Im Gespräch mit Hans Buchholz

GEZ-Geschäftsführer im Interview: "Kein Spielraum für Kulanz"

Die GEZ ist eine der umstrittensten Organisationen des Landes. Netzwelt sprach mit dem Geschäftsführer Herrn Hans Buchholz, der die GEZ seit Oktober 2001 leitet. Er erklärt, warum keine Kulanz möglich ist und wie die GEZ sich in Zukunft besser vermarkten möchte.

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Hans Buchholz ist seit Oktober 2001 Geschäftsführer der GEZ und lebt in Köln.
Hans Buchholz ist seit Oktober 2001 Geschäftsführer der GEZ und lebt in Köln.
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Netzwelt: Hallo Herr Buchholz! Können Sie unseren Lesern erläutern, wie viele Cent von einem Euro an Gebühren für die GEZ-Verwaltung verwendet werden? Interessant wäre, ob das 2009 mehr als 1999 waren.

Buchholz: Die GEZ benötigte im Jahr 2009 für die Erfüllung ihrer vielfältigen Aufgaben nur 2,13 Prozent der gesamten Gebührenerträge von 7.604,2 Millionen Euro. Das sind 161,6 Millionen Euro. Die Finanzämter berechnen dagegen durchschnittlich 3,5 Prozent der Einnahmen durch die Kirchensteuer, nur um diese als Annex zur Lohnsteuer einzuziehen und an die Kirchen zu verteilen. Im Jahr 1999 waren die Aufwendungen für den Gebühreneinzug natürlich geringer, zumal uns zum Beispiel im Jahr 2005 die Aufgabe der Bearbeitung der Befreiungsanträge übertragen wurde. Diese wurde bis dahin von den mehr als 5.000 Sozialämtern der Städte und Gemeinden durchgeführt.

Netzwelt: Als Geschäftsführer der GEZ müssen sie eines der unbeliebtesten Unternehmen in Deutschland vertreten. Macht das noch Spaß? Was motiviert Sie, jeden Tag zur Arbeit zu gehen?

Buchholz: Meine Motivation ziehe ich aus der effizienten und effektiven Arbeit, die wir hier bei der GEZ täglich leisten. Seit über 30 Jahren ziehen wir die Rundfunkgebühren für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ein und sorgen damit für die Finanzierung eines unabhängigen Rundfunksystems in Deutschland.

Netzwelt: Wie erklären Sie sich dann das dramatisch schlechte Bild der GEZ in der Öffentlichkeit? Nur anhand der Tatsache, dass niemand gerne Gebühren zahlt, kann es ja nicht liegen. Bitte erklären Sie uns, mit welchen Maßnahmen sie das Image aufbessern wollen.

Buchholz: Das Unternehmen GEZ wurde bisher in der Öffentlichkeit mehr als eine unmoderne, langsam, bürokratisch und unflexibel arbeitende Behörde wahrgenommen. Wir müssen immer wieder feststellen, dass nach wie vor in der Bevölkerung eine große Unwissenheit über den Leistungsumfang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das duale System sowie über die rechtlichen Hintergründe des Gebühreneinzugs herrscht. Dazu gehört auch, dass die Gebührenbeauftragten der Landesrundfunkanstalten fälschlicherweise der GEZ zugeordnet werden.

Die überwiegende Anzahl der Fälle, die in den Boulevardmedien aufgegriffen werden, ist dem Sektor des Beauftragtendienstes zuzurechnen. Außerdem stößt es häufig auf Unverständnis, dass wir an gesetzliche Regelungen gebunden sind und daher so gut wie keine Spielräume für Kulanzregelungen haben. Diese Faktoren tragen unter anderem dazu bei, dass die Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit schwindet und – was mittlerweile für die finanzielle Situation der Rundfunkanstalten dramatisch ist – die Anmeldebereitschaft seit einigen Jahren sinkt.

Dem GEZ-Hauptquartier sieht man an, dass es schon einige Jahre auf dem Buckel hat.
Dem GEZ-Hauptquartier sieht man an, dass es schon einige Jahre auf dem Buckel hat.

