Portal soll Nutzern Hilfe bei Infektionen bieten
Botfrei.de: Internetverband eco will gegen Botnetze vorgehen
Der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) sieht in Botnetzen einer der größten Gefahren, die derzeit im Internet kursieren. Ein gemeinsames Portal des Verbandes und des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie soll Nutzern bei Infektion ihres Rechners Abhilfe bieten, im Notfall auch telefonisch.
Als Botnetz wird ein Netzwerk von gekaperten Computern, die von Cyberkriminellen für ihre Zwecke missbraucht werden, bezeichnet. Die Netze bestehen zumeist aus mehreren Millionen privater Computer und stellen damit den Verbrechern eine enorme Rechenleistung und Bandbreite zur Verfügung, um beispielsweise Spam-Nachrichten zu versenden. "Betroffene Internetnutzer wissen meist nicht, dass ihr Computer gekapert wurde und zum Versand von Spam, zur Verbreitung von Schadprogrammen oder zum Ausspionieren von Daten illegal genutzt wird", sagt Bernd Becker vom Internetverband eco. Künftig sollen Netzbetreiber ihre Kunden bei einem Verdacht auf Infektion informieren und an botfrei.de verweisen.
Hier gibt es nicht nur Hintergrundsinformationen über Botnetze und Tipps um einer Infektion vorzubeugen, sondern auch ein Programm des Antiviren-Herstellers Norton um befallen Rechner von Schadsoftware zu befreien. Sollten Nutzer hierbei auf Probleme stoßen, steht ihnen auch die Möglichkeit offen telefonische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ähnliche Initiativen gibt es bereits auf der ganzen Welt
eco präsentierte das Portal auf dem jährlichen Anti-Spam-Kongress, denn der Verband derzeit in Wiesbaden abhält. Ähnliche Initiativen gibt es bereits in Europa, Nordamerika und Asien. IT-Unternehmen weltweit sehen in Botnetzen eine steigende Gefahr und wollen durch Aufklärung und entsprechende Initiativen den Cyberkriminellen diese Infrastruktur entziehen. Notfalls auch mit harten Bandagen. Microsoft etwa klagte erfolgreich gegen die Betreiber des Botnetzes Waledac.
In einem Präzedenzfall sprachen die Richter in Abwesenheit der Beklagten Microsoft 276 Domains zu, über die die Cyberkriminellen Rechner infiziert hatten. Nun will Microsoft zusammen mit den Netzbetreibern die infizierten Rechner weltweit ausfindig machen und säubern. Das Vorgehen des Konzerns ist dabei nicht ungefährlich: Die Waledac Betreiber sollen einen Vertreter der Kanzlei, die für Microsoft in diesem Fall tätig war bedroht haben und eine Denial of Service Attacke gegen die Server der Kanzlei unternommen haben.

Reporter der BBC-Sendung "Click" übernahmen nach eigenen Angaben die Kontrolle über ein Botnetz. Für eine Reportage über Internetkriminalität demonstrieren sie, wie Verbrecher die Zombie-Computer einsetzen.
Für Cybergangster sind die Zombie-Rechner in Botnetzen ein wichtiges Tatwerkzeug. Die Kontrolle über Computer geben sie nicht freiwillig auf. Oder doch? Kürzlich zerstörte das Zeus-Botnetz über 100.000 seiner Zombies.
Weltweit geraten Millionen von Rechnern nach dem Herunterladen einer infizierten Datei unter fremde Kontrolle. In der Regel bemerkt der Computerbesitzer dabei nicht einmal, dass sein Rechner als Teil eines Botnetzes für Spam-Versand oder Datenspionage missbraucht wird.
Den vierten IT-Gipfel der Bundesregierung, der heute in Stuttgart stattfand, nutzt der Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco, um für sein Vorgehen gegen Botnetze zu werben. Nutzer von Rechnern, die als Teil eines solch kriminell genutzten Rechnerverbunds erkannt worden sind, sollen auf eine spezielle Webseite umgeleitet werden, auf der sie Hilfestellungen zum Entfernen der bösartigen Software finden. Zusätzliche Unterstützung soll ein Callcenter bieten.
Spanische Ermittler haben eines der weltweit größten Botnetze gesprengt und drei Verdächtige festgenommen. 13 Millionen Rechner sollen international von dem Datendiebstahl betroffen sein. Das Netzwerk war zuvor noch von einem IT-Sicherheitsexperten als harmlos eingestuft worden.
Rustock versendet seit kurzem keinen Spam mehr. Das Botnetz wurde von der Digital Crimes Unit von Microsoft in Zusammenarbeit mit US-Behörden ausgeschaltet. Rund eine Millionen Rechner waren in das Netzwerk eingebunden.
US-Behörden haben das Coreflood-Botnetz lahm gelegt, dem rund zwei Millionen infizierte Rechner angehören sollen. Mit Hilfe einer einstweiligen Verfügung können die Behörden aktiv auf infizierte Rechner zugreifen um die Schadsoftware zu stoppen.




