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Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test
Günstiger Surf-Computer mit 8,9 Zoll großem Display

von Markus Franz Uhr veröffentlicht

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Schon seit einiger Zeit bietet das französische Unternehmen Archos mit dem PC-Tablet Nummer Neun eines der seltenen Geräte auf Basis von Microsoft Windows 7 an. Das Gerät kostet nicht viel, die meisten Kunden bewerten es eher als Low-End-Produkt. Netzwelt klärt, was das Archos 9 in der Praxis wirklich leisten kann.

Apple hat mit der Präsentation des iPad schon im Vorfeld für Unruhe bei vielen PC-Herstellern gesorgt: Sehr schnell mussten sie eigene Tablet-PCs aus dem Hut zaubern, die möglichst noch deutlich günstiger sowie in der Bedienung an das Vorbild heranreichen. Hersteller wie HP haben das "Slate" mehrmals verschoben, auch andere Konkurrenten trauen sich erst in diesem Herbst an wirklich anspruchsvolle Tablet-Projekte heran. Es gibt aber auch einige Ausnahmen, die bereits seit Ende des letzten Jahres den Tablet-Markt aufrollen.

Dazu gehört auch das französische Unternehmen Archos. Bekannt wurde die Firma für ihre MP3-Player, die eher im unteren Preissegment angesiedelt waren. Derzeit sind mit dem Archos 5 und Archos 7 zwei Tablets erhältlich, die mit dem Android-Betriebssystem von Google laufen. Das einzige Gerät mit Microsoft Windows 7 ist das Archos 9, das bereits seit Anfang 2010 erhältlich ist. Obwohl die Veröffentlichung damit etwas mehr als ein halbes Jahr zurückliegt, ist das Archos 9 noch immer eines der wenigen Windows-Tablets.

Preis und Zubehör

Der Straßenpreis von etwa 400 bis 450 Euro macht das Tablet für alle interessant, die nicht gleich 600 oder 800 Euro für ein Spitzenmodell ausgeben möchten. Grundsätzlich lockt Archos potentielle Käufer auch mit dem Vorteil, dass sie sich nicht von Microsoft Windows auf ein anderes System wie Android umgewöhnen müssen. Die Verpackung des Geräts kommt eher wie ein Notebook, als ein schlankes Tablet daher: Hat der Käufer die Papierhülle abgezogen, gibt die Produktbox einen Blick auf das Archos 9 PC-Tablet frei.

Neben dem Tablet selbst liefert Archos einen separaten Akku, den der Kunde selbst ins Gerät einlegen soll - und dann bei Bedarf auch wieder tauschen kann. Ein austauschbarer Akku ist generell sehr lobenswert. Das Netzteil ist recht schlank gehalten und arbeitet mit Spannungen zwischen 100 und 240 Volt. Am AC-Adapter selbst gibt es kein Kabel mit Netzstecker, sondern der jeweilige Stecker wird direkt am Adapter eingeklinkt - die Vorrichtung dazu wirkt aber etwas billig und nicht sehr stabil. Positiv ist dagegen, dass dem Gerät gleich drei Stecker für deutsche Schuko-Dosen, die Vereinigten Staaten (Stecker-Typ A) und die britischen 3-Pin-Dosen beiliegen. So können Anwender zumindest auf einen Teil der Reisestecker verzichten.

Zum Lieferumfang des Archos 9 gehört noch eine gedruckte Schnellstart-Anleitung. Ein Großteil der Kunden wird den Stylus-Stift zur Bedienung des Touchscreen vergeblich suchen, da dieser schon auf der Rückseite des Archos 9 eingesteckt ist. Dort befindet sich ebenfalls der ausklappbare Standfuß.

Archos 9 PCtablet

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Das Gerät verfügt über einen Zwei-Positionen-Standfuss um die Filmnutzung zu vereinfachen.

Gehäuse sowie Anschlüsse

Auf den ersten Blick wirkt das Archos 9 recht wertig: Das Gehäuse ist stabil gefertigt, es knarzt nichts und auch bei festem Druck beider Hände wackelt kein Bauteil. Einzig der Akku auf der Rückseite hat etwas Spiel - das bemerkt der Nutzer aber nur, wenn er seine Finger bei der Bedienung gezielt gegen den Akku drückt. Am rechten Rand des Bildschirms sitzt der Knopf zum Einschalten des Tablet-PC, ein wenig darunter hat Archos einen optischen Sensor als Mausersatz angebracht. Am linken Rand sitzt die 1,3-Megapixel-Kamera für Videokonferenzen oder Selbstportraits. Darunter befindet sich eine Taste für das Archos-Menü sowie der Schalter zum Aufrufen der virtuellen Tastatur, die letzten beiden Knöpfe stehen für die linke und rechte Taste der Maus. Der Eingang zum integrierten Mikrofon erscheint dem Nutzer links unten als kleines Loch.

