Details über Hackerangriff im Januar durchgesickert
Cyberattacke: Teile des Google-Quelltext womöglich kopiert
Bislang wurde die exakte Art und das Ausmaß des Hackerangriffs auf Google, der im Januar bekannt wurde, geheim gehalten. Ein Informant, der mit der Untersuchung des Falls befasst ist, sagte nun gegenüber der New York Times, dass Googles Herzstück, der Quellcode des Passwort-Systems Gaia gestohlen wurde. Dieses kontrolliert den Zugang von Millionen von Nutzern weltweit zu allen Webdiensten von Google, darunter auch E-Mails und Geschäftsanwendungen.

Das Programm mit dem Codenamen Gaia, dem Namen der griechischen Erdgöttin, wurde im letzten Dezember bei einem Blitzangriff von weniger als zwei Tagen angegriffen, sagte der Informant. Das Programm wurde bislang erst einmal auf einer technischen Konferenz vor vier Jahren vorgestellt. Die Software ermöglicht es Nutzern und Angestellten, sich mit einem einzigen Passwort bei den verschiedenen Google-Diensten anzumelden.
Passwörter waren nicht das Ziel der Angreifer
Die Eindringlinge scheinen es allerdings nicht auf die Passwörter von Googles E-Mail-Nutzern abgesehen zu haben. Zudem reagierte Google schnell auf den Angriff und verbesserte die Sicherheit seines Netzwerkes. Allerdings besteht die Möglichkeit, wenn auch nur eine geringe, dass die Eindringlinge Schwachstellen entdecken könnten, die Google selbst noch nicht einmal kennt, sagte ein Computer-Experte gegenüber der New York Times.
Der Dieb verschaffte sich Zugang mit einer Kurzmitteilung an einen Google-Angestellten in China, der den Microsoft Messenger nutzte. Als der Angestellte dem gesendeten Link folgte, gelangte er zu einer gefälschten Webseite und ermöglichte den Eindringlingen unwissentlich den Zugang zu seinem Computer und anschließend zum Software-Entwicklungscenter von Google in Kalifornien. So erlangten die Hacker die Kontrolle über die Softwaredatenbank der Entwickler.
Details über den Angriff hat Google bislang streng geheim gehalten. Netzwelt berichtete über die erste öffentliche Mitteilung, die erst am 12. Januar 2009 erfolgte. Darin hieß es, dass Google seine Politik gegenüber China ändere, wegen Diebstahls geistigen Eigentums und dem Angriff der E-Mail-Konten von zwei Menschenrechtsanwälten in China.
Folge war Googles Rückzug aus China
Die Folge waren ernsthafte Spannungen zwischen China und den USA. Im März gab Google schließlich seinen Rückzug aus China bekannt und leitete Aufrufe seiner chinesischen Seite auf seinen Internet-Auftritt in Hong Kong um. Das Unternehmen weigerte sich am Montag auf Anfrage der New York Times, die nun bekannt gewordenen Detail zu kommentieren. Google nutzt Gaia weiterhin, verschärfte aber die Sicherheit seines Datencenters und die Verbindungen zwischen seinen einzelnen Diensten.
