Krisenmanagement per Photoshop
Golf von Mexico: BP gerät durch gefaktes Foto in die Schlagzeilen
Im Zusammenhang mit dem Ölleck im Golf von Mexico ist der Ölkonzern BP derzeit permanent in den Medien. Das Image von BP hat in der Öffentlichkeit konsequenterweise stark gelitten. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt - BP versprach mehr Transparenz bei der Bekämpfung des Öllecks - deckte ein Blogger nun auf, dass BP das Bild einer Einsatz-Zentrale nachträglich manipulierte und auf der eigenen Webseite präsentierte.

Geschäftiges Treiben in der Krisen-Einsatzzentrale in Houston. Hier versucht BP alles, um das ausströmende Öl im Golf von Mexico unter Kontrolle zu bringen, auf großen Monitoren überwachen Mitarbeiter den Fortgang der Arbeiten an der Schließung des Öllecks. Diesen Eindruck vom Öl-Konzern sollen Besucher der offiziellen BP-Webseite erhalten.
Einem Mitarbeiter des Internet-Magazins americablog.com fielen am vergangenen Montag jedoch Unregelmäßigkeiten an dem Bild der Einsatzzentrale auf, das an gut zugänglicher Stelle auf der Webseite sichtbar war. Weil auf insgesamt drei der großflächigen Monitore einer Videowand statt Unterwasserbildern einfach eine weiße Fläche zu sehen war, veranlasste BP die nachträgliche Manipulation des Bildes. Mit dem Ergebnis, dass jede einzelne Fläche anschließend ein Unterwasserbild lieferte.
Der Blogger wurde auf diesem Umstand aufmerksam, weil die Bild-Montage stümperhaft durchgeführt wurde. Bei einer vergrößerten Ansicht des Bildes wurde ersichtlich, dass der Photoshop-Nutzer, der im Auftrag von BP handelte, allen Anschein nach nicht richtig mit dem Freistell-Werkzeug umgehen konnte. (Siehe Bilder)
John Aravosis, Betreiber der Seiter americablog.com, bringt diese Tatsache folgendermaßen auf den Punkt: "Ich denke, wenn du schon auf die Krise mit einem Fake reagierst, kannst du auch gleich deine ganze Einsatzzentrale faken."

"Wir werden in Zukunft davon absehen"
Der BP-Sprecher Scott Dean reagierte schließlich auf die Vorwürfe. In einer E-Mail die der Washington Post vorliegt schreibt Dean: "Normalerweise benutzen wir Photoshop nur für die üblichen Dinge wie Farbkorrekturen. In diesem Fall aber haben Mitarbeiter einfach drei Bilder eines Einsatzroboters per Copy-and-Paste über die Stellen am Bildschirm gelegt, die zum Zeitpunkt der Aufnahme keine Video-Feeds geliefert haben. Wir werden die per Photoshop veränderte Version des Bildes von bp.com entfernen und sie durch das Original ersetzen." Und weiter: "Wir haben unser Personal angewiesen, von solchen Dingen in Zukunft abzusehen."
John Aravosis wittert bereits den nächsten Skandal um BP. Ein Leser des Blogs machte ihn darauf aufmerksam, dass auch das neu eingestellte Bild allein der Täuschung von Besuchern diene. In den Bild-Meta-Daten sei abzulesen, dass das Bild aus dem Jahr 2001 stamme und nicht wie angegeben, am 16 Juli 2010 aufgenommen wurde. Auch sollen noch weitere Aufnahmen, die auf den Seiten von BP zu sehen sind, sichtbar manipuliert worden sein.

Es geht ums Prinzip - ein Konzern, der ordentlich Mist gebaut hat versucht unnötiger Weise auch noch eine nicht vorhandene "Umtriebigkeit" in einer gestellten Kommandozentrale-Szene vorzutäuschen. Ich bitte...
Wie man sich an einem nichtssagenden Foto aufgeilen kann, verstehe ich nicht.