Sie sind hier:
 

Kommentar: Unsere Hightech-Sklaven bei Foxconn Zu der Selbstmordserie beim Auftragshersteller

SHARES

Die unheimliche Selbstmord-Serie beim taiwanischen Zulieferer Foxconn beleuchtet schlagartig die Situation viele Mitarbeiter in der Fertigung von Hightech-Gütern. Netzwelt-Autor Mehmet Toprak glaubt, dass die großen Markenhersteller genügend Spielraum hätten, die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern zu verbessern.

Immer wenn ich mir ein neues Hightech-Produkt wie zum Beispiel ein Notebook gekauft habe und zu Hause auspacke, frage ich mich, wer das Gerät wohl zusammengebaut hat. Ich versuche mir dann vorzustellen, wie diese Menschen arbeiten. Vermutlich irgendwo bei einem der Zulieferer in China, Thailand, Shanghai oder Malaysia. In meiner Fantasie sind das Leute, die jeden Tag am Fließband stehen, Platinen löten, Displays zusammensetzen, Tastaturen verpacken oder was auch immer tun.

Selbdarstellung des Zulieferers auf der Homepage von Foxconn

Komischerweise kann ich mir dabei nie vorstellen, dass es denen da wirklich gut geht. Sie arbeiten viel zu viele Stunden am Tag, haben wenig Pausen und dürfen niemals Fehler machen. Dass sie viel Geld verdienen oder in den Genuss von Sozialleistungen kommen, kann ich mir nicht vorstellen. Hightech-Sklaven eben.

Außerdem beschleicht mich jedes Mal ein Anflug von schlechtem Gewissen, weil ich das Gerät wieder mal viel zu billig erstanden habe. Ein ordentliches Notebook gibt es heute ja schon für 400 Euro.

Notebooks für 400 Euro

Zugegeben, das sind Vorurteile. Ich habe in dieser Beziehung einfach eine sehr schlechte Meinung von den großen Markenherstellern, die meiner Meinung nach ihre Produkte möglichst kostengünstig fertigen lassen, um ihre Gewinne zu erhöhen.

Dass die Vorstellung von den Hightech-Sklaven nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, kann man jetzt gerade wieder bei den Berichten über die Selbstmord-Serie in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen beim Elektronikzulieferer Foxconn sehen. Schon zehn Menschen haben sich bei Foxconn in diesem Jahr umgebracht, zwei weitere haben sich beim Suizidversuch schwer verletzt. Foxconn fertigt für alles, was Rang und Namen in der Hightech-Branche hat: Dell, Apple, Sony, Nokia, HP und Apple.

Was denkst du?

Hier kannst du deine Meinung zum Artikel "Kommentar: Unsere Hightech-Sklaven bei Foxconn" äußern. Melde dich hierfür mit deinem Netzwelt-Account an oder fülle die Felder aus.

3 Kommentare

  • sarazena schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Unsere Hightech-Sklaven bei Foxconn

    Das ist nur eine Facette des immer gleichen Problems. Ob Kinder in ungesicherten Bergstollen schuften, Teppiche knüpfen, Inder in hoch toxischen Umgebungen barfuß Schiffe abwracken oder, wie hier geschildert, Menschen wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen vom Hausdach hüpfen, alles folgt dem gleichen Prinzip. Damit wir hier billige Produkte kaufen können müssen die Menschen anderswo schon mal Opfer bringen. Und auch in unserem schönen Land beginnen einige zu begreifen, wozu wir 1€ Jobber brauchen. 1/3 der Menschen in diesem Lande müssen für einen Hungerlohn arbeiten, damit der Rest sich seinen Wohlstand leisten kann. Wohlstand für alle geht eben nicht - das ist die Lebenslüge des Kapitalismus und das zeigt sich jetzt auch hier. Osteuropäer, Inder usw. wissen das schon lange.........
  • Diggsagg schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Unsere Hightech-Sklaven bei Foxconn

    Das Traurigste an der Sache ist ja, dass das so ziemlich für alle Produkte gilt, die wir hierzulande konsumieren, ob das nun Klamotten sind, Lebensmittel oder Elektronik. Ob nun der ein oder andere bereit wäre, etwas mehr für Elektronik auszugeben, sei mal dahingestellt - wahrscheinlich wäre das nur ein unerheblicher Bruchteil der Bevölkerung. Der "Otto-Normal-Vebraucher" hat doch heute kaum noch die finanziellen Möglichkeiten, große Sprünge zu machen und beim Kauf auf "fair trade" Rücksicht zu nehmen. Jedenfalls ist das bei mir und in meinem gesamten Umfeld (bis auf wenige Ausnahmen) der Fall. Ich sag nur, Thema Zeitarbeit... So schlimm das Ganze auch ist, aber von irgendwo her kommt ja die Nachfrage nach billigeren Produkten. Trotzdem denke ich auch, dass die großen Hersteller locker finanziell in der Lage wären, zumindest die Arbeitsbedingungen in den Niedriglohnsektoren humaner zu gestalten.
  • sarazena schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Unsere Hightech-Sklaven bei Foxconn

    Es soll doch billig sein - Geiz ist geil :dow:

    Und da muss schon mal der Eine oder Andere vom Dach runter :wall:

Darüber lacht die Netzwelt

Das Internet erzählt viele lustige und skurrile Geschichten, die besten haben wir euch hier zusammengestellt.

Infos zum Artikel
Autor
Mehmet Toprak
Datum
Kontakt
Leserbrief
Kommentare
Alle anzeigen
Seiten
Dieser Artikel enthält die folgenden Schlagworte
Links zum Thema
Anzeige
netzwelt Newsletter

Immer gut informiert mit unserem Newsletter! Der Versand erfolgt am Dienstag, Donnerstag und Samstag vormittags.

Powered by