Asianux: Linux aus dem fernen Osten
Alles oder nichts: Auswahl der Pakete
Im dritten Schritt erfolgt die Konfiguration des Netzwerks: Zwar erkennt Asianux viele Karten ohne Probleme, kann aber erst nach Abschluss der Installation ein kabelloses Netz nutzen. Für die Auswahl der Zeitzone zeigt der Assistent eine übersichtliche Weltkarte an, wie alle anderen Linux-Distributionen auch. Als letzter Schritt bittet Asianux den Anwender, sich für die gewünschte Software zu entscheiden. Dabei ist das garnicht so einfach:
Wer die minimale Option wählt, erhält zwar ein schlankes System, das aber ohne grafische Oberfläche auskommen muss. Hinter dem Everything-Button steckt die Wahl aller Pakete - das ist auch nicht sinnvoll. Nur über die dritte Möglichkeit, die benötigten Programme selbst zu wählen, kommen viele Nutzer wirklich weiter - dabei müssen sie aber wissen, was hinter den teilweise kryptischen Paketnamen steckt, die im nächsten Fenster angezeigt werden. Andere Distributionen haben die Paketauswahl viel schöner gelöst.
Kernel, KDE und Linux Standard Base
Asianux bringt den Linux-Kernel in Version 2.6.18 mit sowie die grafische Oberfläche KDE 3.5.5 - beide werden durch den Service Pack 2 aber aktualisiert. Damit positioniert sich das fernöstliche Linux zwischen den sicherheitsfanatischen Distributionen wie Debian, die neue Programme erst relativ spät zulassen und hochaktuellen Systemen wie Ubuntu, die immer auf die aktuellste verfügbare Software setzen.
Asianux nutzt für die Verwaltung von Paketen das RPM-Format. Die Distribution entspricht der Linux Standard Base 2.0 und 3.0, sodass Programme mit entsprechender Zertifizierung problemlos arbeiten. Nach der eigentliche Installation erkennt Asianux noch die Grafikkarte und den Bildschirm. Nutzer können im letzten Fenster die Software RedCastle einschalten, die Prozesse und Dateien auf verdächtige Operationen überwacht. RedCastle Secure OS hat sich auch für andere Distributionen und zum Beispiel Solaris als zuverlässig erwiesen und kann durchaus mit SELinux und anderen mithalten.
Asianux auf herkömmlichen Büro-PCs
Insgesamt macht Asianux eine gute Figur, wenn es um den Betrieb auf Servern geht. Sollte es auch auf dem Desktop eingesetzt werden, steht mit KDE eine etablierte Oberfläche bereit - sie funktioniert nicht besser oder schlechter als in anderen Linux-Distributionen. Schwierig ist zwar, das die Distribution keine Office-Suite mitbringt. OpenOffice oder KOffice sind aber schnell mittels RPM-Paketen installiert. Dazu dient der KDE Package Manager - hier hätten die Entwickler ruhig ein besseres Programm mit schöner Oberfläche beilegen sollen. Nicht angemessen für eine moderne Linux-Distribution ist dagegen der völlig veraltete Browser Firefox der 2er-Serie - er ist einfach nicht mehr zu gebrauchen.
Fazit
Moderne Linux-Distributionen gleichen sich heute wie ein Ei dem anderen - nur der Installer zeigt oft, welches Produkt gut oder schlecht ist. Asianux 3.0 verfügt über einen exzellenten Assistent für die Einrichtung des Systems, dafür ist die Software nicht mehr ganz aktuell. Mit KDE und einem soliden Unterbau liefern die führenden asiatischen Linux-Spezialisten aber dennoch ein ernstzunehmendes Betriebssystem für Desktop und Server ab.
Die Gewichte in der IT-Branche verschieben sich deutlich nach Osten. Was den Herstellern von Hardware schon gelungen ist, soll jetzt auch bei Software Erfolg haben: Konzerne aus Asien schicken sich an, die etablierten Riesen aus Europa und den Vereinigten Staaten mit soliden Produkten und günstigen Preisen Marktanteile abzujagen. Asianux zeigt, wie es mit geringem Aufwand und durch Bündelung von Ressourcen geht.
