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Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest
Intuitiv und aufgeräumt: Windows Phone 7 greift Android und Co. an

von Jan Kluczniok Uhr veröffentlicht

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Softwaregigant Microsoft war einst der unumstrittene Platzhirsch im Bereich der Betriebssysteme. Auf dem Smartphone-Markt spielt das in die Jahre gekommene Windows Mobil jedoch keine Rolle mehr. Mit Windows Phone 7 wagt Redmond nun einen Neuanfang um Marktanteile von Apple und Google zurückzugewinnen.

Im Markt der mobilen Betriebssysteme ist Microsoft weit hinter die Konkurrenz von Google und Apple zurückgefallen. Deshalb schickt der Konzern aus Redmond das angestaubte Windows Mobile 6.5 in Rente. Nachfolger Windows Phone 7 setzt auf eine aufgeräumte Oberfläche und intelligente App-Sammlungen - damit will Microsoft auch Privatkunden wieder stärker ansprechen.

Sieht vielversprechend aus: Netzwelt hatte die Gelegenheit, das neue Handy-OS von Microsoft zu testen.

Hardware: Hohe Anforderung und restriktives System

Beim Design des neuen Betriebssystems setzt Microsoft auf Einheitlichkeit. Alle Windows Phone 7-Geräte müssen eine Fünf-Megapixel-Kamera mit Blitz, GPS-Empfänger, Beschleunigungssensor, Kompass und Helligkeitssensor aufweisen. Ein 800 Megahertz-Prozessor, ein kapazitiver Touchscreen sowie mindestens acht Gigabyte-Flashspeicher komplettieren das Hardware-Profil der Smartphones auf Windows-Basis. Alle Windows Phone 7-Geräte werden zudem mit drei Standardtasten unterhalb des Touchscreens ausgeliefert. Sie ermöglichen die Zurück-Navigation, das Öffnen des Startmenüs, ähnlich wie bei den Windows-Desktop-Tastaturen, und die Suche im Telefon.

Windows Phone 7

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Der Startbildschirm von Microsoft Windows Phone 7 ist übersichtlich und aufgeräumt.

Weiterhin muss jedes Smartphone mit Microsofts neuen Betriebssystem einen Knopf bieten, der die Kamerafunktion des Handys aktiviert, auch wenn das Gerät gerade gesperrt oder ausgeschaltet ist. Microsoft will damit den Anwendern ermöglichen, auf die Schnelle einen Schnappschuss zu tätigen, auch wenn das Gerät gerade nicht betriebsbereit ist. Bedauerlich: Die Telefone werden zwar über einen SD beziehungsweise Micro-SD-Kartenslot verfügen, dieser ist für den Nutzer aber nicht zugänglich. Microsoft will damit verhindern, dass Anwender aus Versehen Schadsoftware auf ihr Windows Phone 7 spielen. An Auflösungen unterstützt das neue Windows Phone 7 die Varianten 800 x 480 als auch 320 x 480. Demnach werden die Smartphone-Displays je nach Hersteller zwischen circa zwei und sieben Zoll groß sein.

Oberfläche: Live Tiles - Intelligente Ansammlung von Apps

Bei der Oberfläche beschränkt sich Microsoft auf ein edles 2D-Design, auf überflüssige Grafik-Spielereien wird dabei verzichtet. An Stelle einer unsortierten Ansammlung von Applikationen hat Microsoft fünf so genannte Live Tiles (Kontakte, Bilder, Spiele, Musik & Video, Marketplace sowie Office) gesetzt, die den Startbildschirm von Windows Phone 7 bilden. Bei den Live Tiles handelt es sich um eine intelligente Zusammenfassung mehrerer Applikationen. Während andere Smartphones eine Facebook Applikation, eine Kontaktliste, E-Mail und SMS-Dienste anbieten, laufen diese bei Microsoft in einer Applikation zusammen. Die Kontaktliste umfasst nicht nur die Kontaktdaten der jeweiligen Personen, sondern auch Statusmeldungen von Facebook oder Windows Live. Ähnlich funktionieren die anderen Live Tiles. Der Bildbetrachter integriert zum Beispiel auch Facebook Alben und zeigt dann auch Kommentare zu den Bildern an.

Bedient wird die Oberfläche vornehmlich via Touchscreen, im Kurztest zeigte sich auch, dass der Zurück-Button zum schnellen Menüwechsel sehr praktisch ist. Bei der Touchscreen-Oberfläche hat Microsoft zwei Funktionen eingebaut, die die Oberfläche nicht mit Funktionen überfrachten aber dennoch eine intuitive Bedienung ermöglichen sollen. Sind Bildschirminhalte am rechten Rand abgeschnitten, ist dies kein Fehler sondern Absicht. Denn Windows Phone 7 zeigt damit an, dass mit einem horizontalen Slide hier zu anderen Menüs gewechselt werden kann. Beispielsweise wechselt man so in der Kontaktliste zu den zuletzt verwendeten Kontakten. Mit einem längeren Druck auf ein Symbol oder eine bestimmte Bildschirmstelle öffnet sich dagegen ein Kontextmenü mit weiteren Funktionen. In der fertigen Version von Windows Phone 7 sollen drei Punkte solche Bildschirmbereiche anzeigen.