Für ein Tablet bietet das Archos 9 einen großen Vorteil: Es besitzt einen USB-Anschluss im Standardformat. Über einen USB-Hub sind damit dem Tablet keine Grenzen gesetzt: Externe Mäuse und Tastaturen oder gar UMTS-Sticks laufen mit dem Tablet-PC problemlos. Der USB-Anschluss sitzt, wie die meisten Knöpfe, ebenfalls am linken Rand des Gehäuses. Über einen 3,5-mm-Klinkenstecker sind fast beliebige Knopfhörer nutzbar. Drei LED-Leuchten zeigen den Betrieb- und Ladezustand sowie die Festplattenaktivität an.

Schwacher LED-Schirm

Gleich nach dem ersten Start fällt die größte Schwachstelle des Archos 9 auf: Der Bildschirm ist kein kapazitiver Multi-Touchscreen moderner Bauart, sondern verwendet alte Technologie mit Eingabe über einen Stylus. Dabei ist die Größe mit 8,9 Zoll (entspricht 22,6 Zentimetern) und die zeitgemäße LED-Beleuchtung durchaus gut. Die Auflösung von 1.024 mal 600 Pixel reicht ebenfalls für die meisten Fälle.

Wer versucht, das mitgelieferte Betriebssystem mit dem Finger zu bedienen, stößt schnell an seine Grenzen - das Archos 9 arbeitet auch nach der Kalibrieriung sehr unpräzise und besonders der Druck mit dem Finger zum Schließen eines Fensters führt in der rechten oberen Ecke nur selten zum Erfolg. Besser ist es, Nutzer verwenden wirklich den mitgelieferten aber seht labilen Stylus - mit diesem gelingt die Bedienung besser. Eher mittelmäßig ist auch der optische Sensor, mit dem sich als zweite Möglichkeit die Maus steuern lässt: Die Idee, mit dem Daumen der rechten Hand über diesen zu streichen und links die Maustasten zu bedienen, ist eigentlich gut. Leider fehlt dem Sensor wie beim Touchscreen auch hier die Präzision, was sehr schnell frustriert.

Schreiben mit Microsoft Windows

Etwas unschön ist am Archos 9 auch, dass der Hersteller dem Gerät nur Microsoft Windows 7 in der Starter Edition beilegt. Diese verfügt nicht über die ausgefeilten Tablet-Fähigkeiten, die dem Produkt aber gut zu Gesicht stehen würden. Damit dennoch eine virtuelle Tastatur für die Texteingabe zur Verfügung steht, hat Archos die eigene Software Touch-It Virtual Keyboard beigelegt. Nach einem Druck auf die Keyboard-Taste am Gerät erscheint die virtuelle Tastatur sehr schnell, wird zuweilen aber durch Windows-Elemente etwas überlagert.

Archos 9 Tablet mit Microsoft Windows

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Das Archos 9 kommt mit Microsoft Windows 7 in der Starter Edition.

Für den netzwelt-Test lieferte der Hersteller offenbar ein ganz spezielles Tablet: Auf unserem Archos 9 war kein Windows 7 Starter Edition installiert, sondern die wesentlich leistungsfähigere Windows 7 Ultimate Edition. Auf eine Frage bezüglich des Betriebssystems wurde bis zum Redaktionsschluss von Archos noch nicht geantwortet. Die Ultimate-Ausgabe bietet einige sehr gute Hilfsprogramme für die Eingabe von Texten auf Tablet-PCs - entweder über eine virtuelle Tastatur oder Windows 7 erkennt die Handschrift.

Innere Werte: CPU und RAM

Unabhängig davon, welches Windows man nun auf dem Archos 9 sieht, wird der Tablet-PC stets vom Prozessor Intel Atom Z515 mit 1,2 Gigahertz Takt angetrieben. Dem Betriebssystem und Programmen steht ein Arbeitsspeicher von ein Gigabyte (DDR2) zur Verfügung. Alle Dateien landen auf der 60 Gigabyte großen Festplatte, die leider noch mit mechanischen Bauteilen arbeitet - eine SSD ist bei einem Tablet-PC eigentlich Voraussetzung. Dafür ist die Platte (Modell Toshiba MK6028GAL) angenehm leise, wenn auch hörbar. Für die Grafik des Tablets dient der Grafikchip Intel Gma 500 sowie der Video-Chipsatz Intel Paulsbo US15W.

