Geniestreich oder Fehler des Chip-Giganten?
Übernahme: Intel kauft McAfee
Der Halbleiterriese Intel will mit der Übernahme des Sicherheitsspezialisten McAfee neue Ansätze bei Sicherheitslösungen entwickeln. Genialer Coup oder strategischer Fehlgriff? Branchenexperten rätseln über Intels Pläne.

Inhaltsverzeichnis
- 1Hardware-naher Ansatz
- 2Sicherheitslösungen für Cloud Computing und Medizin
- 3Hat Intel einen Fehler gemacht?
Der Sommer 2010 ist durch eine Reihe von Firmenübernahmen und Fusionen gekennzeichnet. Dell kauft den Speicherspezialisten 3PAR, Google übernimmt Jambool und IBM verleibt sich den Softwarehersteller Unica ein, um nur einige Beispiele zu nennen. Die spektakulärste Nachricht kommt aber von Intel. Der Chipriese wird McAfee übernehmen. Dazu wird Intel die Stammaktien von McAfee zu einem Betrag von 48 Dollar pro Aktie in bar kaufen. Das entspricht einem Gesamtbetrag von etwa 7,68 Milliarden Dollar.
Laut Intel haben die Unternehmensvorstände dem Vertrag bereits zugestimmt, jetzt fehlen allerdings noch die Genehmigungen der McAfee-Aktionäre und der Aufsichtsbehörden. Wenn die Übernahme erst mal abgeschlossen ist, wird McAfee als Tochterfirma von Intel firmieren.
Hardware-naher Ansatz
Die Meldung hat bei Branchenexperten einiges Rätselraten verursacht. Was genau hat der Halbleiterspezialist mit einem Anbieter von Sicherheits-Software vor, der mit Antiviren-Programmen groß geworden ist? In seiner Mitteilung macht Intel hier nur Andeutungen. Eine grundlegende Botschaft ist, dass es bei der Entwicklung neuer Produkte in Zukunft nicht nur auf Performance, Energieeffizienz und Internetzugang ankommt, sondern zunehmend auch auf Sicherheit. Das erklärte Intel-Chef Paul Otellini in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens.
Zudem seien heutige Sicherheitslösungen den vielfältigen Gefahren der Online-Welt nicht gewachsen. Intel nennt hier Gefahren für Mobilfunkgeräte, Autos, Fernsehgeräte, medizinische Geräte und Bankautomaten. Hier bedürfe es "eines grundlegend neuen Ansatzes in der eingesetzten Software, Hardware und den Dienstleistungen." Als naheliegend gilt, dass Intel hier einen sehr Hardware-nahen Ansatz verfolgen will.

Wer weiß, vielleicht ist der Grund viel simpler: AMD wird als Konkurrent im Bereich der Chipherstellung immer größer und konkurrenzfähiger, da hat sich Intel einfach ein weiteres Standbein gesucht. ...