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Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt
Google Street View ermittelt auch Daten über Funknetze

von Alexander Zollondz Uhr veröffentlicht

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Die Empörung über die Sammlung von Daten privater WLAN-Netze durch Google Street View nervt. Datenschützer sollten ihre Kritik auch an andere Unternehmen richten, die solche Daten erheben.

Datenschützer kritisieren die angebliche Speicherung von privaten Daten über WLAN-Netze durch Google Street View. Andere Anbieter bleiben von der Kritik ausgenommen, dabei gehen sie genauso vor.

Und alle stürzen sich wieder auf Google. Als der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und der Hamburger Landesbeauftragte für Datenschutz Johannes Caspar gestern bekannt machten, dass Google Street View-Fahrzeuge auch WLAN-Netze scannen, war die Empörung groß.

Zu keiner Zeit sei die Speicherung von Daten über private Funknetze in Deutschland Gegenstand der Gespräche über Google Street View gewesen, entrüstete sich etwa Casper. Schaar wies auf die angeblich rechtswidrig personenbezogenen Daten hin, die durch das WLAN-Scanning erhoben werden. Er forderte Google auf, diese Informationen zu löschen und Google Street View-Fahrten zu stoppen.

Google Street View erneut in der Kritik: Datenschützer werfen Google vor, WLAN-Daten rechtswidrig zu speichern. Bild: Zollondz

Google ist nicht allein

Keiner der beiden Datenschützer aber wies darauf hin, dass nicht nur Google WLAN-Daten speichert und kartografiert. US-Unternehmen wie Skyhook Wireless tun genau dasselbe: Die Mitarbeiter der Firma fahren mit dem Auto durch die Gegend und speichern nach eigenen Angaben Positionen von über 100 Millionen WLAN-Zugangspunkten zur GPS-Positionsbestimmung weltweit. Damit werden dann etwa Entwickler gefüttert, die entsprechende GPS-Software entwickeln.

Und was ist mit den Lösungen, die auf Smartphones oder von Web-Anwendungen zur WLAN-Lokalisierung eingesetzt werden? Google Maps etwa nutzt zur Bestimmung des Standorts auf Handys neben Mobilfunk auch WLAN, wenn keine Lokalisierung per GPS möglich ist. Einen Aufschrei gab es deshalb aber (noch) nicht. Die Kritik der Datenschützer wirkt deshalb scheinheilig: Sie richtet sich nur gegen Google Street View, anstatt auch andere Unternehmen anzugreifen.

Datenschützer sehen rechtswidrige Speicherung 

Eine andere Frage ist die nach der Personenidentifikation durch die WLAN-Speicherung. Die Datenschützer gehen nach gegenwärtigen Erkenntnissen davon aus, dass Google nicht nur Funknetze lokalisiert, sondern auch MAC-Adressen, den Verschlüsselungsstatus und den vom Betreiber des Netzes vergebenen Funknetznamen speichert.

Da die Betreiber hierbei ihren eigenen Namen nutzen, lautet der Vorwurf, dass Google personenbezogene Daten aufnehme. Das sei rechtswidrig, sagen die Datenschützer: Die Informationen müssten gelöscht, die WLAN-Scanner umgehend aus den Autos ausgebaut werden.

Google antwortet kurz und knapp 

Wenn sich dieser Vorwurf erhärtet, könnte in der Tat die Datenschutzrichtlinie durch Google verletzt worden sein. Nach dieser wird eine Person als bestimmbar angesehen, die direkt oder indirekt identifiziert werden kann, durch Zuordnung zu einer Kennnummer oder zu einem oder mehreren spezifischen Elementen.

Googles Erklärung hierzu wirkt allzu kurz gefasst: Es handele sich bei der WLAN-Erfassung nicht um persönlich identifizierbare Daten. Die Daten seien anonym und die Erhebung sei rechtmäßig.

Mehr Aufklärung und weitere Prüfungen nötig

Welche Ansicht recht behält, wird sich wohl erst klären lassen, wenn Google alle Fragen zu den Hintergründen der Erfassung offenlegt. Ob das geschieht, ist fraglich, aber eine Anfrage der Datenschützer gibt es bereits.

Bis dahin sollten die Behörden bei der WLAN-Lokalisierung aber auch andere Anbieter auf Einhaltung des Datenschutzes prüfen, das wäre nur fair. Zudem könnte die Bevölkerung mehr Aufklärung vertragen: Etwa darüber, wie das private WLAN gegen etwaige schwarze Schafe besser geschützt werden kann.

Kommentare zu diesem Artikel

Die Empörung über die Sammlung von Daten privater WLAN-Netze durch Google Street View nervt. Datenschützer sollten ihre Kritik auch an andere Unternehmen richten, die solche Daten erheben.

