Die Welt ist ein Sechseck

Im Test: Civilization V

Gegen drei Uhr nachts und 1200 nach Christus muss man Firaxis dann doch Respekt zollen. Obwohl die Strategie-Reihe "Civilization" nach 19 Jahren, vier Fortsetzungen, zig Erweiterungen und insgesamt über neun Millionen verkauften Exemplaren gemeinhin als Geniestreich mit wenig Luft nach oben galt, hatten die Entwickler unter der Ägide von Designer-Guru Sid Meier und seines Zöglings Jim Shafer offenbar genug Mumm, um manches gehörig umzukrempeln. Das neue "Civilization 5" besitzt zwar mehr Kanten und Ecken denn je - fesselt aber nach wie vor ...

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Im Test: Civilization V - "Civilization 5" besitzt mehr Ecken, Kanten und Neuerungen denn je. (Bild: Take2)
"Civilization 5" besitzt mehr Ecken, Kanten und Neuerungen denn je. (Bild: Take2)

Den Prinzipien der altehrwürdigen Reihe blieb man auch beim fünften Anlauf zur Weltherrschaft treu. Bedeutet: Der Spieler lenkt die Geschicke eines von 18 Völkern durch die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte - von der Steinzeit bis hin zur Besiedelung eines anderen Planeten. Durch Forschung, Handel, Diplomatie und Kriege erweitert man seinen Einflussbereich und avanciert im Idealfall zur mächtigsten Nation auf dem virtuellen Erdball oder einer zufällig erstellten Landmasse. Vereinfacht ausgedrückt.

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Im Detail bedeutet das jede Menge Mikromanagement in den Städten, wo Einheiten, Bauwerke oder gar Weltwunder in Auftrag gegeben werden, während Arbeitertrupps das Umland auf Vordermann bringen.

Obwohl auch die Hoheit über Wirtschaft, Technik und Kultur sowie außenpolitisches Kalkül zum Sieg führen können, ist es die militärische Komponente, die in "Civilization 5" am meisten ausgebaut wurde. Das merkt man einerseits daran, dass die virtuelle Welt - wie bei beinharten Strategietiteln in den 90-ern üblich - aus sechseckigen Landschaftskacheln besteht. Zum anderen daran, dass nur noch eine Einheit auf einem dieser Wabenfelder stehen darf. Das früher beliebte Stapeln von Truppen ist damit passé. Zum ersten Mal in der Geschichte der "Civilization"-Reihe muss sich der Spieler Gedanken über die Formation seiner Armee machen - auch, weil es ausgewiesene Nah- und Fernkämpfer gibt. Letztere, etwa Bogenschützen, Katapulte oder Artillerie, feuern über mehrere Felder hinweg, sind im Nahkampf aber nahezu ohne Verteidigung.

Apropos: Eine gegnerische Stadt zu erobern, ist schwieriger denn je. Selbst wenn keine Einheit darin stationiert ist, weiß sie sich zu verteidigen und leistet heftigen Widerstand. Um diesen zu brechen, müssen wahrhaftige Belagerungsschlachten ausgetragen werden.

Eine weitere Neuerung in "Civilization 5" sind Stadtstaaten. Diese kleinen autonomen Gebiete können und wollen umworben werden. In erster Linie durch Gold. Gerne aber durch die Beseitigung eines Barbarenproblems oder anderer Gefälligkeiten. Monaco, Schanghai und Co danken's mit Treue. Und wertvollen Rohstoffen wie Pferden, Kohle, Öl oder Uran. Denn die sind rar auf der Welt und von strategischer Bedeutung, da sie zum Bau von Einheiten und Gebäuden gebraucht werden.

Aufzuzählen, welche Zahnräder in "Civilization 5" wie ineinandergreifen und wo der Spieler die Stellschrauben anziehen darf, würde jeglichen Rahmen sprengen. Denn wie seine Vorgänger ist auch die Neuauflage ein global angelegtes und komplexes Spiel, das immerhin in einem Punkt vereinfacht wurde: bei der Wahl des Regierungssystems. Durch das Anhäufen von Kultur- und Zufriedenheitspunkten (etwa durch Theater oder Tempel) werden gesellschaftliche Fortschritte freigeschaltet, verteilt auf zehn Leitmotive wie "Frömmigkeit", "Tradition" oder "Autokratie". Die im Vorgänger eingeführten Religionen wurden jedoch wieder aus dem Programm verbannt. Ebenso die Sache mit der Umweltverschmutzung.

Um bei all den Aufgaben eines Staatenlenkers nicht den Überblick zu verlieren, überarbeite Firaxis auch die Steuerung, die unaufdringlich an noch zu treffende Entscheidungen bezüglich der Forschungsprojekte, untätige Einheiten und akute Bedrohungen erinnert. Ebenfalls schön gelöst: die Diplomatie. Trifft man auf ein anderes Volk, wird der Spieler in der jeweiligen Sprache begrüßt, ehe über Krieg, Frieden, Handelsbeziehungen, Geheimpakte oder gemeinsame Forschungsprojekte diskutiert wird.

Im Test: Civilization V


Fazit: "Civilization 5" zählt sicherlich zu den besten Ablegern der Reihe. Grafisch bis auf wenige Ausnahmen (wo sind die Renderfilmchen beim Bau von Weltwundern geblieben?) zeitgemäß in Szene gesetzt, schafft es den Spagat zwischen Komplexität und Zugänglichkeit - ohne jedoch vom ursprünglichen Reiz, 6.000 Jahre Menschheitsgeschichte mitzubestimmen, zu verlieren.

Datenblatt

Civilization V
SpielnameCivilization V
HerstellerFiraxis
VertriebTake 2 Interactive
GenreStrategie
Erhältlich ab24.09.2010
Preisca. 50 Euro
EAN Code5026555055826
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 12 Jahren
Multiplayer2-12 (WWW)
SonstigesMinimum Dual Core CPU mit 2,5 GHz, 2,0 GB RAM, 8,0 GB freier Festplattenspeicher, 3-D-Karte mit 512 MB RAM, Online-Anbindung (Steam)
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerungsehr gut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspasssehr gut
Bewertung Gesamtsehr gut
SystemPC

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