Bis heute sind unübersichtlich viele Forks des alten StarOffice entstanden.
Forks: Die vielen Kinder und Enkel von StarOffice
In den vergangenen zehn Jahren gab es keinen Konzern in der IT-Branche, der so viele Konkurrenten wie Oracle geschluckt hat. Seit dem Jahr 2000 vergeht kaum ein Quartal, ohne das der selbstdarstellerische CEO Larry Ellison eine neue Akquisition ankündigt. Der jüngste Coup war die Übernahme von Sun Microsystems, die Anfang des Jahres abgeschlossen wurde und Oracle mit einem Mal zu einem der größten Spieler im Open-Source-Markt machen sollte. Doch mit der Community hat es sich Oracle jetzt gehörig verscherzt.

Inhaltsverzeichnis
- 1Paket von Star Division
- 2Das Projekt OpenOffice
- 3NeoOffice für Mac OS X
- 4Neues Lotus Symphony
- 5China, Brasilien und Co.
- 6Fazit
Nachdem im August 2010 das freie Betriebssystem OpenSolaris praktisch aufgegeben wurde und nun als Illumos von freiwilligen Anhängern weiter entwickelt wird, droht OpenOffice nun das gleiche Schicksal: Kurz nach der Ankündigung einer Reihe von Entwicklern, die bekannte Office-Suite unter dem Namen LibreOffice als neues Projekt weiterzuführen, hat Oracle jede Zusammenarbeit abgelehnt. Geht es nach der Meinung des Konzerns, soll Oracle wie früher Sun Microsystems die Kontrolle über das freie Büropaket behalten und daneben weiterhin eine kommerzielle Fassung für seine Geschäftskunden entwickeln. Damit werden Oracle mit OpenOffice und LibreOffice praktisch zu Konkurrenten - was jedoch nicht ungewöhnlich ist.
Paket von Star Division
Die Entwicklung von OpenOffice ist seit jeher geprägt von Übernahmen, Abspaltungen des Projekts und der Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Mitte der 80er Jahre sah die Welt noch ganz anders aus: Der deutsche IT-Spezialist Marco Börries gründete in Lüneburg die Firma Star Division - da war er gerade einmal 16 Jahre alt. Star Division konzentrierte sich auf die Entwicklung klassischer Office-Anwendungen: Mit StarWriter war schnell die erste Textverarbeitung für PCs fertig, es folgten eine Tabellenkalkulation sowie eine Datenbank namens Adabas. Der große Erfolg von Star Division stellt sich aber erst ein, als alle Programm zu StarOffice gebündelt wurden und als kostengünstige Alternative zu Microsoft Office am Markt platziert wurden.
Bis 1999 wurden über 25 Millionen Lizenzen von StarOffice verkauft, obwohl StarOffice seit 1998 kostenlos für den privaten Gebrauch verfügbar war. Der Erfolg blieb natürlich auch im Silicon Valley nicht unbeachtet: Anfang 1999 wurde bekannt, dass der Hardware- und Server-Hersteller Sun Microsystems den Primus der deutschen IT-Branche übernehmen möchte. StarOffice sollte als Open-Source-Projekt weitergeführt werden und für die lukrativen Geschäftskunden eine Version mit verbesserten Funktionen erhalten bleiben.
Das durch Sun Microsystems immer wieder öffentlich herausgestellte hehre Ziel, der Open-Source-Szene mit StarOffice erstmalig eine leistungsfähige Office-Suite freizugeben, muss aber kritisch hinterfragt werden: Ende der 90er Jahre hatte Sun Microsystems etwa 40.000 Mitarbeiter, von denen über die Hälfte an gleich zwei Rechnern arbeitete. Die Lizenzgebühren für Microsoft Office wären für das Unternehmen so deutlich teurer gekommen, dass die Übernahme von Star Division auch für interne Zwecke praktisch war.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Mac OS X hier.
