Tausende heimliche Aufnahmen vom Schul-Notebook
Heimliche Webcam-Aufnahmen: Datenskandal an US-Schule weitet sich aus
Der Überwachungsskandal am Lower Merion School District in Philadelphia nimmt immer größere Ausmaße an. Ermittlungen haben ergeben, dass die Zahl der heimlich von den Laptops aufgenommenen Bilder von Schülern weit höher ist, als bislang angenommen. Über 400 Bilder sollen von einem Studenten im zweiten Semester aufgenommen worden sein, darunter Bilder, auf denen er teilweise unbekleidet ist oder in seinem Bett schläft. Kurzmitteilungen, die er mit Freunden austauschte, wurden ebenfalls abgefangen. Die Zahl der heimlichen Aufnahmen der anderen tausenden Studenten ist bislang noch nicht bekannt.

Die Schule räumte inzwischen ein, dass die Überwachungsmöglichkeiten missbraucht wurden. Ursprünglich waren sie dazu gedacht, gestohlene Laptops wieder zu finden. So wurden bereits Aufnahmen gemacht, wenn Schüler die nötige Versicherungsprämie für die geliehene Schul-Hardware nicht zahlten.
Dies war der Fall bei Blake Robbins, der schließlich von der Schule wegen "unangemessenen Verhaltens" zu Hause abgemahnt wurde. Robbins, der bis dahin nichts von der Überwachung ahnte, zog im Februar vor Gericht zog. Wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellte wurden von dem Zweitsemester über 400 Bilder gemacht. Die Klage des 15-Jährigen Blake löste zugleich auch eine Untersuchung des FBIs wegen möglicher Verstöße gegen das Abhörgesetz aus. Netzwelt berichtete.
"Ich weiß, ich liebe es!"
Der Bezirk hat sich inzwischen von den zwei IT-Angestellten distanziert, die zwar die notwendige Erlaubnis für die ferngesteuerte Überwachung der Schüler per ins Notebook integrierter Webcam hatten, diese aber weit über ihre Kompetenzen ausnutzten. Die beiden hatten insgesamt 42 Webcams manipuliert, sodass diese alle 15 Sekunden Bilder ihrer Nutzer schossen. Eine der Angeklagten, Carol Cafiero, verweigerte die Aussage.
Der Anwalt des Klägers bezeichnete Cafiero als eine mögliche Voyeurin und forderte Zugang zu ihrem privaten Computer, um zu prüfen, ob sie Bilder der Studenten dort speicherte. Um seine Forderung zu stützen, zitierte er einen mutmaßlicher E-Mail-Dialog zwischen den beiden Angeklagten, in dem die Bilder als "kleine Lower Merion School District Soap Opera" bezeichnet werden. Worauf Cafiero antwortet: "Ich weiß, ich liebe es!"
Ihr Anwalt dagegen sagte, seine Mandantin habe nichts Unrechtes getan. Cafiero und ihr Kollege sind derzeit suspendiert. Trotz der Spionage-Vorwürfe haben sich hunderte Eltern dagegen entschieden, die Klage von Robbins Familie mitzutragen.
Der reiche Vorort "Lower Merion" gibt Macbooks an 2.300 Studenten von zwei High Schools aus. "Ein Großteil der Webcam-Bilder wurde im Rahmen der Untersuchungen ausfindig gemacht", schrieb der Präsident der Schulbehörde David Ebby in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung. "Wie wir vom ersten Tag an gesagt haben, sind wir bereit alle Fakten offen zu legen, gute und schlechte, um die Untersuchung voran zu bringen."

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