitswelt
- 3Video von Fraunhofer
- 4Hightech fordert Mehrleistung
Wenn es in der Arbeitswelt so etwas wie ein Unwort gibt, dann ist es für mich das Wort Flexibilität. Das Wort hat in der Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen richtig Karriere gemacht. Wenn Manager oder Industrievertreter darüber sprechen, dass sie ihre Firma fit machen wollen für den globalen Wettbewerb, dann ist das Wort Flexibilität nicht weit. Das heißt dann zumeist, dass die Arbeitnehmer Sicherheiten wie zum Beispiel feste Arbeitszeiten oder langfristige Arbeitsverträge verlieren, andererseits aber jederzeit flexibel sein müssen, um sich in aktuelle Projekte zu stürzen. Immer schön flexibel, spontan, kreativ und vor allem innovativ.
IT-Hersteller schwärmen von der Zukunft
Einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung der Arbeitswelt leistet seit einigen Jahren die IT-Technik. Die großen Hersteller der IT-Branche greifen das Wortgeschwurbel aus dem Management gerne auf und schwärmen von der Arbeitswelt der Zukunft. Wie wir dann alle kreativ, innovativ, spontan und eben flexibel sein werden. Natürlich mit Hilfe der IT-Technik, die die Hersteller uns gerne verkaufen.
Vier Technik-Trends revolutionieren die Arbeitswelt
Früher hatte man einen Arbeitsplatz mit einem Schreibtisch. Darauf standen die Arbeitsutensilien wie Schreibmaschine, Stifte oder Zeichenblock. Was auch immer. Dokumente, die man bearbeitete, verwahrte man abends im Schrank. Die Arbeit beschränkte sich aufs Büro und bestimmte Zeiten. Die Einheit von Ort und Zeit. Auch die Einführung des PCs hat daran erstmal nichts geändert, sondern nur das Tempo angezogen.
Doch jetzt beginnt die zweite Phase der technischen Revolution. Dabei gibt es vier wesentliche technische Entwicklungen, die diese Revolution antreiben.
1. Technische Standards und Geräte etablieren sich auch zu Hause. Früher standen die Arbeitsgeräte im Büro und nur im Büro. Heute hat jeder Schüler Excel oder Photoshop auf dem Home-PC. Damit kann man dieselben Aufgaben ausführen wie im Büro.
2. Internet und Netzwerk-Technik machen es möglich, dass die Arbeitsunterlagen per Netzwerk an nahezu jeden Ort dieses Planeten geschickt werden können. In ein paar Jahren wird man auch auf dem Mars nicht mehr vor Mails aus der Chefetage sicher sein. Ausgleichende Gerechtigkeit: Der Fluch der technischen Möglichkeiten trifft bevorzugt diejenigen Leistungsträger, die naiv genug sind, mit dem neuem Smartphone beim Mittagstisch zu prahlen.
3. Kommunikationsmittel wie Videokonferenzen oder auch internetbasierte Programme sorgen dafür, dass Mitarbeiter aus verschiedenen Orten gleichzeitig an einem Dokument arbeiten und sich darüber verständigen können.
4. Mobilgeräte. Der PC auf dem Schreibtisch, das Notebook im Wohnzimmer, das Netbook im Urlaub, das Smartphone in der Jackentasche - heute kann der Mensch nahezu überall arbeiten und dieselben Programme nutzen. Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage von Cisco halten 60 Prozent der Mitarbeiter die persönliche Anwesenheit im Büro nicht für "produktivitätsentscheidend".
Die Einheit von Raum und Zeit ist damit zerstört. Es gibt nur noch die allumfassende "virtuelle Arbeitsumgebung".


Es tut sich was in der Arbeitswelt. Die Veränderungen im Gefolge von Globalisierung und Wirtschaftskrisen sind schon vielfach beschrieben worden. Der Leistungsdruck auf Mitarbeiter ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Gleichzeitig ist deren Unsicherheit gestiegen, zumal viele Unternehmen nur noch Zeitverträge abschließen.
Das Notebook im Urlaub hat schon seine Vorteile. Immerhin lässt sich so ein gewisses Maß an Stress vermeiden, wenn man wieder im Büro ist. Aber eigentlich ist Urlaub ja auch zum Entspannen da. Wer seiner Firma auch im Urlaub treu ergeben ist, sollte etwas dafür zurückbekommen - findet netzwelt-Autor Mehmet Toprak.
Dieser Kommentar gegen die totale Überwachung im Arbeitsalltag zeichnet ein interessantes Bild von einem interessanten Mitarbeiter.
Seit Jahren prognostizieren Marktforscher das Ende des PCs. Aber es gibt gute Gründe, warum sich diese Vision nicht bewahrheiten wird.
Was der Arbeitgeber von seinem Angestellten erwartet, ist heutzutage doch eher zweitrangig. Was wirklich zählt, ist das Wohl des Arbeitnehmers. Wie Ersterer Letzterem die Arbeit möglichst angenehm gestalten kann, verrät diese Verkehrte Netzwelt.
Der Mensch in Version 2.0 wird angetrieben durch Energie und besteht aus künstlichem Material! Unsinn? Das Google-Auto, das selbstständig fahren kann, macht den Anfang. Weitere Maschinen werden folgen! Der Mensch wird langfristig überflüssig! Oder nicht?
Schnell noch Facebook checken. Kurz die App ausprobieren. Dann noch das neue Tablet einrichten. Nebenbei vielleicht auch ein wenig arbeiten. Personalchefs sind mit einer neuen Generation von Mitarbeitern konfrontiert. Immer online, wahnsinnig gut vernetzt und auf der Höhe der Zeit! Das sind die Mitarbeiter der Zukunft, in der Verkehrten Netzwelt.




