Bausparer und Lifestyle-Softies machen den Hampelmann

Kommentar: Microsoft Kinect oder Playstation Move?

Grob vereinfacht gesagt gibt es zwei Arten Gamer: PC- und Konsolen-Spieler. Die ersten meinen es meistens ernst wenn sie sagen: Ich zock jetzt ne Runde. Das andere Klientel splittet sich auf in pubertierende, leicht übergewichtige Mädchen (Nintendo Wii), echte und Möchtegern-Kerle (Playstation 3) und Bausparer (Xbox 360). Während der PS3-Spieler im wirklichen Leben auf Motorräder, Quads und Bagger abfährt, macht sich der Xbox-360-Pilot Sorgen um seine Rente. Oder schaut nach, was der Wii-spielende (weibliche, pubertierende, leicht übergewichtige) Nachwuchs im Kinderzimmer gerade anstellt.

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Playstation Move: Auf den Spuren von Nintendo: Mit Playstation Move stellt Sony eine Wii-ähnliche Steuerung für die Spielekonsole Playstation 3 vor. Netzwelt konnte das System bereits vor dem Verkaufsstart testen. Zum Video: Playstation Move

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Move ist genauer als Kinect
  2. 2Der Mensch als Controller
  3. 3Verhaltener Jubel statt Bewegungssteuerungsbeat 
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Xbox-Besitzer brüsten sich damit, dass ihre Konsole genauso so viel draufhat wie die Playstation 3 - aber deutlich günstiger war. PS3-Spieler kontern dann schnell mit: "Kann genauso viel wie die Xbox, steht aber nicht Microsoft drauf und ist ein vollwertiger Computer". Das Geschäft mit den Konsolen war schon immer vom Image des Herstellers, von der Anzahl und der Art der verfügbaren Spiele und nicht zuletzt von einer ordentlichen Portion Testosteron geprägt. Von Nintendos Wii einmal abgesehen - die findet der Durchschnittsdeutsche einfach super, das übergewichtige, pubertierende, picklige Mädchen hingegen hat sie im Kinderzimmer stehen, weil sie ihren Eltern das Teil als Abnehmhilfe verkauft hat, der metrosexuelle Lifestyle-Softie attestiert der weißen Box eine heitere Knuffigkeit und der Marketing-Mensch schwärmt von neuen Käuferschichten, die seit dem Wii-Zeitalter erreicht werden. 

Das alles sollte man wissen wenn man beurteilen will, was derzeit auf der Gamescom in Köln stattfindet.

Denn mitten in diese klar strukturierte Konsolen-Stereotypie treibt das nächste Buzzwort einen Keil in die so sorgfältig gegliederte Konsolengemeinde: Bewegungssteuerung. Bausparer, Lifestyle-Softies, Hardcore-Gamer: Jetzt machen sie alle den Hampelmann.

Sony präsentiert für seine Spielekonsole Playstation 3 den Move-Controller der Öffentlichkeit. Microsoft hingegen verabschiedet sich völlig vom klassischen Steuerknüppel und wirft für die Xbox 360 Kinect in den Ring. Und auch Nintendos Wii ist noch nicht untergegangen. Welches System ist denn nun das bessere? Kann es überhaupt eine klare Empfehlung für die eine oder andere Plattform geben?

Obwohl sich beide Systeme auf der weltweit größten Spielemesse ausprobieren lassen haben die meisten Menschen, auch ohne selbst Hand angelegt zu haben, eine fundierte Meinung zu den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Konsolen-Interaktion. Diese nährt sich - wie könnte es anders sein - aus den gefestigten Vorurteilen der angesprochenen Stereotypen. Für den neutralen Beobachter scheint es völlig egal zu sein, welches System nun besser funktioniert. Es geht nur darum, seine "eigene" Konsole gegenüber den "fremden" Spielgeräten zu verteidigen. Und damit die eigene Kaufentscheidung. Und damit letzten Endes das eigene Ego.

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