Cooles Gerät, trotz allem

Verkehrte Netzwelt: Apple-Hasser beim Psychiater

Wir saßen im Café. Mein Freund, und ich. Er ist Psychiater von Beruf. Ich berate ihn manchmal in PC-Fragen. Dieses Mal hatte er nicht auf meinen Ratschlag gehört. Jedenfalls zog er plötzlich ein iPad aus der Tasche und reichte es mir stolz rüber.

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Apples iPad: Paranoiker mit ausgeprägter Touchscreen-Phobie und Hang zur Melancholie werden dieses Gerät nicht mögen. (Bild: Apple)
Apples iPad: Paranoiker mit ausgeprägter Touchscreen-Phobie und Hang zur Melancholie werden dieses Gerät nicht mögen. (Bild: Apple)
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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Apple, die Wellness-Farm aus Kalifornien
  2. 2Sprich es aus mein Freund
  3. 3Happy Pills für iPad-Verächter
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"Schau mal." Ich drehte das iPad zwischen den Händen, strich lustlos mit den Fingern über den Touchscreen und gab es ihm zurück. "Cool, viel Spaß damit." Er musterte mich. "So richtig begeistert scheinst du ja nicht zu sein?"
 "Ich bin nicht der große Apple-Fan. Ein iPad hat doch keinen echten Nutzen. Auf der Couch ein bisschen im Internet surfen und mit den Apps herumspielen. Dafür sind 500 Euro einfach zu viel", sagte ich.

"Naja, es ist ein perfektes Produkt und gutes Design kostet eben."
 "Das Apple-Design mag ich nicht. Es ist mir zu schön, zu harmonisch. Und mit der supersoften Touchscreen-Bedienung kann ich auch nichts anfangen. Mir sind Tasten lieber." 
Da blitzte etwas in seinen Augen auf. Das schien ihn zu interessieren. "Du willst also ein hässliches Gerät mit scharfen Kanten, Tasten und komplizierter Bedienung, versteh ich dich richtig?"
 "So ungefähr. Findest du das verrückt?"

Apple, die Wellness-Farm aus Kalifornien

"Du bist süchtig nach einem Windows-Garagen-Bastel-Blech-Computer mit heulendem Ventilator und 300.000 Bugs. Das ist zumindest etwas neurotisch. Du hast eine Gute-Laune-Phobie. Du kannst Schönheit, Einfachheit und Harmonie nicht ertragen."

"Nein, das ist es nicht. Aber diese ganze Pseudo-Einfachheit bei Apple macht mich einfach misstrauisch. Das fängt doch schon bei der Bedienung an. Die Icons, die sanft über den Bildschirm gleiten, die freundlichen Farben, die abgerundeten Ecken, alles ist so rund und mild und fließend. Da fühlt man sich doch wie auf einer Wellness-Farm einer kalifornischen Esoterik-Sekte."

Er lachte. "Schöner Vergleich. Bei Wellness und Wohlbehagen werden Pessimisten wie Du natürlich nervös."

"Klar, das Wohlfühl-Design hat nur den Zweck, den Kunden einzulullen. Nebenbei wirst Du nach Strich und Faden ausgenommen. Wie bei einer Sekte eben."

"Mmh, interessanter Gedanke. Also auch noch Paranoia. Denk mal daran, dass das bei Microsoft noch viel schlimmer ist. Mit Windows und Office haben die ihren Kunden jahrzehntelang sehr viel Geld aus der Tasche gezogen. Und tun das heute noch."

"Ach was, im Vergleich zu Apple sind die doch harmlos. Weil ihre Tricks so durchschaubar sind. Die bei Microsoft sind sympathische Kleinkriminelle, die sich mit dem Verkauf von schadhaftem Programmcode über Wasser halten. Das gönn ich denen."

"Bill Gates und einige andere Mitarbeiter können sich mit dem schadhaften Programmcode ziemlich gut über Wasser halten. Gates war lange Zeit der reichste Mann der Welt. Schon vergessen?"

"Dafür hat er sein ganzes Geld der Bill & Melinda-Gates-Stiftung gespendet. Viele Milliarden Dollar. Von Steve Jobs hört man in dieser Richtung gar nichts."


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