Reine Verhandlungssache
Im Test: Patrizier IV
Erfolgreiche Wiederbelebung: 1992 brachte Ascon seine Wirtschaftssimulation "Patrizier" auf den Markt, die auch wegen ihres gut recherchierten historischen Hintergrunds bis heute zu den Highlights des Genres zählt. Zehn Jahre nach dem technisch aufgepeppten "Patrizier 2" greift der Gütersloher Entwickler Gaming Minds das Spielprinzip erneut auf: "Patrizier 4" präsentiert die Stärken der Vorgänger in zeitgemäßem Gewand.
Patrizier 4: Wenn der bekannte deutsche DJ Sven Väth für Patrizier 4 Werbung macht, dann klingt das natürlich nach Techno. Und guten Preisen. Denn "The Message is Handelei." Bleibt eigentlich nur eine Frage offen: "Habt Ihr Bock zu handeln?" Erhältlich ist das Strategie-Spiel Patrizier 4 für den PC. Zum Video: Patrizier 4
1992, zu einer Zeit, als Computerspiele vielmals noch mit Argwohn beäugt wurden, fand Ascons Wirtschaftssimulation "Patrizier" auch Respekt und Zuspruch in Kreisen, die normalerweise dem digitalen Freizeitvergnügen eher skeptisch gegenüberstanden. Nach der Insolvenz der "Patrizier"-Macher nahm sich nun die Gütersloher Spieleschmiede Gaming Minds der Wirtschaftssimulation an und produzierte einen soliden Nachfolger, der Einzelspielern für einige Wochen anspruchsvolle Unterhaltung bescheren dürfte.
Man startet in der Hansestadt Lübeck als kleiner Krämer mit einem bescheidenen Schiffchen und ist bestrebt, sich zunächst zum Händler und dann immer weiter in der gesellschaftlichen Rangleiter nach oben zu arbeiten. Anfangs gilt es, sein Kapital durch rege Handelstätigkeit zu vermehren: Man verschifft beispielsweise im Heimathafen produziertes Getreide in eine andere Stadt, in der daran ein eklatanter Mangel herrscht. Große Nachfrage treibt die Preise für Rohstoffe in die Höhe - liefert man jedoch zu große Mengen eines Guts an, wollen die Käufer nicht mehr so tief in die Tasche greifen. Wer Kommunen mit Ressourcen versorgt, über die sie nicht verfügen, steigert dort zudem sein Ansehen - und das ist wichtig für den späteren Aufstieg.
Patrizier 4 teilt die Karte Nordeuropas in acht verschiedene Regionen, in denen manche Güter jeweils exklusiv produziert werden - so gibt es Felle nur in Russland, während ausschließlich Deutschland mit vorzüglichem Gerstensaft dienen kann. Zwischen insgesamt 32 Hafenstädten lassen sich Handelsrouten einrichten - doch vorher sollte man sich intensiv mit dem Warenangebot der einzelnen Metropolen auseinandersetzen und gründlich Preise vergleichen. Erfreulicherweise lassen sich beim Warentransfer Routine-Abläufe automatisieren.
Geld anzuhäufen ist in "Patrizier 4" jedoch nicht besonders schwer. Fordernder wird es da schon, die eigene Karriere voranzutreiben. So gilt es zum einen, die eigene Handelsflotte auszubauen und sich zur See auch gegen heimtückische Piraten zur Wehr zu setzen. Zum anderen ist es möglich, bei der Gilde einer Handelsstadt Privilegien zu erwerben, um beispielsweise weitere Kontore und Wohnhäuser zu bauen oder bestimmte Waren zu produzieren. Auch eine politische Laufbahn ist möglich, indem man sich im Stadtrat engagiert oder womöglich gar das Amt des Bürgermeisters übernimmt.
Während die solide, frei dreh-, kipp- und zoombare Grafik mit ihren putzigen, belebten Städtchen dezent altbackenen Charme versprüht, fällt die Steuerung von Handel und Wandel aufgeräumt und übersichtlich aus. Auch Einsteiger dürften sich dank der Tutorial-Tipps schnell mit Menüs, Aktionsfenstern und Statistiken zurechtfinden. In der Kampagne geben zudem kleinere Aufträge immer wieder die Richtung vor. Wer möchte, kann jedoch im Freien Spiel auch selbst die Ausgangsvoraussetzungen für sein Kaufmanns-Dasein definieren.
Im Test: Patrizier IV
Mit "Patrizier 4" erscheint eine zeitgemäße Neuauflage der traditionsreichen Wirtschaftssimulation. (Bild: Kalypso)
Zu Beginn ist "Patrizier 4" eine einfache Handelssimulation, in der Waren an Punkt A günstig ein- und an Punkt B teuer verkauft werden. Doch mit dem Geld wachsen auch die Möglichkeiten ... (Bild: Kalypso)
Nur wer seine Handelsrouten geschickt plant, kann ordentlich abkassieren. (Bild: Kalypso)
Nachbesserungsbedarf besteht vor allem bei den öden Seegefechten. (Bild: Kalypso)
"Patrizier 4" ist ein würdiger Nachfolger der legendären Wirtschaftssimulationen von Ascon (später: Ascaron) - für Einsteiger vielleicht sogar einen Tick zugänglicher. Der Vergleich mit Ubisofts "Anno"-Reihe drängt sich zwar auf, hinkt aber, da "Anno" nicht den WiSim-, sondern den Aufbau-Aspekt in den Mittelpunkt stellt. Das Erstlingswerk der Gaming Minds hingegen hat das Zeug dazu, dem gegenwärtig etwas darbenden WiSim-Sektor neue begeisterte Spieler zuzuführen.
Datenblatt
| Patrizier IV | |
| Spielname | Patrizier IV |
| Hersteller | Gaming Minds |
| Vertrieb | Kalypso Media |
| Genre | Strategie |
| VÖ Datum | 02.09.2010 |
| Preis | ca. 50 Euro |
| EAN Code | 4260089412651 |
| Schwierigkeit | Für Fortgeschrittene und Profis |
| Alter | Ab 6 Jahren |
| Multiplayer | nein |
| Sonstiges | Minimum CPU A64 X2 3200, 2,0 GB RAM, 2,7 GB freier Festplattenspeicher, Geforce 7950 |
| Bewertung Grafik | befriedigend |
| Bewertung Steuerung | gut |
| Bewertung Sound | gut |
| Bewertung Spielspass | gut |
| Bewertung Gesamt | gut |
| System | PC |

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