Wahrlich ein schauerliches Ende
Kommentar: Das gescheiterte Linux-Projekt
Das alternative Betriebssystem Linux sollte einst mehr Freiheit auf den Desktop-Markt bringen und Microsoft Konkurrenz machen. Doch jetzt wird klar: Der Versuch, Windows vom Thron zu stoßen, ist gescheitert.
Bei den aktuellen Zahlen von Net Market Share über den Marktanteil der Betriebssysteme fällt eine Zahl besonders auf: 0,9 Prozent - das ist derzeit der weltweite Marktanteil des Betriebssystems Linux. Sollte das nicht mehr sein? Viel mehr? Ende der 90er Jahre gab es einen richtigen Hype um das alternative Betriebssystem. Die Begeisterung verstärkte sich noch, als der bedienfreundliche grafische Desktop KDE auf den Markt kam. Man versuchte damals, die Windows-Oberfläche zu kopieren, das war vielleicht schon ein erster Fehler. Das unausgesprochene Eingeständnis, dass Windows das Vorbild ist.
Aber in der Ära von Windows 98/XP waren die Linux-Fans noch voller Optimismus. Schließlich war Microsoft in diesen Jahren ganz schön unter Druck. Kartellverfahren in den USA und in Europa, die Sicherheitsprobleme bei Windows XP und beim Internet Explorer. Alle schimpften auf den bösen Monopolisten aus Redmond und riefen lautstark nach einer Alternative. Ein Marktanteil von zehn oder 20 Prozent für Linux schien durchaus realistisch.
Linux nur im Profibereich erfolgreich
Es ist anders gekommen. Zwar haben sich Linux-Distributionen wie Suse im Profibereich etablieren können und einige Städte und Gemeinden in Deutschland setzen auch auf das quelloffene Betriebssystem. Aber der große erträumte Durchbruch auf dem Massenmarkt, der ist nicht geglückt. 0,9 Prozent, das ist die aktuelle Zahl. So was nennt man wohl grandios gescheitert.
Woran lag´s? Zum einen hat Linux es bis heute nicht geschafft, das Image des komplizierten Betriebssystems für Insider abzulegen. Selbst Ubuntu hat daran nichts geändert. Zum anderen hat der Trend zum Multimedia und grafisch spektakulären Spielen am PC den Erfolg von Linux verhindert. Es gibt einfach zu wenig Spielehersteller, die sich um Linux gekümmert hätten. Und die Hardware-Hersteller und die Kunden haben auch gekniffen, und stattdessen lieber auf Nummer sicher, also auf Windows gesetzt.
Neue Feindbilder entlasten Microsoft
Ein anderer Grund liegt im emotionalen Bereich. Die Linux-Euphorie speiste sich damals zum großen Teil aus den Ressentiments gegen Microsoft. Doch in den letzten Jahren hat der Softwarekonzern eine Reihe von Niederlagen einstecken müssen. Da gab es den Misserfolg von Windows Vista, und die Marktanteile des Internet Explorer waren bis vor Kurzem ebenfalls im Sinkflug. "Big bad Microsoft" hat seinen Schrecken verloren und Bill Gates ist unter die Wohltäter gegangen. Heute haben wir neue Feindbilder. Apple, Google und Facebook machen sich als rücksichtslose Datensammler unbeliebt.
Deshalb stört es heute keinen mehr, wenn Windows einen Marktanteil von 93 Prozent hat. Apple beherrscht zwar jeden Tag die Schlagzeilen, aber auf dem Desktop-Markt spielt MacOS mit etwa fünf Prozent kaum eine Rolle. Hier kann Microsoft sein Monopol in Ruhe weiter festigen. Auf dem Mobile Markt ist zu erwarten, dass Microsoft mit Windows Phone 7 ebenfalls wieder stärker wird. Daneben werden Blackberry, Apples iPhone OS und Googles Android in Zukunft den Ton angeben. Und Linux wird wieder keine Rolle spielen.
Doch halt. Das stimmt ja gar nicht. Schließlich basiert Android von Google auf einem Linux-Kernel. Das ist schon eine traurige Ironie der IT-Geschichte: Das Betriebssystem, das angetreten war, um einen Monopolisten vom Sockel zu stürzen, endet als Kernel für das Betriebssystem eines anderen Monopolisten. Wahrlich ein schauerliches Ende.

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 44 Beiträge
Was soll eigentlich dieser Artikel aussagen? Soll er hinterlegen, dass man beim Kauf eines preiswerten PC's automatisch bei Microsoft mit einkauft? Beim Kauf eines günstigen Pc's in den Verkaufstempeln wie Media...
Mein letztes Laptop (Compaq Presario CQ56) musste ich leider mit einem bereits vorinstallierten Windows 7 Betriebssystem kaufen. Einen solchen PC blanko oder mit vorinstalliertem Linux - System zu kaufen ist nahezu...
Komisch das seit 2004, als ich Linux (Suse) benutze, alle Bereiche, Treiber, Programme, Spiele, Codecs, Office sehr stark zugenommen hat und alles Prima als Desktop Betriebssystem funktioniert. Zur Zeit...
Ich selber finde es natürlich schade, dass nicht alle Welt sich komplett auf freie Software stürzt und alle Monopolisten untergehen und Weltfrieden herrscht. Mich würde - wie die anderen auch - ein...
Zitat: Das heutezutage jeder Volltrottel einen PC bedienen kann, nervt schon genug. Wenn jetz auch noch jeder Volltrotel mein Lieblings-Betriebsystem nutzen würde, das wäre echt...