Praxistest: Canon EOS 550D auf Reisen
RAW-Modus: Warten auf die Freiheit
Wie alle aktuellen DSLRs aus dem Hause Canon bietet auch die EOS 550D die Möglichkeit, Fotos im RAW-Format CR2 zu speichern. RAW-Aufnahmen bieten bei der Nachbearbeitung am Computer bekanntlich deutlich größere Freiheiten und Möglichkeiten als Bilder im JPEG-Format. Wie bei neuen Kameragenerationen üblich, benötigen Softwarehersteller aber einige Wochen Zeit, um die jeweils aktuellste Version des RAW-Formats zu unterstützen. Zum Testzeitpunkt konnten die RAW-Aufnahmen der EOS 550D nur mit Canons hauseigener Software angezeigt und verarbeitet werden. Inzwischen hat auch Adobe sämtliche Foto-Anwendungen fit gemacht. Nutzer von Apple Aperture oder iPhoto müssen sich jedoch weiter gedulden: Derzeit lassen sich nur Vorschaubilder der RAW-Dateien anzeigen.
Negativ fällt auch der erheblich gestiegene Speicherverbauch der RAW-Bilder auf: Durch die erhöhte Auflösung und Farbtiefe belegt eine CR2-Datei der EOS 550D nun im Schnitt 25 statt „nur“ 9,5 Megabyte bei der EOS 400D. Leider verzichtet Canon bei seinen Einsteiger-Kameras auf den sRAW- bzw. mRAW-Modus mit verringerter Auflösung und somit geringeren Speicherbedarf. Diese Modi bleiben weiterhin den teureren Kameras vorbehalten.
Sehr gut funktioniert die automatische Vignettierungskorrektur für Canons eigene EF-Objektive. Abgedunkelte Bildecken gehören damit der Vergangenheit an. Leider funktioniert diese nur im JPEG-Modus. Bei RAW-Bildern muss die Korrektur am Computer nachgeholt werden – entweder automatisch in Canons „Digital Photo Professional“ oder manuell mit Drittanbieter-Software.
Video: Steiniger Weg zum Hochglanz-Film
Dank hochwertiger Fotoobjektive und des großen Bildsensors (22,3 x 14,9mm), der ziemlich genau der nutzbaren Fläche des 35mm-Kinofilms (ca. 22 x 16mm) entspricht, sind mit der EOS 550D beeindruckende Filmaufnahmen mit geringer Tiefenschärfe möglich.
Wie beim RAW-Fotomodus, muss man sich jedoch auch bei HD-Videos auf die ein oder andere böse Überraschung gefasst machen. Die EOS 550D zeichnet in den Formaten 720p (50/60) und 1080p (24/25/30) auf – bei einer Bitrate von 45 Megabit pro Sekunde. Für eine Minute Video wird somit fast 340 Megabyte Speicher benötigt. Die 16-Gibabyte-Speicherkarte ist somit nach einer knappen Dreiviertelstunde voll.
Bei der Bedienung muss der Nutzer auch mit einigen Einschränkungen gegenüber Camcordern leben. Vom Zoom oder dem Autofokus sollte man während der Aufnahme unbedingt die Finger lassen. Die Änderung der Brennweite ist beim Kitobjektiv nur sehr stockend möglich, der Autofokus während der Aufnahme praktisch nicht zu gebrauchen. Wer manuell die Fokussierung ändern will, braucht eine sehr ruhige Hand oder besser ein stabiles Stativ.
Ungünstig ist auch, dass für Videoaufnahme per Wahlrad in speziellen Videomodus umgeschaltet werden muss und dieser nur im Live-View-Modus möglich ist. Spontane Fotos sind dann zwar immer noch möglich, aber ebenfalls nur über das Display.
Schießt der Fotograf während der Videoaufnahme ein Foto, bleibt das Video systembedingt für eine Sekunde stehen. Hier macht sich auch die begrenzte Schreibgeschwindigkeit von SDHC Class 6 Karten bemerkbar, die Canon als Minimum empfiehlt: Nach Aufnahme eines RAW-Fotos während der Videoaufnahme muss die Kamera kurze Zeit später die Aufnahme beenden. Wer auch nach der Fotoaufnahme weiterfilmen möchte, benötigt also entweder eine schnellere Speicherkarte oder muss sich mit dem JPEG-Modus begnügen.
Die Bildstabilisierung von Canons Amateurobjektiven kann leichte Verwacklungen gut ausmerzen, in hohen Brennweitenbereichen machen sich jedoch kleinste Verwacklungen stark bemerkbar.
Das integrierte Monomikro machte im der Hamburger Redaktion noch einen guten Eindruck. Im Outdoor-Einsatz sorgte ein wenig Wind aber schnell für starke Störgeräusche. Ein externes Stereomikrofon, das sich den Blitzschuh montieren lässt, kann diese vermeiden und für einen erheblich besseren Räumlichkeitseindruck sorgen. Der neue hinzugekommene Mikroeingang ist daher für Hobby-Filmemacher eine große Bereicherung.
Unter den Links zum Thema kann ein Zusammenschnitt verschiedener Aufnahmen als QuickTime-Video heruntergeladen werden.
Fazit: Trotz leichter Einschränkungen empfehlenswert
Die Bildqualität der EOS 550D ist sowohl bei Fotos als auch bei Videos erstklassig. Zur universellen Film- und Fotomaschine fehlt ihr jedoch noch – wie auch anderen DSLRs – die nötige ergonomischere Handhabung. Auch wegen einer anderen Einschränkung kann sie einen herkömmlichen Camcorder noch nicht vollständig ersetzen: Die maximale Aufnahmelänge ist wegen Bestimmungen des Zolls auf 29 Minuten und 59 Sekunden begrenzt, im HD-Modus wegen den Beschränkungen FAT32-Dateisystems sogar auf nur rund 12 Minuten beziehungsweise 4 Gigabyte Größe. Für hochwertige „Bewegtfotos“ ist die Kamera bestens geeignet, für die komplette Aufzeichnung des zweistündigen Schultheaters somit jedoch nicht. Wer damit leben kann, kann beim aktuellen Straßenpreis von rund 650 Euro bedenkenlos zugreifen.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Fototipp hier.
Links zum Thema
- Canon EOS 550D im Test: DSLR zeichnet Full-HD-Videos auf
- Zusammenschnitt verschiedener EOS-550D-Videos aus Ägypten (89 MB, QuickTime, 720p24, ohne Ton)
- EOS 550D auf canon.de
