Anregungen für Diagnose und Backup

Strategie: Gegen das Sterben der CDs und DVDs

Das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wird in die IT-Geschichte vermutlich als die Zeit eingehen, in der dauerhaft verlustfreie Datenübertragung und Speicherung den großen Siegeszug antreten. Die Musik-CD hat schon lange den Kampf gegen iTunes-Store und Tauschbörsen verloren, der Filmindustrie droht mit schwindenden DVD-Verkaufszahlen ein ähnliches Schicksal. Dabei haben viele Menschen noch ansehnliche Sammlungen im Regal stehen.

CDCheck - Ähnlich informativ, wenn auch nicht so umfangreich, ist das handliche Programm CDCheck.
Ähnlich informativ, wenn auch nicht so umfangreich, ist das handliche Programm CDCheck.

Optische Speichermedien wie CD, DVD und Blu Ray-Disc haben nur eine begrenzte Haltbarkeit – soviel dürfte jedem Anwender klar sein, die Massenmedien haben immer wieder über die Auflösung der Datenträger berichtet. Dabei gibt es keine verlässlichen Langzeitstudien, die optimistische Annahmen zur Haltbarkeit oder Schreckensszenarien zu nahendem Verfall belegen können. Netzwelt wirft einen nüchternen Blick auf die Haltbarkeit, Probleme bei der Lagerung und gute Strategien zur Sicherung der persönlichen Bibliothek.

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So funktionieren CD & Co.

Um einzuschätzen, wie lange ein Datenträger haltbar ist, müssen Anwender sich zunächst mit der Funktionsweise der Medien selbst beschäftigen. Optische Datenträger bestehen grundsätzlich aus mindestens drei Lagen: Die Unterseite der CD ist aus Polycarbonat, also Kunststoff. Darüber liegt eine Schicht aus Aluminium, die von einer Lackschicht abgeschlossen wird. Anders als Schallplatten werden optische Medien nicht gepresst, sondern auf einen Glasmaster aufgespritzt.

Die Vertiefungen zwischen Polycarbonat- und Aluminium-Schicht reflektieren Licht unterschiedlich – genau damit wird die Information gespeichert. Das Lesen der Daten erfolgt über einen Laserstrahl, der auf der rotierenden CD oder DVD nach den kreisförmig angebrachten Datenlinien sucht. Jeder Vertiefung ergibt ein so genanntes Pit. Bei CDs gibt es nur eine solche Schicht mit Daten, entsprechend ist die Kapazität sehr begrenzt.

Die DVD-Technik verkleinert nicht nur die Abstände zwischen den Linien, sondern besteht auch aus halbtransparenten Lagen, sodass praktisch zwei Aluminium-Schichten übereinander liegen. Nur die oberste Schicht reflektiert das Laserlicht vollständig. BluRay-Discs funktionieren noch immer nach dem gleichen Prinzip wie CD/DVD, nur sind hier die Abstände der Vertiefungen noch weiter verringert – moderne Lasertechnologie macht das möglich.

Angriff durch Licht

Insgesamt haben die Entwickler der optischen Medien weniger an die Haltbarkeit als vielmehr an die günstige Herstellung und solide technische Lesbarkeit gedacht. Die erste Fehlerquelle für die Zerstörung eines optischen Mediums sind mechanische Einwirkungen auf die Schicht aus Polycarbonat – im Klartext: Kratzer auf der Unterseite der Disc.

Diese entstehen häufig dadurch, dass die Datenträger falsch gelagert werden: Sobald eine CD oder DVD aus der Hülle genommen wird, kommen feinste Partikel an den Datenträger. Gerne legen private Anwender die Discs nach Gebrauch nicht direkt in die Hülle zurück, sondern z.B. noch auf dem Schreibtisch kurz ab. Wer einen optischen Datenträger effektiv reinigen möchte, sollte dabei äußerst behutsam vorgehen – harte Reinigungstücher zerkratzen die Struktur nur noch mehr.

