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Kommentar: Fünf Gründe für das Comeback von Nokia
"Wir sind wieder wer"

von Mehmet Toprak Uhr veröffentlicht

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Der finnische Mobilfunkriese Nokia steckt zur Zeit in einer heftigen Krise. Die Marktanteile sinken, Topmanager werden ständig ausgewechselt, neue Mobiltelefone werden in der Presse verrissen. Doch die Lage ist nicht so düster, wie es scheint. Es gibt gute Gründe, warum Nokia bald wieder erfolgreich sein könnte.

Wenn eine Firma ein Problem hat, weil sie zwei oder drei Quartale hintereinander sinkende Marktanteile berichten muss, dann hat sie bald noch ein weiteres Problem. Dann nehmen nämlich die Analysten, Blogger und Kommentatoren Witterung auf. Zuerst berichtet einer, dass es bei der Firma Probleme gebe. Dann berichten auch andere. Wenn dann noch ein Topmanager entlassen wird, und die neue Produktvorstellung misslingt, dann schreiben alle darüber und analysieren genüsslich die "große Krise bei der einst so stolzen Firma".

Stephen Elop, der neue Chef von Nokia, war vorher für das Business-Geschäft von Microsoft zuständig. Er könnte helfen, Nokias Geschäfte in den USA wieder auszubauen. (Quelle: Nokia)

Die negative Presse wirkt sich auch auf den Umsatz aus. Kunden werden misstrauisch und befürchten, das Unternehmen könnte bald pleite gehen oder die Produkte seien nicht mehr so gut. Deshalb kaufen sie die Produkte nicht mehr, was die Krise endgültig zur Krise macht. So oder so ähnlich geht es zurzeit Nokia. Das Unternehmen ist mit großem Abstand Marktführer und fährt Quartal für Quartal Gewinne ein. Trotzdem reden alle so, als sei Nokia schon dem Abgrund nahe.

Touchscreens verschlafen, Apps vergessen

Das soll nicht heißen, dass bei Nokia alles ganz glatt liefe. Der finnische Mobilfunkriese, der mit dem Nokia Communicator sozusagen den Urvater aller Smartphones entwickelt hatte, ist in den letzten Jahren ein bisschen ins Stolpern geraten. Er hat den Trend zu den Touchscreens verschlafen. Aber, wer außer Apple, Samsung und HTC hat das nicht? Außerdem hat Nokia die ganze Begeisterung für Apps auf dem Smartphone unterschätzt. Das war wohl ein Fehler.

Auch die neuen Geräte wie das N8 haben bei ersten Berichten nicht so berauschend abgeschnitten. Technisch gut, aber ohne Ausstrahlung, das ist der Tenor vieler Berichte. Das Problem von Nokia ist also nicht unbedingt ein Qualitätsproblem. Die Geräte sind nicht oder nur marginal schlechter als die von Apple oder HTC. E-Mails versenden, Facebook-Accounts aktualisieren, mit Outlook synchronisieren oder im Internet surfen, den ganzen Kram erledigt ein Nokia-Smartphone genau so wie die anderen. Es handelt sich also in der Hauptsache um eine Imagefrage. Das Image von Nokia ist eindeutig angeschlagen.

Topmanager wechseln im Monatsrhythmus

Dass der Erfolg von Apples iPhone, der Handys mit Android und der Touchscreen-Boliden von HTC oder Samsung die Finnen nervös gemacht hat, konnte man in den letzten Monaten erleben. Da wechselten die die Manager in der Konzernzentrale öfter als Microsoft Bugfixes herausgibt. Einer nach dem anderen musste gehen. Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo, der Vorsitzende des Aufsichtsrats Jorma Ollila und Mobilfunk-Chef Anssi Vanjoki. Letzterer war erst seit Mai im Amt. Man hat inzwischen den Überblick über all die Namen verloren. Jetzt soll es ein Neuer richten, der ehemalige Microsoft-Mann Stephen Elop.

Das neue Nokia E7 erinnert von der Form her an das legendäre Communicator-Modell, das zum Vorbild vieler Smartphones wurde.

Wenn Elop in diesen Tagen durchs Internet surft und die Presseberichte liest, dann hat er genügend Ratschläge für die nächsten zehn Jahre. Hier sind noch ein paar guter Ratschläge. Ausnahmsweise ein paar, die ihn optimistisch stimmen könnten.

1. Nokia hat Zeit

Auch wenn es immer heißt, dass die IT-Branche so unglaublich schnelllebig sei - der Markt für Smartphones ist erst am Anfang. Er wird in den nächsten Jahren noch viele neue Kunden hinzu gewinnen. Es wird noch viele neue Trends und technische Neuerungen geben, die heute noch gar nicht absehbar sind. Unternehmen, die im Mobilfunk-Marathon am Anfang einen schlechten Start erwischt haben, bekommen in der nächsten oder übernächsten Kurve wieder eine Chance, aufzuholen.

