Soldat brüstete sich damit, geheime Informationen veröffentlicht zu haben

Wikileaks: US-Militär verhaftet mutmaßlichen Informanten (Update)

Wikileaks: US-Militär verhaftet mutmaßlichen Informanten (Update) Das US-Militär hat angeblich den Informanten eines bekannten, vom Militär als geheim eingestuften Wikileaks-Videos verhaftet. In dem Video mit dem Titel "Collateral Murder" ist zu sehen, wie amerikanische Soldaten mehrere unbewaffnete Zivilisten aus einem Helikopter heraus erschießen. Der verhaftete Soldat brüstete sich selbst damit, das Video ins Netz gestellt zu haben. 

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Monatelang geheimes Material gesichtet
  2. 2Womöglich weitere 260.000 Dokumente
  3. 3Daten gefährden Leben
  4. 4Update: US-Militär bringt Wikileaks-Informanten vors Kriegsgericht

Werbung

Der 22-jährige Bradley Manning gab damit an, das als geheim eingestufte US-Kampfvideo sowie hunderttausende weitere Dokumente an die Seite Wikileaks geschickt zu haben. Vor rund zwei Wochen wurde er laut dem amerikanischen Magazin Wired in der Nähe von Bagdad festgenommen. Einem Familienmitglied zu Folge sitzt er in Kuwait in Untersuchungshaft, bislang ohne offizielle Anklage. 

Monatelang geheimes Material gesichtet

Zuvor hatte der Nachrichtenanalyst in einem Chat damit angegeben, das bekannte Video der Helikopter-Attacke auf unbewaffnete Zivilisten an Wikileaks gesandt zu haben. Zu sehen und hören ist, wie amerikanische Soldaten zwölf Männer erschießen sowie deren Kommentare. Bei dem Angriff wurden auch zwei Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters getötet.

Nach eigenen Angaben habe Manning bereits seit Monaten geheimes Material durchstöbert, bis er auf das bekannte Irak-Video aus dem Jahr 2007 stieß, das später unter dem Titel "Collateral Murder" veröffentlicht wurde. Allerdings ist nicht nicht klar, ob Manning die Informationen wirklich weitergeleitet hat oder sich bloß damit brüstet.

Womöglich weitere 260.000 Dokumente

Manning vertraute sich einem Chat-Kontakt an, einem ehemaligen Hacker. Ihm erzählte er unter anderem, dass er früher aus der Armee austreten wolle, weil er Zugang zu vertraulichen Informationen hatte, die ihn schockierten. Er war der Meinung, dass die Öffentlichkeit davon erfahren sollte.

Er gab an, weitere Informationen an Wikileaks gesandt zu haben, die noch nicht veröffentlicht seien, darunter 260.000 als geheim eingestufte Telegramme der amerikanischen Botschaft. Dies hat Wikileaks allerdings nicht gegenüber Wired bestätigt. Auch das Außenministerium wisse nichts von einer Verhaftung oder veröffentlichten Telegrammen. 

Daten gefährden Leben

Der Ex-Hacker Adrian Lamo habe gezögert Manning zu verraten, aber er befürchtete eine ernsthafte Sicherheitsbedrohung für die USA, wenn eine Viertelmillion Botschaftstelegramme an die Öffentlichkeit gelangten. “Ich hätte es nicht getan, wenn keine Leben in Gefahr gewesen wären", sagte Lamo gegenüber Wired. 

Die Festnahme Mannings erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Wikileaks weltweit immer mehr Aufmerksamkeit erregt. Die Geldnöte vom Jahresanfang scheinen überwunden. Immer wieder geraten Regierungen weltweit wegen veröffentlichter Informationen unter Druck. Die Server der Seite sind auf verschiedene Länder verteilt. Zudem versenden die Betreiber ihre Dokumente stark verschlüsselt, so dass die Quellen geschützt werden. Seit seiner Gründung 2006 sei noch keine Quelle durch Wikileaks bekannt geworden, die dies nicht ausdrücklich wollte, schreibt Wired.

Update: US-Militär bringt Wikileaks-Informanten vors Kriegsgericht

Der Soldat Bradley Manning kommt vors Kriegsgericht. Das US-Militär beschuldigt Manning, ein Video sowie weitere Dokumente an die Internetseite Wikileaks geschickt zu haben. Der Film mit dem Titel "Collateral Murder" zeigt einen Helikopterangriff im Irak, durchgeführt von US-amerikanischen Soldaten. Bei dem Angriff kamen 12 Menschen ums Leben. 

Die Anklageschrift ist mittlerweile im Internet auf der Seite des US-amerikanischen Blogs BoingBoing veröffentlicht worden. Dort ist auch ein Interview mit Lieutenant Colonel Eric Bloom nachzulesen, der im Büro für öffentliche Angelegenheiten arbeitet. Nach Angaben von Bloom drohe Manning nicht die Todesstrafe, dafür aber eine maximale Haftstrafe von bis zu 52 Jahren. 

Links zum Thema

Beiträgeinsgesamt 4 Beiträge

menschen foltern - nichts auf 2 Retter und ihre Kinder schießen - nichts informationen über kriegsverbrechen publizieren - 52 Jahre Haft

Streng genommen könnte der Typ wegen Hochverrats oder ähnlichem angeklagt werden. Die Strafe dafür kann man sich ausmalen. Vermutlich verschwindet er aber einfach. Spart die Anklage und lästigen Papierkram.

Ich halte die Meldung für einen Fake im Propagandakrieg gegen Wikileaks.

Man kann auch sagen: Lamo befürchtete eine ernsthafte Sicherheitsbedrohung für seinen Geldbeutel.

Kommentieren