Die Veränderung der Schicht aus Polycarbonat wirkt sich erst ab einer gewissen Stärke auf die Qualität der Medien aus. Der Kunststoff hat aber noch einen anderen Feind: Licht. Sonnenlicht und die Halogenstrahlung kann die optischen Eigenschaften des Polycarbonats stark ändern – jeder Besitzer sollte optische Medien also möglichst dunkel lagern. Bei vielen DVDs ist das naturgemäß leichter, da sie in einem abgeschlossenen Dunkel-Case verkauft werden – bei Audio-CDs wurde dagegen jahrelang durchsichtiges Plastik für die Hüllen eingesetzt.

Kratzer im Lack

Viel schlimmer als Kratzer auf der Datenseite sind Kratzer auf der Oberseite: Wird hier die Lackschicht beschädigt, kann Wasser oder Sauerstoff zu der Aluminiumschicht gelangen. Damit wird das Aluminium dann angegriffen – es findet eine Oxidation statt. Dies führt dazu, dass sich die optischen Eigenschaften des Metalls verändern und der Laserstrahl nicht mehr ordentlich reflektiert wird – die Daten auf dem optischen Datenträger sind unwiederbringlich verloren.

Die Qualität einer CD oder DVD ist damit wesentlich vom verwendeten Lack abhängig. Medien im oberen Preissegment verwenden bessere Lacke, bei günstigen Medien wird gerne daran gespart. Für die Qualität ist auch wichtig, dass an den Rändern der Disc während der Produktion das Medium sauber versiegelt wird, damit auch von dort keine Fremdstoffe eindringen.

Dabei müssen die Beschädigungen am Lack für den Besitzer nicht einmal erkennbar sein: Schon durch leichtes Verbiegen oder starke Hitze oder Kälte können im Lack feinste Risse entstehen, durch die das Aluminium angegriffen wird. Mechanisch beansprucht werden vor allem DVDs, die im täglichen Gebrauch aus manchen Hüllen fast herausgebrochen werden müssen.

Effektive Vernichtung durch Mikrowellen

Besonders gefährlich für optische Medien sind Mikrowellen – das ist auch praktisch die einzige Methode, um die Datenträger sicher zu vernichten. Wer eine CD oder DVD in der Mikrowelle kurz backen möchte, erzeugt dabei eine enorme Hitze auf das Aluminium. Die Daten werden gleichmäßig und unwiederbringlich zerstört. Auch wenn andere Funkwellen im privaten Haushalt wesentlich weniger stark sind, können private Sendeanlagen durchaus die Haltbarkeit eines optischen Datenträgers wesentlich beeinträchtigen.

Insgesamt hängt die Haltbarkeit von CD, DVD und Blu Ray-Disc von vielen Faktoren ab. Die Medien können schon nach fünf, aber auch erst nach mehr als 20 Jahren den Dienst quittieren. Die sicherste Strategie gegen Datenverlust ist also der regelmäßige Test. Dabei helfen gute CD/DVD-Player: Sie können unterscheiden zwischen C1- und C2-Fehlern. Letztere lassen sich noch korrigieren, deuten aber auf einen fortschreitenden Verfall des Mediums hin.  

Erstdiagnose mit der Software CDCheck

Ein kleines und effizientes Programm für Windows ist CDCheck, das neben der Geschwindigkeit von Laufwerken auch Aufschluss über die Fehler auf den Datenträgern gibt. Für den privaten Einsatz ist die Software vollkommen kostenlos, erfordert jedoch eine Registrierung nach 30 Tagen. Ähnlich wie CDCheck funktioniert InfoTool von Nero, das ebenfalls kostenlos geladen werden kann. Es zeigt noch detailliertere Informationen zum verbauten Laufwerk und zur aktuell eingelegten Disc an.

Gegen das Sterben der CDs

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CDCheck - Ähnlich informativ, wenn auch nicht so umfangreich, ist das handliche Programm CDCheck.
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Ähnlich informativ, wenn auch nicht so umfangreich, ist das handliche Programm CDCheck.

