BSD-Familie: Die modernen Distributionen im Kurztest
PC-BSD
Erst am 20.07.2010 wurde die neue Version PC-BSD 8.1 freigegeben. Sie basiert im Kern auf dem Release Candidate von FreeBSD 8.1, der an vielen Stellen aber kaum mehr zu erkennen ist. Ziel des PC-BSD ist es, möglichst viele Heimanwender zur BSD-Familie zu bringen. Wo NetBSD und FreeBSD eher ein universelles Betriebssystem für Server und Desktop sein möchten, orientiert sich das BSD-Derivat klar an den Wünschen der Heimanwender: Einfache Installation, Sicherheit und eine aktuelle Auswahl an Software.
Ganz so komfortabel geht es beim Download aber nicht zu: Der neue Nutzer hat nur die Wahl zwischen dem recht großen DVD-Abbild mit 3,4 Gigabyte und einer USB-Variante, die sogar noch etwas größer ist. Für CD oder kleine USB-Sticks gibt es keine ISO-Dateien. Für den langen Download entschädigt dann der Assistent zur Installation: Schon der Splash-Bildschirm begrüßt den BSD-Anwender mit einem schönen Logo von PC-BSD. Während praktisch alle anderen BSD-Derivate auf die textbasierte Installation setzen, wird hier immer die grafische Variante vorgezogen. Der Assistent hilft bei der Partitionierung sehr gut, erkannte vorhandene Linux-Betriebssysteme im Test sehr zuverlässig aber kein aktuelles Microsoft Windows 7.
Moderne Oberfläche über KDE SC 4.4.5
Die unterstützte Hardware ist mit FreeBSD identisch, da PC-BSD nichts an der Auswahl der Treiber ändert. Die aktuelle Version PC-BSD 8.1 nutzt für die grafische Oberfläche den X.ORG-Server, installiert zusätzlich aber noch den aktuellen KDE-Desktop. Mit KDE SC 4.4.5 hat PC-BSD sogar die Nase vor der erst Mitte des Monats erschienen Linux-Distribution OpenSUSE, die nur KDE 4.4.4 beinhaltet. Durch KDE besitzt PC-BSD einen sehr guten Browser (Konqueror), ein Sorglos-Paket fürs Büro (KOffice) und viel mehr.
Statt des komplizierten Port-Systems für neue Programme haben die Entwickler das PBI-Format umgesetzt. Im Gegensatz zu den RPM- oder DEB-Dateien unter Linux muss das Betriebssystem bei der Neuinstallation einer Anwendung niemals die Abhängigkeiten zu dritter Software und Bibliotheken überprüfen und gegebenenfalls manuell auflösen, sondern kann direkt die Software installieren: PBI-Dateien kapseln in einer einzigen Datei neben dem Programm auch alle Abhängigkeiten. Damit sind sie zwar rießig gegenüber, die Installation ist für Heimanwender aber besonders einfach. Im Netz gibt es diverse PBI-Paketverzeichnisse.
OpenBSD und DragonFly
Eher selten trifft man auf Installationen von OpenBSD, das Mitte der 1990er von NetBSD abgespalten wurde und noch immer viele Gemeinsamkeiten mit diesem hat. Die Entwickler des Projekts treten besonders dafür ein, dass nur vollständig freie Software ohne irgendwelche Rechtsprobleme mit dem Betriebssystem gepackt wird. OpenBSD 4.7 wurde im Mai 2010 veröffentlicht und setzt auf den Fenster-Manager JWM, sodass auch ungebüte Anwender damit arbeiten - in der Praxis scheitert aber die Installation sehr oft. Zwar gibt es einige Umfragen, die OpenBSD in der Verbreitung noch vor NetBSD sehen, doch diese muss man anzweifeln: Sie beziehen lediglich das professionellen Server-Umfeld ein, auf dem Desktop ist es kaum zu finden.
Eine weitere BSD-Distribution ist DragonFly, die auf der FreeBSD-Codebasis basiert. Die Entwickler arbeiten besonders an der Schnelligkeit des Systems, damit auf Mehrkern-Prozessoren diese sich wirklich sicher und effizient nutzen lassen. Leider sind nach der Abspaltung von FreeBSD seit 2003 einige Neuerungen nicht in das Projekt DragonFly eingeflossen: So fehlt derzeit die Unterstützung für Power-Management mittels ACPI, was auf modernen Rechnern ein großer Nachteil ist. Das experimentelle Dateisystem Hammer besitzt zwar eine Versionierungs- und Sicherungs-Funktion, kann mit ZFS oder Ext aber nicht mithalten.
Fazit
Im Kurztest liegt ganz klar PC-BSD vorne: Die komfortable Installation merzt steht Linux-Distributionen nicht nach. Die BSD-Distribution bringt mit KDE 4.0 eine zuverlässige Umgebung mit, um das Betriebssystem auch auf dem Desktop zu nutzen. Es basiert auf dem soliden FreeBSD, das sich im Überblick direkt hinter PC-BSD einreiht - viele Anwender dürften auch mit diesem System glücklich werden. Positiv sticht hervor, dass es auf dem Server auch eine lange Tradition hat und Sicherheit sehr viel Raum einnimmt.
Die Bedienung von NetBSD fällt dagegen viel schwerer: Komplizierte Installation mit grafischem Server ohne Fenster-Manager und Schwächen bei der Hardware-Konfiguration zeichen das Betriebssystem nicht gerade für den Endanwender aus. Noch erheblich schwieriger wird es bei OpenBSD und DragonFly BSD - will man die Systeme nicht auf Servern einsetzen, sollten Privatleute davon Abstand nehmen. Sie sind einfach viel zu kompliziert und tückisch im Detail, als dass man schnell damit Erfolgserlebnisse erzielen kann.
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