Applikationen: AppStore soll zum Marktstart prall gefüllt sein

Moderne Smartphone-Betriebssysteme stehen und fallen mit der Zahl der Anwendungen, die für die Software verfügbar sind. Microsoft ist deshalb bemüht, die Entwicklergemeinde zum Schreiben zahlreicher Windows Phone 7-Applikationen zu bewegen, noch bevor das erste Gerät überhaupt im Laden erhältlich ist. Dazu verschenkt der Softwareriese aus Redmond die notwendigen Entwicklungswerkzeuge auf Basis der .NET-Technologie. Bislang wurde das Programmset rund 200.000 mal heruntergeladen. Die starke Nachfrage nach den Entwicklertools weckt die Hoffnung auf einen prall gefüllten App Store zum Start im Herbst. Die Zahl der verfügbaren Applikationen sollte dabei in etwa auf dem Startniveau von Apples Appstore liegen. Dieser war 2008 mit rund 500 Applikationen online gegangen.

Windows Phone 7

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Der Startbildschirm von Microsoft Windows Phone 7 ist übersichtlich und aufgeräumt.

Im Gegensatz zu Apple macht Microsoft die Voraussetzungen für eine Aufnahme von Applikationen in den App Store auf den Entwicklerseiten auch öffentlich. Gewalt verherrlichende und pornografische Inhalte sind hier unter anderem untersagt. Es wird aber möglich sein, dass Applikationen im App Store auch nur für bestimmte Länder freigeschaltet werden können. Dies soll den unterschiedlichen Moralvorstellungen in der Welt Rechnung tragen und deutet einen möglichen Spielraum für Entwickler an.

Auf dem Smartphone selber finden Anwender zum Start eine mobile Version von MS Office, ein Notiz-Programm, das Bilder, Text und Audio-Dateien integrieren kann und weitere Standard-Software, etwa einen Musik-Player. Interessant: Microsoft will seine Zune-Dienste nun auch ab Herbst in Europa anbieten und darüber auch den Verkauf von Musik für Windows Phone 7 abwickeln. Ebenfalls interessant: Die Smartphones mit Microsoft-Betriebssystem sollen tragbare Spielkonsolen sein. Die Verknüpfung mit den Xbox-Live-Diensten soll sogar soweit gehen, dass man einen Spielstand auf der Konsole daheim abspeichern und dann an der Stelle auf dem Smartphone in einer mobilen Version des Spiels weiterspielen kann.

Noch vorhandene Probleme: Zeitdruck geht zu Lasten einiger Funktionen

Ein systemweites "Copy and Paste", Multitasking für Applikationen von Drittanbietern und der Austausch von Fotos via Bluetooth-Schnittstelle werden in der ersten Version von Windows Phone 7 nicht unterstützt werden, das bestätigte Frank Fischer, Leiter Mobile Communications bei Microsoft Deutschland.

"Shipping is also a feature" - heißt es dazu aus Redmond lapidar, zu deutsch: viele Funktionen sind noch denkbar, aber das Produkt muss irgendwann auch einmal ausgeliefert werden. Deshalb konzentriert sich Microsoft auf einen Basissatz von Funktionen und spart andere aus. Schließlich soll Windows Phone 7 bereits im Herbst auf den ersten Smartphones in Europa laufen. Es ist jedoch denkbar, dass die genannten Funktionen später via Firmwareupgrade nachgereicht werden.

Fazit: Windows Phone 7 macht Lust auf mehr

Frisch und aufgeräumt präsentiert sich Windows Phone 7 im Kurztest. Die Bedienung des Systems geht leicht von der Hand. Intuitiv lässt man sich von den abgeschnittenen Inhalten am Bildschirmrand zum nächsten Menü führen. Die Zurück-Navigation mittels Knopf am Telefon korrigiert dabei schnell Irrwege. Ein wenig Feintuning ist jedoch noch angesagt , so wurde im Musik-Player zum Beispiel Bildschirminhalte abgeschnitten. Hier hinter verbargen sich aber keine weiteren Menüs, es handelte sich lediglich um einen Anzeigefehler. Gewöhnungsbedürftig ist dagegen das lange gedrückt halten von Symbolen oder Bildschirmpunkten, um Menüs zu aktivieren oder die Symbole zu verschieben.