Dem müssen und wollen wir mit entsprechenden Maßnahmen begegnen. Zum einen mit mehr Information, Transparenz und Dialogbereitschaft und zum anderen mit Service und Kundenfreundlichkeit. Denn die Gesellschaft erwartet heutzutage – auch von einer Institution wie der GEZ – die Betreuung durch ein Dienstleistungsunternehmen mit kundenfreundlicher Ansprache. Deshalb wurden in den letzten Jahren innerhalb des Unternehmens bereits einige Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt, um auch nach außen hin sichtbar die Entwicklung zu einem modernen Dienstleister zu vollziehen. Daher haben wir uns im vergangenen Jahr für eine Modifizierung des Logos entschieden. 

Wir erhoffen uns, durch den überarbeiteten Marktauftritt, die Optimierungen in der Teilnehmerbetreuung, das im Februar 2010 gestartete Online-Forum und die internen Veränderungen langfristig eine Imageverbesserung der GEZ und eine Verbesserung der Akzeptanz des Unternehmens, des Gebühreneinzugs und des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems insgesamt zu erreichen. Denn die Zukunftsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hängt auch von der Akzeptanz des Unternehmens GEZ und seinem Unternehmenszweck ab.

Netzwelt: Das schlechte Bild liegt also nicht daran, dass immer wieder Gebühren von Mitarbeitern recht offensiv eingetrieben werden? Es gibt Fälle, da hat die GEZ für Verstorbene über Jahre noch die Gebühren eingezogen. Sogar Studenten müssen oft Gebühren zahlen.

Mit der Natürlich-Zahl-Ich-Kampagne möchte die GEZ mehr Zahler für sich gewinnen. Ob sie damit in der Öffentlichkeit auch beliebter wird, ist sehr fraglich.
Mit der Natürlich-Zahl-Ich-Kampagne möchte die GEZ mehr Zahler für sich gewinnen. Ob sie damit in der Öffentlichkeit auch beliebter wird, ist sehr fraglich.

Buchholz: Der Gebühreneinzug ist in Deutschland gesetzlich geregelt und an diese Regelungen muss sich die GEZ bei der Durchführung ihrer Aufgaben halten. Wie bereits erläutert, gehören die Gebührenbeauftragten zwar nicht zur GEZ, aber auch ihre Arbeit ist wichtig und notwendig, weil einige Rundfunkteilnehmer immer noch nicht ihrer Pflicht, die Rundfunkgeräte anzumelden, nachkommen - teilweise aus Unkenntnis, aber eben teilweise auch aus Überzeugung. Ein Solidarsystem funktioniert aber nur, wenn alle ihren Beitrag dazu leisten. 

Zu den beiden von Ihnen angeführten Beispielen möchte ich kurz erläutern, dass das   Rundfunkteilnehmerkonto natürlich abgemeldet werden kann, wenn ein Rundfunkteilnehmer stirbt und die Rundfunkgeräte von keinem Ehegatten weiter genutzt werden. Das muss uns aber mitgeteilt werden. Zudem können sich Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen und BAföG beziehen, von der Gebührenpflicht befreien lassen. Stellen sie den Antrag auf Befreiung nicht und haben Rundfunkgeräte, sind diese gebührenpflichtig. So ist es von Gesetzes wegen vorgesehen.

Netzwelt: Das Meinungsportal der GEZ gibt es nun seit Anfang Februar, dort bloggen auch einige Mitarbeiter aus Ihrem Haus. Die Reaktionen sind sehr gemischt, doch kaum richtig positiv. Stufen Sie die Plattform als Erfolg ein? Solche Foren im Netz sind alleine ein zweifelhafter Weg, Kontakt zum Kunden aufzubauen.

Buchholz: Wir wollten mit dem Internet-Forum den kritischen Austausch und die Diskussionen über die GEZ und die Rundfunkgebühren ermöglichen. Dies ist sicherlich ein neuer, aber wichtiger Schritt, um zu zeigen, dass die GEZ sich der öffentlichen Kritik stellt. Wir möchten uns damit offen und transparent präsentieren. Mit dieser Plattform verfolgen wir auch das Ziel, uns im Medium Internet zu positionieren, über das gerade die kritische Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht werden kann. Daher macht es Sinn, den Austausch und die Diskussionen über die GEZ und die Rundfunkgebühren auch dort zu ermöglichen. 

