Netzwelt zeigt, dass auch beim größten Suchkonzern der Welt nicht alles glatt läuft.
Google: Die erfolglosen Dienste des Suchgiganten
Larry Page ist einer der brillantesten Informatiker, die es in den Vereinigten Staaten überhaupt gibt: Der von ihm entwickelte PageRank-Algorithmus treibt heute die größte Suchmaschine des Planeten an. Zusammen mit Sergei Brin gründete er 1998 das Unternehmen Google, um einen falsch ausgestellten Scheck von Andy von Bechtolsheim einzulösen. Der deutsche IT-Pionier gehört zu den ersten Investoren bei Google. In kaum zehn Jahren hat Google mit der Websuche und verwandten Diensten einen enormen Erfolg erzielt.
Inhaltsverzeichnis
- 1E-Mail ist doch besser als Wave
- 2Dodgeball, Foursquare & Google
- 3Nexus One ist nicht das iPhone
- 4Probleme im sozialen Netzwerk
- 5Checkout und andere Produkte
- 6Fazit
Doch jetzt bekommt das schillernde Image des Konzerns erste Risse: Nach der öffentlichen Diskussion um die Speicherung von WiFi-Netzwerken durch Google Street View-Autos wurde in der letzten Woche bekannt, dass Google seine Wave-Plattform abschalten wird - und damit genau einen derjenigen Dienste, der Google wieder Abstand gegen Microsoft, Apple, Facebook und Co. verschaffen sollte. Dabei ist kaum bekannt, dass auch davor immer wieder Dienste eingestellt wurden. Netzwelt zeigt die größten Misserfolge.
E-Mail ist doch besser als Wave
Google Wave wurde im Mai 2009 vorgestellt und sollte die Art der private Kommunikation revolutionieren: In einer Plattform wollte der Suchkonzern die Idee von E-Mail mit Instant Messaging verbinden. Außerdem war Wave noch dazu gedacht, gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten - idealerweise natürlich über Google Text und Tabellen. Nachdem der Anwender eine Wave gesartet hatte, konnte er beliebige Leute dazu einladen. Sie wiederum sehen in Echtzeit, welche Änderungen der Besitzer und andere Wave-Teilnehmer vornehmen. Die Plattform wurde komplett im Browser bedient, hat also grundsätzlich eine große Zielgruppe.
Erst im Mai 2010 wurde Wave aus der Beta-Phase entlassen, doch Anfang August gab Google bekannt, der Dienst werde zum Ende des Jahres eingestellt. Es gab zwar nur eine schwammige offizielle Begründung, in der IT-Szene gelten jedoch die Nutzerzahlen als wahrscheinlichstes Argument für den Suchkonzern. Sofern Dienste wie Google Wave nicht zügig eine kritische Masse erreichen, ist das Wachstum schnell beschränkt, da es an Eigendynamik mangelt. Daher schlägt das Management jetzt einen anderen Weg ein: Google Wave wird eingestellt, die Technik soll aber als Open-Source-Programm für jeden frei zugänglich werden. So kann theoretisch jedes Unternehmen das Projekt wieder aufleben lassen - es wird spannend, ob das tatsächlich geschehen wird.
Google: Erfolglose Webdienste
Der jüngste Misserfolg ist Google Wave, das Ende 2010 geschlossen wird.
Google hat sogar versucht, die Wikipedia zu kopieren - allerdings ohne Erfolg.
Google kaufte einst den Vorgänger des derzeit beliebtesten Start-Ups, hat aus Dodgeball aber nichts gemacht.
Das erste Google-Handy, zunächst als iPhone-Killer vermarktet, war auch das letzte Smartphone des Suchkonzerns.
Der finnische Twitter-Klon Jaiku wird nach dem Rückzug Googles von einer Reihe freiwilliger Helfer betrieben.
Das soziale Netzwerk Orkut ist nur in Indien und Brasilien beliebt, Facebook hat weltweit deutlich mehr Benutzer.
Mit Google Checkout wollte man einen Bezahldienst gegen die eBay-Tochter positionieren. Heute wird das System kaum akzeptiert.
Dienste wie Google Base bzw. der Merchant Center finden ebenfalls kaum noch Anhänger.
Google Knol - Eigene Wikipedia
Die Google-Ingenieure hatten nicht nur E-Mail aus dem Korn, sondern mit Wikipedia auch die bekannteste Enzyklopädie im Netz. Google kündigte Ende 2007 eine Plattform unter dem Namen Knol an, als Wikipedia schon in voller Blüte stand - und dementsprechend hält sich der Erfolg bis heute in Grenzen. Das liegt auch daran, dass Knol nicht dem Wiki-Konzept folgt: Jeder Artikel wird nur von einem einzigen Nutzer gepflegt. Dieser kann seinen Beitrag allerdings für die Bearbeitung durch dritte Personen freigeben oder bis zu 10 Anwender zur gemeinsamen Bearbeitung einladen. Auch Diskussionen zu Artikeln gibt es.
Insgesamt entwickelt sich Knol damit aber nicht zur Enzyklopädie, die nach dem demokratischen Prinzip die Meinung der Mehrheit abbildet. Knol ist vielmehr eine Sammlung von Einzelmeinungen, die Themen aus der Sicht des jeweiligen Autors behandeln - und genau hier liegt die größte Schwäche. Schreibt ein Nutzer über ein Thema, mit dem er sich nicht richtig auskennt, kommt das Wissen eines Experten eventuell zu kurz. Der Betreiber Google hat Knol bisher zwar nicht abgestellt, die Plattform verzeichnet jedoch kaum ein Wachstum - und in der Google Websuche sind die Artikel aus der Wikipedia auch deutlich höher gelistet.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Apple iPhone hier.

Google betreibt einfach schon ewig ein Spielchen aus Trial and Error. Wenn etwas funktioniert oder Potential hat wird es fortgesetzt, ansonsten halt die Belegschaft gefeuert. Man muss schon ein...