Bemerkenswert ist, dass das System bereits jetzt mit enormer Geschwindigkeit arbeitet. Für den Start soll Windows Phone 7 gerade einmal 20 Sekunden brauchen. Die fehlenden Funktionen fallen für Otto-Normal-Verbraucher nicht unbedingt ins Gewicht. Zwar wird Multitasking für Programme von Drittanbietern noch nicht unterstützt, die Basisprogramme des Betriebssystems, etwa der integrierte Musik-Player, können aber im Hintergrund laufen. Der Mehrzahl der Nutzer dürfte diese Funktionalität völlig ausreichen.

Problematisch erscheint jedoch, dass Nutzer die volle Funktionalität des Systems erst dann ausreizen können, wenn sie diverse Microsoft-Dienste, wie Windows-Live, nutzen. Hier bleibt abzuwarten, inwieweit und wie gut Microsofts geplante Dienste (Zune, etc.) sein werden und wie weit sich ähnliche Dienste anderer Anbieter in das System einbinden lassen.

Man darf also gespannt sein, auf die Veröffentlichung von Windows Phone 7 im Herbst 2010, zumal Microsoft sich bislang zu einigen Funktionen (Stichwort: Navigation) noch bedeckt hält. Bislang haben bereits mehrere namhafte Hersteller die Veröffentlichung ihrer Geräte zum Start des Betriebssystems angekündigt.

Kommentare zu diesem Artikel

Softwaregigant Microsoft war einst der unumstrittene Platzhirsch im Bereich der Betriebssysteme. Auf dem Smartphone-Markt spielt das in die Jahre gekommene Windows Mobil jedoch keine Rolle mehr. Mit Windows Phone 7 wagt Redmond nun einen Neuanfang um Marktanteile von Apple und Google zurückzugewinnen.

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  • .:Philipp:. schrieb Uhr
    AW: Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest

    Vom Design her hätten sie gleich das von Win95 nehmen können. Das Interface sieht auf jeden Fall schrecklich aus.
  • foanDroll schrieb Uhr
    AW: Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest

    Finde die Menü-Aufteilung auch nicht gelungen, zehn Apps pro "Seite" mit jeweils nur zweien pro Zeile, ist einfach Verschwendung von Platz und kann bei der Masse an potentiell verfügbaren Apps schnell unübersichtlich werden. Interessant ist aber, dass es so schnell starten soll, Ressourcen-schonendes Arbeiten war ja nie unbedingt eine Stärke von Windows OS. Auch wenn man wohl bedenken sollte, dass der Speicher noch wenig ausgelastet gewesen sein dürfte. Wer weiß, was da in Zukunft noch alles hinzukommt, dass im Hintergrund gleich mit lädt, immerhin werden vollmundig weitere Features für die Zukunft angekündigt. Multitaskfähig solls ja auch sein - auch wenn "Multitasking für Applikationen von Drittanbietern" zu Beginn noch ausstehen soll.
  • Jan K. schrieb Uhr
    AW: Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest

    bin irgendwie nicht sonderlich begeistert von dem interface, ich finds extrem unübersichtlich und auch alles andere als schick. vielleicht ändert sich da ja noch was (oder meine meinung, wenn ichs dann mal selbst in der hand halten kann), aber so bekommt mich microsoft wahrscheinlich nicht von android weg. Wenn man das Telefon in der Hand hat, ist das Interface schon sehr eingägig. Auch wenn Microsoft auf 3D und zahlreichen anderen Schnickschnack verzichtet, es gibt schon einige schöne Animationen. Ich halte es von der Bedienung und von der Grafik für absolut konkurenzfähig.
  • Olli schrieb Uhr
    AW: Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest

    "Die Telefone werden zwar über einen SD beziehungsweise Micro-SD-Kartenslot verfügen, dieser ist für den Nutzer aber nicht zugänglich. Microsoft will damit verhindern, dass Anwender aus Versehen Schadsoftware auf ihr Windows Phone 7 spielen" Haach, was habe ich gelacht.... :D:D
  • sim3333333 schrieb Uhr
    AW: Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest

    bin irgendwie nicht sonderlich begeistert von dem interface, ich finds extrem unübersichtlich und auch alles andere als schick. vielleicht ändert sich da ja noch was (oder meine meinung, wenn ichs dann mal selbst in der hand halten kann), aber so bekommt mich microsoft wahrscheinlich nicht von android weg.
  • fd1 schrieb Uhr
    AW: Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest

    ok microsoft, das wars dann wohl. ich lasse mir mein sd slot nicht nehmen!

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Totgeburt oder Wunderkind: Microsoft Windows Phone 7 im Kurztest
Microsoft unternimmt mit Windows Phone 7 einen neuen Anlauf um die Vormachtsstellung im Bereich der mobilen Betriebssysteme.
http://www.netzwelt.de/news/83570-totgeburt-wunderkind-microsoft-windows-phone-7-kurztest.html
2010-08-04 15:32:22
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