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  • Panzerflak schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Nur weil es in den meisten Gebieten mit dem Datenschutz nicht klappt, sollte das noch lange kein Freibrief sein ihn immer missachten zu können. Es gibt eine Tendenz in der heutigen Zeit, den einzelnen grundsätzlich nicht mehr zu schützen, sondern man muss bei allen möglichen selbst aktiv werden und widersprechen, was eine gefährliche Entwicklung werden kann. Aber solchen hardcore google Fans wie Michael_BLN braucht man damit nicht kommen. Die sehen nur die durchaus positiven Seiten von street view, etc. und wischen alles andere leichtfertig beiseite.
  • Herbert Matthies schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Unsere Politiker müssen wohl viel zu verbergen haben. Mein Haus darf jeder sehen. Ich bin immer glücklich, wenn ich auf diese Art nochmal an Stellen kommen kann wo ich eimal war. Ich bin heute zu alt zum Reisen und kann mit Streetview die Touren die wir früher mit dem Wohnwagengespann gemacht haben noch einmal virtuell nachreisen. Danke Google!
  • Michael_BLN schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Oder Werbe-Fuzzis surfen das Netz nach deiner Adresse ab um zu sehen, wie sie dich noch zielgerichteter belästigen können. Außerdem wird dann leicheter der eine als wertvoller und der andere als weniger wertvoller Kunde einsortiert, je nach der größe seiner Hütte.
    Zitat: Rumbalotte
    Viel Spaß beim Briefkasten-Namenschild-erkennen! Ich glaube, Du bist einer von denen, die erst mal meckern aber den Dienst nie getestet haben... Das Internet soll nicht in alle Lebensbereiche reinpfuschen und mein Recht auf Informationelle Selbstbestimmung sollte sich auch auf das erstrecken, was mir gehört, denn das ist auch ein Teil von mir. Warst Du schon mal bei Deiner Bank und hast Dich darüber beschwert, was die seit Deiner Kontoeröffnung schon alles gespeichert haben? Erzähl mir bitte, wie die reagiert haben...
  • Michael_BLN schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Jetzt drehen die da oben mal wieder völlig durch! Der Hamburger Justiz-Senator Till Steffen (ein Grüner!) will ein Gesetz einbringen, um Google abzuzocken, denn eine mögliche Strafe steht für den Gras**esser auch schon fest: 50.000,- bei Verstoß des möglichen Gesetzes: - Firmennamen, Gesichter und KFZ-Kennzeichen müssen verpixelt werden! Merkt der Typ es noch? Das ist in allen 29 bisherigen Streetview Ländern bereits gang und gebe! Der sollte mal 'n anständigen Kaffee trinken, um wieder aufzuwachen! Wir zahlen keine Steuern, damit die Herren Politiker ihr Mittagsschläfchen über mehrere Monate und Jahre hinziehen!!! naja ... soweit ok, denn das hält Google ja ein. Aber der eigentliche Brüller kommt erst noch! - Google soll seine Fototouren vorher ankündigen! Was??? Wie und vor allem warum? Das Wie würde mich auch mal interessieren: Bekommt jeder Anwohner einen Brief ins Haus? Wovon träumt dieser Phantast eigentlich nachts??? Das Warum ist mir beinahe vollkommen klar: Damit sich dieser Politiker zusammen mit seinen Kollegen rechtzeitig mit seinen tollen und werbewirksamen grünen Plakaten an jede Straßenecke stellen kann, um vom Google Car auch ordentlich eingefangen werden zu können! Den Typ sollte man sofort aus dem Amt werfen! Und all seine Grasraucher mit ihm!!! Ich weiß schon, warum ich noch nie die Grünen gewählt habe! Und mir sollen die Finger abfallen, wenn mir das auch nur aus Versehen passiert!!!
  • Rumbalotte schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Wer nicht will, daß seine Kollegen sehen, in was für einer Klitsche er wohnt, hat dann jawohl bald das nachsehen. Ich sehe das überhaupt nicht so locker, daß jedem kriminellen auf Suche nach Einsteigsmöglichkeiten ein Recherche-Tool zur Hand gegeben wird. Beispiel: Ein paar Einbrecher aus Polen (oder sonstwo) haben sich darauf spezialisiert, Alarmanlagen der Firma Honeymoon unschädlich zu machen, mit Schaumjstoff oder wie auch immer. Wenn jetzt dazu eine kleine Sirene gehört wissen die gleich, wo die ihre Chancen verbessern können. Oder Werbe-Fuzzis surfen das Netz nach deiner Adresse ab um zu sehen, wie sie dich noch zielgerichteter belästigen können. Außerdem wird dann leicheter der eine als wertvoller und der andere als weniger wertvoller Kunde einsortiert, je nach der größe seiner Hütte. Das Internet soll nicht in alle Lebensbereiche reinpfuschen und mein Recht auf Informationelle Selbstbestimmung sollte sich auch auf das erstrecken, was mir gehört, denn das ist auch ein Teil von mir.
  • Michael_BLN schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    letzte Woche war der Wagen in meiner kleinen Stadt am Berliner Stadtrand und ich bin mit flottem Fuß hinterher gerast ... Stoßstange an Stoßstange mit dem Google-Car ;o) Das mit dem WLAN ist mir auch nicht ganz schlüssig ... was die damit wollen. Aber mich soll's nicht stören, da mein WLAN-Netz nach meiner Website benannt ist (vlt. etwas Werbung *grins*) und außerdem in WPA2 verschlüsselt. Dazu Mac-Sperre und DHCP aus. Wer sein Netz offen läßt und jedem automatisch Zugang ermöglicht, sollte sich auch nicht über's Google-Car aufregen, denn auf deutschen Straßen sind weitaus mehr War-Driver unterwegs, als Autos mit Kameras auf'm Dach... Außerdem hat meine Bank sehr viel mehr Daten über mich gespeichert, als Google je speichern wird ... meine Sparkasse weiß seit meiner Volljährigkeit quasi alles über mich und das hat mich auch noch nie aufgeregt. Wer sich wirklich über die extreme Datenspeicherung einer Firma aufregt, sollte mal bei seiner Bank vorstellig werden! Aber lasst mir mal schön Google in Ruhe ... die bieten einen erstklassigen Service ... auch ohne Cookies :p A apropos Datenspeicherung ... wo kann man sich hier denn registrieren? ;o)
  • Gelbsucht schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Im Grunde stimme ich mit den Punkten der News überein, denn viele Firmen erschnüffeln sich (bzw versuchen es) private Daten. Das krasse ist in den großen Firmen, das kein normaler Mensch mit gesundem Verstand das wollen sollte -es aber gemacht wird.