Netzwelt: Die Berichte der Mitarbeiter sind teilweise flach, dann wieder recht gut. Was tun Sie, um in Zukunft den Lesern einen tieferen Einblick in Ihr Unternehmen zu geben?

Buchholz: Durch die Einträge unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ihren Arbeitsalltag beziehungsweise über die Themen, die dabei immer wieder für Unverständnis oder Diskussionsbedarf sorgen, wird der Öffentlichkeit anschaulich verdeutlicht, wie der Gebühreneinzug funktioniert, an welche Regelungen wir uns dabei zu halten haben und welche geringen Spielräume diese überhaupt zulassen

Die GEZ ist eben kein Wirtschaftsunternehmen, das die Möglichkeit hat, für seine Kunden Kulanzregelungen einzurichten. Wir sind in unserer Arbeit an Gesetze gebunden. Ich denke, diese Besonderheit wird in den Einträgen deutlich und wir können dadurch für mehr Verständnis sorgen.

Netzwelt: Die Öffentlichkeit ist skeptisch, wenn die GEZ die Gebühren mit großen Kampagnen einfach besser erklären möchte, sich an der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens aber nichts grundlegend ändert...

Buchholz: Wie derzeit der Presse zu entnehmen ist, haben die Ministerpräsidenten der Länder ihre Bereitschaft signalisiert, die Reform des Finanzierungssystems für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk anzugehen. ARD, ZDF und Deutschlandradio hatten dazu ein Gutachten bei dem Verfassungsrechtler Prof. Kirchhof in Auftrag gegeben. Das Ergebnis wurde der Öffentlichkeit Anfang Mai vorgestellt. Seine Empfehlung ist es, ein geräteunabhängiges Modell einzuführen. Es bleibt nun abzuwarten, wie die Entwicklungen im Reformprozess weitergehen.

Netzwelt: Gibt es bei Ihnen Ideen, wie man die Gebühren gerechter und mit Orientierung an der tatsächlichen Nutzung neu strukturieren könnte?

Buchholz: Derzeit liegt ARD, ZDF und Deutschlandradio nach wie vor kein konkretisierter Modellvorschlag der Länder zur Neuordnung der Rundfunkfinanzierung vor. Solange ein solcher Vorschlag nicht vorliegt, können sich die Rundfunkanstalten und damit auch die GEZ zur künftigen Rundfunkfinanzierung nicht äußern. Die Rundfunkanstalten – und damit auch die GEZ – wirken aber an der Thematik konstruktiv mit.

Netzwelt: Viele Zuschauer finden das Programm von ARD, ZDF & Co. eher langweilig. Welche Sender bevorzugen Sie denn persönlich – und aus welchem Grund? Sind Sie damit zufrieden, was inhaltlich aus den GEZ-Gebühren gemacht wird?

Buchholz: Das Programm der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entspricht – meiner Meinung nach – nach wie vor einem qualitativ hochwertigen und unabhängigen Vollprogramm, das allen Rundfunkteilnehmern gerecht wird. Es hält darüber hinaus auch dem internationalen Vergleich stand. Damit dies auch in Zukunft so bleiben kann, werden wir – bei der GEZ – weiterhin unser Möglichstes tun, um die Finanzierung dieses Programms zu sichern. Ich persönlich bin intensiver Nutzer der Nachrichten- und Sportangebote von ARD und ZDF und – da ich in Köln lebe – Fan des Radioprogramms von WDR 2.

Netzwelt: Herr Buchholz, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Hans Buchholz, Diplom-Verwaltungswirt, geboren 15.12.1945 in Mondorf, ist verheiratet und hat eine Tochter. Er begann mit dem Polizeidienst in NRW, zuletzt war er Polizei-Hauptkommissar. Ein Studium der Verwaltungswirtschaft kommt dazu. 1977 wechselt er zum WDR: Ab Januar 1978 in der Hauptabteilung Verwaltung, zunächst als Sicherheitsreferent. Zum Oktober 1981 wird Buchholz Abteilungsleiter der Haus- und Liegenschaftsverwaltung, bis er im Oktober 1994 die Leitung der Hauptabteilung Verwaltung antritt. Zum 1. Oktober 2001 wechselt er als Geschäftsführer zur GEZ.

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