Online-Auktionshaus ließ Betrüger monatelang gewähren
Ebay: 16.500 Euro Schadenersatz an betrogenen Kunden
Wegen grob fahrlässiger Verletzung der Sorgfaltspflicht muss Ebay 16.463 Euro Schadenersatz an einen Kunden zahlen. So urteilte das Landesgericht St. Pölten Ende März. Nach Angaben von Falle-internet.de erstand der Kunde für diese Summe im September 2007 bei einem deutschen Ebay-Powerseller Goldbarren. Gezahlt hatte der wie bei Ebay üblich per Vorkasse, doch der Anbieter namens "ML-Agentur" lieferte die Ware nie aus.
Erst nach dem fehlgeschlagenen Kauf erfuhr der Kunde, dass Ebay bereits zuvor über Missstände bei dem Anbieter gewarnt worden war. Unzufriedene Kunden hatten Mails und Forenbeiträgen geschrieben sowie angerufen. Allerdings hatte Ebay es nicht für nötig gehalten, dem Anbieter seinen Power-Seller-Status, der ihn als besonders glaubwürdig ausweist, zu entziehen.
Umsätze von 400.000 Euro im Monat brachten Powerseller-Status
Ein geprellter Kunde klagte schließlich gegen Ebay. Am 31. März dieses Jahres gab des Gericht dem Kläger im vollem Umfang Recht. In dem Urteil heißt es, Ebay hätte aufgrund der Verstöße den Anbieter überprüfen und entsprechend sanktionieren müssen - trotz der guten Geschäfte, das es mit ihm machte. Wegen der "grob fahrlässigen Verletzung von vertraglichen Schutz- und Sorgfaltspflichten" haftet Ebay nun in vollem Umfang.
Der Verkäufer "ML-Agentur", mit Geschäftssitz in Wangen im Allgäu, erhielt den Powerseller-Status wegen seiner hohen Umsätze von rund 400.000 Euro pro Monat. Diese Auszeichnung stand 2007 bei Ebay für besonders zuverlässige und professionelle Anbieter. Trotz dieser Auszeichnung lieferte "ML-Agentur" Ware häufig verspätet. Außerdem lagen die Auktionserlöse regelmäßig unter dem handelsüblichen Goldwert von Banken. Das hätte Ebay auffallen müssen. Zumal der Anbieter fälschlicherweise angab Paypal und Ebay verifiziert zu sein und zahlreiche Beschwerden bei Ebay eingegangen waren.
Klagewelle könnte folgen
Stattdessen nutzte der Anbieter Einnahmen, um überfällige Verbindlichkeiten zu begleichen, wie ein späteres Insolvenzverfahren aufklärte. ML-Agentur hinterließ Gesamtschulden von rund einer Million Euro. Dennoch änderte das Online-Auktionshaus nichts an dem Status des Anbieters. Sämtliche Kontrollinstanzen bei Ebay schienen versagt zu haben. Teilnehmer des Ebay-Sicherheitsforums vermuteten deshalb, Ebay kassierte lieber Gebühren, als seine Kunden zu schützen.
Die Anwälte von Ebay dagegen argumentieren, dass außergewöhnliche Risiken nicht zu erkennen gewesen wären. Zudem hätte sich der Kläger selbst in Foren über mögliche Warnungen informieren können. Das Urteil ist von erheblicher Bedeutung für Verbraucher, da ein Gericht Ebay nach Angaben von falle-internet.de erstmals für unzureichende Sicherheitsvorkehrungen verurteilte.
Nun könnte ein Klagewelle auf Ebay zu kommen, denn neben dem österreichischen Kunden gab es mehrere Dutzend weitere Geschädigte durch "ML Agentur". Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Ebay hat noch die Möglichkeit beim Oberlandesgericht Berufung einzulegen.

:hmmm: nur am grundsätzlichen Verhalten der Damen & Herren in Potsdam-Dreilinden wird sich nicht viel ändern - wenn schon die Bearbeitung einer Meldung wegen offensichtlicher Verstöße gegen die Grundsätze...
Interessantes Urteil, da bin ich mal auf findige Anwälte gespannt, die nun loslegen...