Kommentar: Computer als Freizeitkiller

Der große Schlamassel

Aus Sicht der Mitarbeiter sieht das eher nach einem großen Schlamassel aus. Während sie früher nach Feierabend einfach mal ihre Ruhe haben konnten, wird jetzt stillschweigend erwartet, dass sie in dringenden Fällen erreichbar sind oder am Wochenende ein Konzept überprüfen. Das ist nicht überall so, aber in vielen Bereichen eben schon.

Langfristig wird das Ergebnis sein, dass der Faktor Arbeitszeit an Bedeutung verliert. Für das Management sind, überspitzt ausgedrückt, nur die Ergebnisse wichtig. Der Mitarbeiter soll letztlich Daten produzieren, egal ob das ein Text ist, ein Entwurf, ein Plan, ein Gutachten oder eine Bilanz. Da ist es dann auch egal, wo und zu welchem Zeitpunkt diese Daten entstanden sind. So gesehen ist das Konzept der festen Arbeitszeiten und der 40 Stundenwoche tot.

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Die Mitarbeiter verlieren damit auch noch ihre letzte Sicherheit. Sie haben nicht nur keine festen Verträge, sondern auch keine festen Arbeitszeiten mehr. Sie haben eigentlich gar nichts mehr, außer der nackten Arbeitsleistung. 

Chancen für Mitarbeiter

Es ist Aufgabe der Politik, in dieser digitalisierten Arbeitswelt neue Richtlinien für die Zusammenarbeit festzulegen. Es reicht nicht, wenn Politiker von Breitband und Hightech-Standorten schwärmen. Sie müssen auch die Folgen der Computertechnik für die Arbeitswelt und das faire Miteinander abwägen und regeln. 

Maßvolles Privatsurfen im Internet muss erlaubt sein, wie das ohnehin bei vielen Firmen schon der Fall ist. Denn wenn Unternehmen von den privaten Ressourcen der Mitarbeiter profitieren, sei es deren Freizeit, deren Know-how oder deren Handy, dann müssen sie ihren Mitarbeitern in der Arbeitszeit auch etwas davon zurückgeben. Das ist nicht nur eine Frage der Firmen-Ethik. Denn, wenn der Arbeitgeber dem Mitarbeiter während der Arbeitszeit jede irgendwie privat oder persönlich motivierte Nutzung von Ressourcen verweigert, dann wird der Mitarbeiter seiner Firma in der Freizeit auch jeden kleinsten Dienst verweigern. Das nennt man dann Dienst nach Vorschrift und ist der Albtraum jeder Unternehmensführung. Erfolgreiche Zusammenarbeit im Beruf lebt von den stillen Grauzonen des Gebens und Nehmens.

Daneben sollten Politiker den Arbeitnehmern oder auch Freiberuflern helfen, aus der schönen neuen Arbeitswelt ohne definierte Uhrzeiten und Verträge, für sich selbst Vorteile zu ziehen. So könnte jeder Arbeitgeber zum Beispiel mehrere Auftraggeber aus der gleichen Branche haben, die er jeweils nach Bedarf bedient. Wenn's bei einer Firma mal keine Arbeit gibt, hat hoffentlich die andere Firma ein Projekt für ihn. Und wenn die Kinder krank sind, kann er zuhause bleiben, tagsüber auf sie aufpassen und abends arbeiten. So was ließe sich mit Internet, Handy und PC wunderbar organisieren. 

Das alles klingt vorläufig noch nach einer ziemlichen Zumutung für den Einzelnen. Die Chancen, die daraus entstehen, wird wohl erst die nächste Generation wirklich nutzen können - die Generation Facebook.