Laut Archos soll damit auf dem 16:9-Display die Wiedergabe von Videos in HD-Qualität (maximal 1080p und H264-Codec) möglich sein. Schon beim Abspielen des Windows-7-Testvideos "Natur" zeigt sich dem Nutzer aber, dass auf anderen Geräten die Videowiedergabe deutlich flüssiger läuft - hier fehlt dem Archos 9, wie den meisten anderen Netbooks oder Low-End-Tablets, einfach die nötige Leistung.

Kommunikation über WLAN

Das Archos 9 bucht sich in kabellose Netzwerke nach dem Standards 802.11B und 802.11G ein. Damit muss das PC-Tablet bei schnellen Netzwerken nach dem N-Standard draußen bleiben - das Gerät wird aber meist nur für einfaches Internet-Surfen eingesetzt, sodass dieser Nachteil kaum ins Gewicht fällt. Mit Bluetooth 2.0 (EDR konform) ist das Archos 9 bereit für schnellen Datenaustausch auf kurzer Strecke, auf Wunsch können Nutzer so auch eine drahtlose Tastatur an das Gerät anschließen. Im Test klappte dies ohne Probleme.

Der Lithium-Polymer-Akku ist bei eingeschaltetem Gerät und aktiviertem WiFi erst nach drei Stunden leer, im Test wurde er bei ausgeschaltetem Gerät in weniger als zwei Stunden recht schnell wieder geladen. Drosselt man die Helligkeit und deaktiviert WiFi, soll das Tablet laut Archos bis zu fünf Stunden durchhalten.

Fazit

Das Archos 9 ist ein günstiges Tablet mit leichten Schwächen: Der Bildschirm taugt für die Bedienung durch den menschlichen Finger kaum, mit dem beigefügten Stylus ist man aber recht flott unterwegs. Mit dem Intel Prozessor und einem Gigabyte Arbeitsspeicher arbeitet Windows 7 flüssig, Käufer dürfen bei Anwendungen aber keine ausufernden Leistungsschübe erwarten. Mit einem vollen USB-2.0-Anschluss, Bluetooth und integriertem WLAN ist das Archos 9 eher ein Netbook als ein Tablet, dennoch mit seinem geringen Gewicht noch tragbar.

Kommentare zu diesem Artikel

Schon seit einiger Zeit bietet das französische Unternehmen Archos mit dem PC-Tablet Nummer Neun eines der seltenen Geräte auf Basis von Microsoft Windows 7 an. Das Gerät kostet nicht viel, die meisten Kunden bewerten es eher als Low-End-Produkt. Netzwelt klärt, was das Archos 9 in der Praxis wirklich leisten kann.

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  • L.Gerlach schrieb Uhr
    AW: Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test

    Ja der DVB-T-Stick über USB dürfte kein Problem sein - sofern der Stick Windows 7 kompatibel ist.
  • blueice_haller schrieb Uhr
    AW: Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test

    Hallo, kann man hier einen USB Stick mit DVB-T / DAB nutzen?
  • T.K. schrieb Uhr
    AW: Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test

    Ja aber der Stylus kommt mir zu dünn vor und ist viel zu biegsam. Ich finde den Archos 9 sehr gut den man kann alles wie was auf einem normalen pc nur halt viel mobiler und etwas langsamer. Ein problem hab ich, mein Archos will nicht mehr starten . schaltet sich ein ladet aktualisiert und und auf ein mal is er weg. vllt kann mir jemand helfen
  • Michael Knott schrieb Uhr
    AW: Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test

    Vom Prinzip her gebe ich dir recht - dann aber bitte nicht so ein labiles Teil wie Archos ihn dabeilegt.
  • Vermissmeinnicht schrieb Uhr
    AW: Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test

    "verwendet alte Technologie mit Eingabe über einen Stylus" Wobei der Stylus als Alternative zu (fettigen)"Fingerdabbschen" gar nicht mal so schlecht ist ;-)
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Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test
Tablet-PC: Archos 9 mit Windows 7 im Test
Das Archos 9 ist ein solider Tablet-PC, wäre da nicht der schlechte Bildschirm.
http://www.netzwelt.de/news/83488-tablet-pc-archos-9-windows-7-test.html
2010-07-30 15:10:41
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/2010/push-dienst-mobileme-sorgt-automatische-synchronisation-apple-geraeten-ueber-internet936.jpg
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