Ein beispielloser Siegeszug
Netzwelt-Wissen: HTTP - das Schmieröl des Webs
In weniger als zwei Jahrzehnten hat das World Wide Web die ganze Welt umgekrempelt: Heute haben wir uns an die allgegenwärtige Kommunikation über soziale Netzwerke wie Facebook genau so gewöhnt wie an den Einkauf der Weihnachtsgeschenke bei Amazon. Dabei wird das sogenannte Web heute gerne als Synonym für das gesamte Internet verwendet, das aber schon im Jahr 1969 entwickelt wurde und damit knapp 20 Jahre älter als das Web ist. Neben der E-Mail zählt das Web heute zu den populärsten Anwendungen im globalen Netz und baut weitgehend noch auf den gleichen Kerntechnologien aus der Anfangszeit: Dem TCP-/IP- und dem HTTP-Protokoll sowie der Hypertext Markup Language, kurz HTML, zur Auszeichung von Seiten.
Inhaltsverzeichnis
- 1HTTP entsteht am CERN
- 2Rolle im ISO-/OSI-Modell
- 3Kommunikation
- 4Get, Post, Put und Delete
- 5Sicherheit des Protokolls
- 6Header für Browser und Co.
- 7HTTP 1.0, 1.1 - und dann?
- 8Fazit
HTTP entsteht am CERN
Die Hypertext Markup Language hat über die Jahre immer wieder starke Veränderungen erfahren, da durch den Browserkampf nicht nur Microsoft und Netscape regelmäßig ihre eigenen Ideen für Webinhalte in HTML einbringen wollten. Die TCP-/IP-Ebene wiederum ist bereits seit der Gründung des Internets weitgehend mit ihren entsprechenden Standards beschrieben. So gilt heute in Expertenkreisen die Schicht zwischen der IP- und der HTML-Ebene, das HTTP-Protokoll, als die wahre schöpferische Leistung der WWW-Erfinder: Das Protokoll existiert nur in zwei Versionen, die sich kaum unterscheiden und den Ansprüchen der Surfer in der Mitte der 90er Jahre genauso genügt haben wir in einer Welt mit zwei Milliarden Internetnutzern.
Der Geburtsort von HTTP liegt in der französischen Schweiz: Bereits seit 1984 arbeitete Tim Berners-Lee in der Alpenrepublik für das Europäische Kernforschungszentrum CERN, das heute hauptsächlich durch seine Experimente mit dem Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider für Schlagzeilen sorgt. Statt der Fusion kleinster Teilchen mit annähernder Lichtgeschwindigkeit hatten die Forscher Mitte der 80er Jahre noch ganz andere Probleme: Die Datenverarbeitung der Gebäude auf französischem Gebiet arbeitete nicht besonders gut mit den Anlagen in der Schweiz zusammen, weil es keine einheitliche Technik gab - trotzdem war es für die Wissenschaftler unerlässlich, sich ständig über ihre Arbeitsergebnisse auszutauschen.
Deshalb schlug Tim Berners-Lee seinem Arbeitgeber CERN ein radikal neues Konzept vor: Durch eine neue Sprache zur Auszeichnung von Inhalten in Client-Server-Umgebungen sollten Nutzer beliebiger Anlagen die Fähigkeit erhalten, mit der entsprechenden Software die Inhalte zu betrachten - HTML war geboren. Parallel wurde das Hypertext Transfer Protocol entwickelt, um einen einheitlichen Standard für den Abruf von HTML-Dateien und anderer Dokumente auf entfernten Servern im CERN-Netz zu etablieren.
