BSD-Familie: Die modernen Distributionen im Kurztest
FreeBSD
Zu deutlich mehr Ruhm als NetBSD brachte es FreeBSD, da es über die Jahre den Ruf als solides und sehr sicheres System auch für Server bewahrt hat. Die ersten Ausgaben gehen ebenfalls auf den Beginn der 90er zurück, als FreeBSD mit dem Ziel ausgefeilter Netzwerkfunktionen gestartet wurde. Während heute beinahe der gesamte Datenverkehr über Ethernet abläuft, sah die Welt damals noch einige andere Technologien vor. FreeBSD geht weniger streng mit der Qualität externer Programme um als NetBSD, die Entwickler möchten die Balance zwischen Bedienbarkeit und ausreichender Sicherheit auf dem Server halten.
Die aktuelle Version von FreeBSD trägt die Nummer 8.0, die kommende Ausgabe 8.1 steht als zweiter RC (Release Candidate) schon in den Startlöchern. Derzeit gibt es FreeBSD für die Architekturen i386, ia64 und amd64, PC98 sowie PowerPC- und SPARC-Prozessoren. Zu jeder Plattform gibt es eine Boot-CD mit knapp 650 Megabyte sowie eine komprimierte Installations-DVD, die weniger als zwei Gigabyte beim Download in Anspruch nimmt. Auf Wunsch kann die Einrichtung auch von einer Mini-Boot-CD gestartet werden, die dann über die Netzwerkkarte aus dem Internet nur die jeweils benötigen Programme nachlädt.
Software-Pakete direkt über die Quellen
FreeBSD ist insgesamt zwar schnell installiert, doch nur wenn man den Assistenten genau kennt und exakt die Hinweise in der Dokumentation beachtet. Anwender haben die Wahl zwischen drei Modi: Unter Standard versteht FreeBSD, dass vom Benutzer alle wichtigen Details abgefragt werden, eine ausführliche Hilfe seine Entscheidungen aber leichter macht. Die Express-Variante bietet gleiche Optionen wie der Standard-Modus, lässt aber die meisten Rückfragen weg. Für Experten gibt es noch einen dritten Modus.
FreeBSD gibt sich nicht sehr international: Der Installationsassistent ist komplett in Englisch gehalten, in der Partitionierung müssen Nutzer mit einem absolut unkomfortablen Programm auf der Konsole leben. Hat man es einmal geschafft, FreeBSD ans Laufen zu bekommen, präsentiert sich eine stabile BSD-Distribution. Über Gnome 2.30, das anders als der X.org-Server nicht als Standard installiert wird, ist die Bedienung des PCs genauso leicht wie unter jedem anderen Linux- oder alternativen BSD-Betriebssystem.
FreeBSD hat mit NetBSD gemeinsam, dass Software über die Paketverwaltung nicht einfach geladen und in das System installiert wird, sondern FreeBSD nur die Quellen bezieht. Die Paketverwaltung besorgt dann die Kompilierung des Quellcodes auf dem eigenen System, was bei großen Projekten mitunter recht zeitintensiv ist. FreeBSD hat dieses Konzept der sogenannten Ports perfektioniert, über 20.000 Programme stehen über die Paketquellen zur Installation an. In NetBSD heißt das System pkgsrc, die Unterschiede sind gering.






