Die kostenlose Software VirtualBox kam durch die Übernahme von Sun zu Oracle.
Oracle VirtualBox: Virtuelle Maschinen auch mit MacOS X
Seit dem "Browserkrieg" zwischen Microsoft und Netscape kommt der Konzern aus Redmond bei der Open-Source-Community aus der Rolle des Lieblingsfeindes nicht mehr heraus, egal wie sehr man sich bei Microsoft heute auch um Interoperabilität bemüht. Seit der Akquisition von Sun Microsystems durch Oracle scheint die Rolle des bösen Buben der IT-Branche nun aber von Bill Gates auf Larry Ellison überzugehen: In den letzten Monaten hat Oracle die Open-Source-Community sehr verärgert, da es im Bereich Java gegen den Konkurrenten Google eine Klage eingereicht hat und das freie OpenSolaris nicht mehr unterstützt.

Inhaltsverzeichnis
- 1Entwickelt in Deutschland
- 2Ganze Rechner im Fenster
- 3Additions und Platten-Format
- 4Fazit
Lediglich ein Programm hat die Übernahme ohne Probleme überstanden: VirtualBox. Die Software läuft auf einer Vielzahl von Betriebssystemen und ist im Gegensatz zu Xen eher für Endanwender gedacht. Mit dem Programm kann der Nutzer zwar nicht zwei Betriebssysteme völlig gleichberechtigt auf seinem PC starten, aber zumindest beliebig viele Gäste innerhalb eines Fensters des Host-Systems laufen lassen. Schon in der ersten Version von VirtualBox wurde besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Software auch für eher ungeübte Einsteiger verständlich ist. Lange war VirtualBox die einzige kostenlose Alternative zu den bis zum heutigen Tag sehr kostspieligen Produkten von Parallels, die noch dazu Closed-Source-Produkte sind.
Entwickelt in Deutschland
Für gewöhnlich hinkt die deutsche IT-Branche den Vereinigten Staaten immer ein Stück hinterher, aber nicht im Bereich Virtualisierung: Nur die wenigsten Benutzer werden wissen, dass VirtualBox seinen Ursprung in Deutschland hat. Im Januar 2007 wurde die erste Version von VirtualBox durch die deutsche Innotek GmbH veröffentlicht - von Anfang an sowohl in einer kommerziellen Ausgabe als auch als Open-Source-Edition, die zunächst nur über einen eingeschränkten Funktionsumfang verfügte. Das Unternehmen Innotek, dessen Sitz sich in dem kleinen Städtchen Weinstadt im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg befindet, hat mit VirtualBox nicht seine erste Virtualisierungslösung entwickelt: Innotek war maßgeblich an Microsoft VirtualPC beteiligt, das genau wie VirtualBox ein Betriebssystem innerhalb des Gast-Systems hochfahren und verwalten kann.
Nur knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung von VirtualBox war das Produkt für den amerikanischen ITK-Konzern Sun Microsystems dann so interessant, dass die Innotek GmbH für einen nicht genannten Preis in die US-Firma integriert wurde. Die Übernahme ist in der Open-Source-Community etwas untergegangen, da erst einen Monat zuvor Sun für mehr als eine Milliarde Dollar den Datenbankspezialisten MySQL geschluckt hat.
Die maßgebliche Motivation für den Kauf des der Innotek GmbH dürfte gewesen sein, dass Sun damals sehr viel Arbeit in das freie Projekt Xen investiert hat, dessen Mutterfirma XenSource aber durch den großen Konkurrenten Citrix gekauft wurde. Mit VirtualBox hat sich Sun eine zweite und erfolgreiche Technologie für die wichtige Virtualisierung ins Haus geholt, die auch noch die Stellung als Open-Source-Firma stärkt.
Eigentlich hatte Sun vor, mit Dienstleistungen um Open-Source-Produkte wie OpenOffice oder VirtualBox ab 2008 richtig Geld zu verdienen - das hätte vermutlich auch geklappt, wäre da nicht die Finanzkrise über die Wirtschaft gekommen. So wurde Sun und damit auch Innotek schließlich 2010 von Oracle gekauft.
Galerie: Oracle VirtualBox
Oracle VirtualBox zeigt zu jeder virtuellen Maschine die Systemdetails genau an.
Mit den Sicherungspunkten kann der Nutzer Abbilder seiner Maschine zu einem bestimmten Zeitpunkt erstellen.
Zur Verwaltung von Speichern gibt es eine eigene Komponente in VirtualBox.
Neben den Formaten VDI, VDMK und VHD unterstützt VirtualBox auch das neuere OVF-Format für virtuelle Maschinen.
Oracle: Mehrere Editionen
Heute gibt es von VirtualBox gleich dutzende Versionen: Da ist einerseits die Produktlinie, die Oracle als VM bezeichnet und darunter auch VM VirtualBox anbietet. Die Lösungen dort entsprechen weitgehend der alten Sun xVM-Gruppe. Oracle VM VirtualBox kann vollkommen kostenlos heruntergeladen werden, die Software ist allerdings mit einem Branding von Oracle versehen. Da es (derzeit) keine Unterschiede zur Ausgabe der Open-Source-Community auf der VirtualBox-Projektseite gibt, kann sollte jeder Nutzer besser direkt dort die entsprechende Version für sein Betriebssystem laden. In Zukunft wird Oracle die professionelle Fassung mit höher Wahrscheinlichkeit durch erweiterte Funktionen stärker gegen die freie Version abgrenzen.
Die freie Variante wird auch kurz VirtualBox OSE genannt (Open Source Edition). Das Programm selbst wird ohne Probleme auf allen wichtigen Betriebssystemen betrieben: Es gibt eine Version für Microsoft Windows in Version 2000, XP, Windows 7 und Server 2003. Natürlich läuft VirtualBox OSE auch unter Red Hat Linux, Ubuntu GNU / Linux, Novell Suse bzw. OpenSuse, Debian sowie Fedora Core. Die Auswahl wird durch die Unterstützung für MacOS X abgerundet: Alle Rechner mit OS X 10.5 können als Host für VirtualBox dienen.
Dabei ist die Installation nicht auf allen Plattformen gleich schwierig: Unter Windows und MacOS X hat jeder Nutzer die Möglichkeit, den komfortablen Installationsassistenten zu nutzen. Dieser verankert VirtualBox so im System und installiert z.B. in MacOS X entsprechende Kernelmodule, dass später alles robust läuft. Unter Linux sieht die Sache nicht ganz so einfach aus: Für die meisten Distributionen gibt es zwar fertige Pakete im RPM- und DEB-Format direkt vom Distributor, diese haben sich in der Vergangenheit aber leider als leicht instabil erwiesen. Auch werden bei der Installation die Abhängigkeiten nicht immer korrekt aufgelöst, sodass gelegentlich sogar das Kernelmodul nicht installiert wird - besser sollte der Nutzer also direkt zu einer Linux-Version auf der Projektseite von VirtualBox greifen. Dort stehen monolithische Pakete zum Download bereit, deren Installation dann weitgehend ohne Abhängigkeiten von dritten Programmen erfolgen kann.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir folgende redaktionelle Übersichten erstellt: Mac OS X und Emulatoren.
