Wo sich Affe und Teufel gute Nacht sagen

Im Test: Deathspank für PS3 und Xbox 360

Aberwitziger Humor, eigenwillige Aufmachung, prominenter Schöpfer, günstiger Preis: Im Grunde besitzt der Xbox-360- und PS3-Downloadtitel "Deathspank" alle Zutaten für ein veritablen Hit. Allerdings ist das Spielgeschehen manchmal so flach wie die Landschaftsobjekte, die wie Pappaufsteller aus der Szenerie ragen.

DeathSpank: DeathSpank: Story Trailer (Plattformen: Playstation 3 und Xbox 360). Zum Video: DeathSpank

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"Deathspank" ist einen Ritter von tumber Gestalt. Er versteht sich als edler Recke, aber in Wahrheit ist der Comic-artig inszenierte 3D-Geselle ein echter Rüpel und Aufschneider, der gerade so weit denkt wie seine Schwertspitze reicht. Und dämlich ist er obendrein: Die gemeine Kuh ist für ihn eine "große Weise", ihr Geblöke für ihn eine Offenbarung, das ihm seinen großen Ziel, "dem Artefakt", hoffentlich näher bringt.

Der Knabe hat allerdings einen prominenten Vater: All seine aberwitzigen Dialoge stammen aus der digitalen Feder von Ron Gilbert, dessen scharfzüngiger und parodistischer Humor bereits die legendären "Monkey Island"-Adventures von Lucas Arts ausgezeichnet hat. Allerdings ist "Death Spank" kein beschauliches Adventure, bei dem der Spieler gemütlich knobelt und die Lösung häufig hanebüchener Rätsel ausbaldowert - nein, Gilbert und Entwickler Hothead Games inszenierten die Abenteuer des schrägen Rittersmannes als "Diablo"-artiges Haudrauf-Rollenspiel.

Held Deathspank keilt sich mit Schwert, Schild, Axt und Armbrust durch die schräge Persiflage einer Fantasy-Welt: Die wird wie gewohnt von Zauberern, Hexen, Trollen und ekligem Koboldgezücht bevölkert. Aber auch fürs Genre eher unübliche Gesellen wie bösartige Kampfhühner tummeln sich zwischen Häusern, Bäumen und Büschen, die hier wirken, als hätte man sie aus Sperrholzplatten ausgesägt und dann als flüchtige Kulisse in der Landschaft platziert. Und das mit voller Absicht: Das gesamte Spiel vermittelt den Eindruck eines Aufklapp-Kinderbuchs - also derjenigen Schwarten, bei deren Aufschlagen uns bunte Pappgebäude und Scherenschnittfiguren entgegenragen. Landschaft und Figuren indes sind rundum dreidimensional, tragen aber ebenfalls fette schwarze Konturen zur Schau, um zumindest den Eindruck eines gezeichneten Charakters zu vermitteln.

Highlight des Spiels sind aber weder die durchgeknallten Charaktere noch die für einen Download-Titel bemerkenswerte hübsche Comic-Grafik, sondern die Dialoge aus der Feder von Skript-Altmeister Gilbert: Hier zeigt die humorvolle Eminenz des Adventure-Genres einmal mehr, was in ihr steckt und warum sie mit ihrer Schreibe ein ganzes Genre maßgeblich geprägt hat. Wenn Deathspank etwa einen Vaterersatz für Waisenkinder sucht, überlegt er, einen Betrunkenen zu engagieren. Und einer der Kleinen fragt rotzfrech nach einem Handy, um seinen Blog zu schreiben ...

Im Test: Deathspank

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Im Test: Deathspank - Ein Rollenspiel, das weder sich selbst noch seinen Helden ernst nimmt: "Deathspank". (Bild: EA)
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Ein Rollenspiel, das weder sich selbst noch seinen Helden ernst nimmt: "Deathspank". (Bild: EA)

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Im Test: Deathspank - Der Humor von "Deathspank" erinnert an "Monkey Island", das Gameplay an "Diablo". (Bild: EA)
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Der Humor von "Deathspank" erinnert an "Monkey Island", das Gameplay an "Diablo". (Bild: EA)

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Im Test: Deathspank - Ein zweiter Spieler darf den Zauberer Sparkle steuern. (Bild: EA)
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Ein zweiter Spieler darf den Zauberer Sparkle steuern. (Bild: EA)

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Im Test: Deathspank - "Deathspank" wirkt optisch wie ein Aufklapp-Buch. (Bild: EA)
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"Deathspank" wirkt optisch wie ein Aufklapp-Buch. (Bild: EA)

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Schade nur, dass "Deathspank" spielerisch nicht halten kann, was Optik und Humor versprechen: Das Gekloppe geht nicht flott und intuitiv genug von der Hand, obendrein fehlt es den Gefechten an Dynamik. Der Suchteffekt, der gelungene Action-Rollenspiele sonst auszeichnet, will sich hier trotz gelegentlicher Levelaufstiege und Unmengen auflesbarer Gegenstände einfach nicht einstellen. Schade außerdem, dass Spieler ohne profunde Englischkenntnisse nie in den Genuss kommen, denn Anbieter Electronic Arts hat den Titel nicht eingedeutscht. Trotzdem: Für knapp 15 Euro ein echtes Schnäppchen und den Blick wert, zumal das abgedrehte Abenteuer auch mit einem Kumpel, der in die Robe eines kleinen Nerd-Zauberers schlüpft, bestritten werden kann.

Datenblatt

Deathspank
SpielnameDeathspank
HerstellerHot Head Games
VertriebEA
GenreRollenspiel
VÖ Datum15.07.2010
Preisca. 15 Euro
EAN Code1234567890123
SchwierigkeitFür Fortgeschrittene
Alterab 12 Jahren
Multiplayer1-2
Sonstiges 
Bewertung Grafikgut
Bewertung Steuerunggut
Bewertung Soundgut
Bewertung Spielspassgut
Bewertung Gesamtgut
SystemPS3
SystemXbox 360
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