Freitod wegen schlechter Arbeitsbedingungen?
Foxconn: Zehnter Selbstmord bei chinesischem Elektronik-Zulieferer
Bei dem chinesischen Elektronikgerätehersteller Foxconn haben sich seit Jahresbeginn bereits zehn Mitarbeiter das Leben genommen. Dies berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Grund für die häufigen Selbstmorde seien Menschenrechtlern zu Folge die schlechten Arbeitsbedingungen. Das Unternehmen streitet dies ab.

Inhaltsverzeichnis
- 1Angestellte sind ersetzbar
- 2Junge Mitarbeiter sehen keinen Ausweg
- 3Leben und arbeiten am selben Ort
Am Freitag stürzte sich der 21-jährige Nan Gang von dem Fabrikgebäude von Foxconn im südchinesischen Shenzhen. Es ist bereits der zehnte Selbstmord bei dem Unternehmen seit Jahresbeginn, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.
Angestellte sind ersetzbar
Erste Untersuchungen der Polizei sehen nicht die schlechten Arbeitsbedingungen als Ursache. Die Behörden zählen dagegen gescheiterte Liebe und Spielsucht als mögliche Gründe auf. Nan Gangs Ex-Freundin habe im Februar geheiratet. Seine neue Freundin habe ihn Anfang Mai verlassen. Zudem sei er aufbrausend gewesen und spielsüchtig. Er war in Prügelein mit Kollegen verwickelt und hatte Schulden, heißt es.
Menschenrechtler dagegen kritisieren die schlechten Arbeitsbedingungen bei Foxconn. Das angespannte Verhältnis zwischen der Arbeitern und ihren Vorgesetzten sei einer der Gründe für die Selbstmorde bei Foxconn. Immer wieder habe es Beschwerden gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.
Junge Mitarbeiter sehen keinen Ausweg
Die Angestellten werfen dem Unternehmen schlechte Behandlung und Ausnutzung vor. Ein Mitarbeiter sagte: "Wenn du neu bist, ist es schwer keine Fehler zu machen. Manager beschimpfen uns oft." Immer wieder wird Angestellten gesagt, sie seien ersetzbar.
Alle Mitarbeiter, die Selbstmord begannen waren unter 25 Jahren. Psychologen zu Folge könnte eine Anlaufstelle solche Tragödien verhindern. Dort sollen Mitarbeiter ihre Frustration los werden können. Foxconn reagierte, indem es eine Hotline einrichtete, bei der Betroffene Hilfe finden. Der Dienst sei allerdings ständig besetzt, berichtete ein Foxconn-Mitarbeiter.
Leben und arbeiten am selben Ort
Die Menschenrechtsorganisation China Labor Watch fordert dagegen eine gründliche Analyse der Lebensbedingungen auf den Fabrikanlagen und keine kurzfristigen Lösungen. Ein Sprecher von Foxconn sagte laut Wall Street Journal: "Dies ist ein soziales Problem und kein Managementproblem."
Nach eigenen Angaben arbeiten bei Foxconn weltweit mehr als 600.000 Angestellte, davon allein 300.000 in der Sonderwirtschaftszone Shenzen. Die Mitarbeiter leben und arbeiten auf dem Fabrikgelände und leisteten gegen Bezahlung freiwillig Überstunden. Das Unternehmen beliefert unter anderem Teile für Apples iPad, HP und Dell. Letztes Jahr nahm sich ein Foxconn-Entwickler das Leben, weil er einen iPhone-Prototypen verloren hatte.
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