    Allerdings, der Vergleich hinkt, von wegen da wird fotografiert, was jeder knipsen kann. Zwar im Grunde korrekt, aber hierbei handelt es sich um EINE Firma, die im ganzen Land alle großen Straßen innerorts abfotografiert. und warum Google sämtliche WLANs entlang der Wege erfaßt, verstehe ich nicht. Wüßte aber gern mal die Person, die das angeordnet hat.

    Aber es gibt ja Abhilfe, sobald Streetview hierzulande online geht, ändern einfach alle ihre SSID...

    Gruß von einem, der im August 2008 am Hauptbahnhof Darmstadt von so einem Opel erfaßt wurde. Und wohl auch in Streetview erscheinen wird. :cool: Der kam einfach angefahren und an der Ecke vom McD drehte er um und fuhr wieder weg. Schwarzer Astra mit HH-Kennzeichen, besonderes und alleiniges Merkmal, der Stativmast.
  • Quirin44 schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Ich finde es schon wichtig, dass über datenschutzrechtliche Probleme, EGAL welches Unternehmens, hingewiesen wird. Vor Google StreetView war doch Microsoft die "Datenkrake" Nummer eins - oder? Hier ist es doch ziemlich still geworden - jedenfalls gefühlt! ;-)
  • agtrier schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Es ist ein Irrglaube, man könne in Deutschland irgendjemandem verbieten, Bilder seines Hauses zu veröffentlichen. Da gibt es zahlreiche Gerichtsurteile dazu, unter anderem zu einer Website, die Bilder Kölner Häuser ins Netz stellt. Im Gegensatz zu dieser Site kann man Google übrigens um Entfernung des Bildes bitten. Aber das geschieht ausschließlich auf freiwilliger Basis - Verpflichtung dafür gibt es keine.
  • Michael_BLN schrieb Uhr
    AW: Kommentar: Scheinheilige Kritik an Google Streetview nervt

    Ist es denn erlaubt, nur weil es die anderen machen? Ich finde es schon befremdlich, wenn jemand ungefragt Bilder von meinem Haus macht, um jedem zu ermöglichen, sich ein Bild von meinem Haus zu machen. Bislang konnte man in Deutschland jemandem untersagen, ein Bild von seinem Haus zu veröffentlichen. Warum sich Google und andere darüber hinwegsetzen dürfen, leuchtet mir nicht ein. Dein haus ist doch gar nicht zu sehen. Lediglich eine Seite der Straßenansicht aber die sieht doch eh jeder und kann Fotos davon machen, die er dann ins Internet stellt, ohne dass Du jemals davon irgendwas erfährst. Nichts ist so heiß, wie es gekocht wird. Und wenn Dich das Foto von Deinem haus wirklich stört, meldest Du es bei Google und die nehmen es sofort raus oder verfälschen es. Also vielleicht etwas mehr die Socken still halten und abwarten ;o) Nur weil Dein haus vielleicht nicht in die Gegend passt, müssen andere nicht darunter leiden, die ihr Haus gern dort sehen würden...

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Google Street View speichert auch Daten über Funknetze. Die Datenschützer stoßen sich zu Unrecht nur an Google.
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2010-04-23 15:39:29
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