2. Nokia hat Geld

Der finnische Konzern ist immer noch profitabel. Vor allem in Märkten wie Indien, Afrika oder China haben viele Menschen noch nicht das Geld, um sich ein 600 Euro teures Super-Luxus-Smartphone von HTC, Apple oder Research in Motion zu kaufen. Die kaufen gerne mal ein ganz normales Nokia-Handy. Und das Geld, das Nokia damit verdient, verschafft dem Unternehmen Zeit und Handlungsspielraum, sich auch auf dem anspruchsvollen europäischen und US-amerikanischen Märkten wieder einzubringen.

3. Nokia hat die Auswahl

Der Mobilfunkriese hat nicht nur alle verschiedenen Sorten von Handys in Programm. Er hat auch gleich mehrere Betriebssysteme. Symbian hoch drei und die Linux-basierten Meego beziehungsweise Maemo. Natürlich muss Nokia sich entscheiden, weil der ständige Wechsel von Betriebssystemen die Verbraucher verwirrt. Aber immerhin gibt es eine Auswahl zwischen mehreren Betriebssystemen und den verschiedensten Handy-Formaten. Die Kunst besteht allerdings darin, das Richtige zu treffen.

4. Nokia hat Erfahrung

Kein Mobiltelefonhersteller hat so viel Know-how und Erfahrung mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Handy-Formaten wie Nokia. Inzwischen haben sie wohl auch gelernt, was nicht funktioniert. Darauf können die Manager zurückgreifen, wenn sie sich entschließen, das Portfolio zu bereinigen.

5. Nokia ist der Außenseiter

Apple und Google haben in den letzten Monaten zunehmend Probleme mit ihrem sauberen Image bekommen. Ob das nun fair ist oder nicht, es wird immer mehr Menschen geben, die kein iPhone von Apple haben wollen, weil Apple ihnen zu mächtig geworden ist. Diese Menschen wollen aber auch kein Handy mit Googles Android-Betriebssystem haben, weil auch Google ihnen zu mächtig geworden ist.

Solche Anwender werden eher zu Blackberrys, Geräten mit Windows Phone 7 oder eben Nokia-Handys greifen. Wenn Nokia es geschickt anstellt, dann zieht es aus der Tatsache, dass Meego ein Linux-Betriebssystem ist, einen Imagegewinn. Denn Linux war schon immer gut fürs Image. Das könnte zwar auch für Google gelten. Doch bei Google funktioniert das nicht, weil Google in den Augen vieler als skrupelloser Datensammler gilt.

Es gibt also bei genauerem Hinsehen einige Gründe, die für ein Comeback Nokias auf dem Smartphone-Markt sprechen. Alles was Nokia dafür braucht, ist ein bisschen Zeit, gute Nerven - und wieder mal ein richtig gutes Handy.

Kommentare zu diesem Artikel

Der finnische Mobilfunkriese Nokia steckt zur Zeit in einer heftigen Krise. Die Marktanteile sinken, Topmanager werden ständig ausgewechselt, neue Mobiltelefone werden in der Presse verrissen. Doch die Lage ist nicht so düster, wie es scheint. Es gibt gute Gründe, warum Nokia bald wieder erfolgreich sein könnte.

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  • TechFan schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fünf Gründe für das Comeback von Nokia

    Sieht schon beeindruckend aus das Ding aus dem Video, würde aber in naher Zukunft nicht mit einem Release rechnen. Die Argumente für Nokia sind auch nicht von der Hand zu weisen. Im Endeffekt wird sich jetzt erstmal das neue OS beweisen müssen. Und da stehen die Zeichen, auch wenn die OS bei Nokia in der Vergangenheit geradezu sträflich vernachlässigt wurden, eigentlich recht gut.
  • sascha.leib schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Fünf Gründe für das Comeback von Nokia

    Zugegeben: Das hier gehört vermutlich unter die Rubrik "Vapourware", aber es zeigt, warum es für Nokia in Zukunft nicht leichter werden wird, an der Spitze zu bleiben:

    http://www.netzwelt.de/news/84141-video-mozilla-traeumt-seabird-handy-zukunft.html

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Kommentar: Fünf Gründe für das Comeback von Nokia
Der finnische Mobilfunkriese Nokia steckt zur Zeit in einer heftigen Krise. Die Marktanteile sinken, Topmanager werden ständig ausgewechselt, neue Mobiltelefone werden in der Presse verrissen. Doch die Lage ist nicht so düster, wie es scheint. Es gibt gute Gründe, warum Nokia bald wieder erfolgreich sein könnte.
http://www.netzwelt.de/news/84146-kommentar-fuenf-gruende-comeback-nokia.html
2010-09-24 12:25:08
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2010/stephen-elop-neue-chef-nokia-war-vorher-business-geschaeft-microsoft-zustaendig-koennte-helfen-nokias-geschaefte-usa-auszubauen-bild-nokia2827.jpeg
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