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CDCheck zur Diagnose von CDs und DVDs - Das Menü von CDCheck ist Englisch, lässt sich aber mit Basiskenntnissen dennoch gut bedienen.
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Das Menü von CDCheck ist Englisch, lässt sich aber mit Basiskenntnissen dennoch gut bedienen.

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Nero InfoTool - Das InfoTool von Nero bietet dem Benutzer reichlich Hintergrundinformationen zum eingebauten DVD- oder CD-Laufwerk und zum verwendeten Medium.
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Das InfoTool von Nero bietet dem Benutzer reichlich Hintergrundinformationen zum eingebauten DVD- oder CD-Laufwerk und zum verwendeten Medium.

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Analyse mit Nero InfoTool - Reichlich Informationen auf einen Blick: Das Nero InfoTool hilft bei der Diagnose.
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Reichlich Informationen auf einen Blick: Das Nero InfoTool hilft bei der Diagnose.

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Handbrake für Mac-Nutzer - Das Mac-Tool Handbrake erlaubt das Kopieren von DVD-Filmen auf die Festplatte.
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Das Mac-Tool Handbrake erlaubt das Kopieren von DVD-Filmen auf die Festplatte.

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Handbrake zur Sicherung von DVDs - Handbrake kann Filme in hochwertigen Dateiformaten speichern.
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Handbrake kann Filme in hochwertigen Dateiformaten speichern.


Wer absolut sichergehen möchte, sollte seine Datenträger alle paar Jahre umkopieren – das ist aber in vielen Fällen nicht ohne weiteres möglich, da viele Audio-CDs und Film-DVDs mit einem Kopierschutz ausgestattet sind. Praktisch ist es daher, dass Programme wie iTunes direkt die "alten" Medien auslesen. iTunes kann beispielsweise direkt eine Audio-CD einlesen, das Cover herunterladen und in die virtuelle Bibliothek einfügen. Das Original kann dann dunkel und geschützt im Regal stehen bleiben, das verlängert die Haltbarkeit.

DVDs sichern vor Schäden

Bei Filmen auf DVD oder Blu Ray-Disc ist die Sache schon etwas schwieriger: Zunächst haben viele Medien einen ausgefeilten Kopierschutz, sodass Besitzer nur schwer auf dem Rechner an die Inhalte kommen. Gelingt das doch, lässt sich aus der DVD eine Filmdatei mit Software wie Handbrake machen. Dabei gehen aber das Menü, Untertitel sowie Kommentare und andere Extras verloren. Ein identisches Abbild einer DVD gelingt also nur mittels eines (ISO)-Image.

Die größte Herausforderung bei der Sicherung besteht darin, dass die Medien dann auf der Festplatte einen enormen Speicherplatz belegen. Der Autor verfügt selbst über 180 DVDs, die sich nicht alle in Originalqualität sichern lassen. Wer dieses Projekt tatsächlich angehen will, braucht schnell mehr als 500 GByte Platz auf der Festplatte. Hier empfehlen sich externe Festplatten mit Netzwerkanschluss, die bei Bedarf an- und ausgeschaltet werden können.

Fazit: Vorsicht bei der Lagerung und rechtzeitiger Wechsel auf ein anderes Medium

Insgesamt bedroht der Zahn der Zeit nicht nur viele private Bibliotheken, sondern auch etliche öffentliche Archive. Der Verfall der Daten auf optischen Medien lässt sich nur verhindern, wenn Besitzer einerseits sehr genau auf die Lagerung und Nutzung der Datenträger achten. Gleichzeitig sollte regelmäßig überprüft werden, wie es um die Qualität der Datenträger steht.

Gepresste Massenwaren wie Film-DVDs oder Audio-CDs halten noch etwas länger als selbstgebrannte Scheiben. Spätestens wenn sich erste Fehler abzeichnen, muss die CD/DVD aber auf ein Ersatzmedium kopiert werden. Hier ist es besser, die Inhalte vollständig in ein kopierbares Format umzuwandeln – was einmal als einfache Datei auf der Festplatte liegt, muss nur  fürchten, dass das Dateiformat unattraktiv wird.

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