Verkehrte Netzwelt: Der metrosexuelle Lifestyle-Softie

Putzige kleine Spielzeug-Computer

Dieser traurigen kleinen Minicomputer sind was für Leute, die auch unterwegs den Schnabel nicht halten können. Die haben von daher schon etwas ausgesprochen feminines. Wer es auch auf Reisen nicht lassen kann, ständig in seinen Facebook-Account die neuesten Tratsch-&-Klatsch-Meldungen zu lesen, und zu posten, dass er jetzt gerade in Terminal zwei eincheckt, der geht doch wohl nicht mehr als echter Kerl durch. Auch nicht mehr als halber Kerl. 

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Die Feminisierung des männlichen Hightech-Anwenders ist ganz allein die Schuld der psychologisch geschulten Marketingmafia von Samsung, HTC und Konsorten. Die statten ihre Handys mit Social-Media-Schnickschnack, Casual Games und Foto-Kontakten aus, damit sich die Leute schnell wieder neue Geräte kaufen, mit denen sie vor der Arbeit weglaufen können.

Denn die richtige Arbeit, die macht immer der brave Kollege im Büro nebenan, der nicht auf Dienstreise gehen darf. Und während der metrosexuelle Lifestyle-Softie abends im Vier-Sterne-Hotel lässig einen Daiquiri schlürft (Rum weiß, Cointreau, Zitronensaft, Grenadinesirup), und sich danach auf dem Notebook noch eine Folge von "Sex and the City" reinzieht, liegt sein Kollege schon längst rechtschaffen müde im Bett. Der muss am nächsten Morgen nämlich wieder arbeiten. 

Die allerneueste Hightech-Perversität heißt Touchscreen. Statt solider Tasten, wo man noch merkt, was man gedrückt hat, gibt es jetzt die berührungsempfindlichen Displays. Gaaaanz sensible Technik. Da streichelt, wischt und wedelt man mit den Fingern übers bunte Glas und tippt Sprechblasen für die Facebook-Freunde und Twitter-Follower. "Terminal 2. Gleich up in the air. Wow, die blauen Sitze im neuen Airbus, soo geil."

Kennen Sie dieses Spielzeug für achtjährige Mädchen, wie heißt das gleich noch mal? Polly Pocket oder so. Genau so sind auch die neuen Smartphones. Klein, putzig und sündteuer. 

Marshmallow auf Budapester Schuhen

Das ganze Desaster ist der vorläufige Tiefpunkt einer historischen Entwicklung. Die Technik, eigentlich das ureigene Reich des Mannes, hat nach und nach ihren eigenen Schöpfer zerstört. Aus behaarten Affen mit Faustkeil und Keule hat sie zuerst Kerle im Overall mit Säge, Hammer und Schraubenzieher gemacht. Aus diesen wiederum hat sie Herren mit Bildschirm und Tastatur gemacht. Diese hat sie zuletzt in einen metrosexuellen Lifestyle-Softie verwandelt. Eine Karikatur des modernen Großstadtbewohners. Ein twitterndes Marshmallow auf Budapestern.

Mit Hilfe von Multimedia, Gadgets und Touchscreen hat die Technik alles männliche im Mann aufgeweicht, zerbröselt, demontiert und zerstört. Und darum liebe Frauen, wird es nie einen Kalender mit PC-Anwendern geben.