Vorgestellt: Microblogging-Dienste

Google Buzz in Google Mail

Über die Suchfunktion lassen sich alle Tweets im Volltext und in Echtzeit durchsuchen. Wer in einer Meldung einem beliebigen Wort das Raute-Zeichen voranstellt, klassifiziert es als Tag für den jeweiligen Tweet. Twitter setzt darauf einen Link, der zu allen identisch getaggten Nachrichten führt.

Anfang Februar 2010 hat Google mit der Anwendung Google Buzz eine Erweiterung von Google Mail vorgestellt, die einen Frontalangriff auf Twitter darstellt. Jede Person, die sich bei Google Mail angemeldet hat, kann automatisch auch Buzz nutzen. Bei einer Neuanmeldung stellt Google Buzz direkt vor und bietet an, den Dienst im Beta-Stadium auszuprobieren.

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Über die Weboberfläche erscheint Google Buzz direkt unter dem Posteingang. Die Timeline wird im Stil von E-Mail-Nachrichten dargestellt, Meldungen und antworten darauf jeweils gruppiert. Über eine Suchfunktion lassen sich bequem Freunde und Bekannte finden.

Kommunikation auf der Plattform

Im Gegensatz zu Twitter fällt sofort auf, dass Google Buzz keine Beschränkung auf 140 Zeichen enthält. Es lassen sich damit also sowohl kleinere Schnipsel veröffentlichen, als auch größere Einträge verfassen. Bilder und Links können direkt eingefügt werden. Anders als bei Twitter steckt hinter den "Kommentaren" die Möglichkeit, auf beliebige Meldungen zu antworten.

Im Gegensatz zu Twitter nennt sich die Funktion, mit der auf bestimmte Meldungen geantwortet wird, "Kommentar". Dieser wird an alle Follower weitergeleitet. Sehr praktisch ist die Möglichkeit, einzelne Einträge direkt per E-Mail an Freunde und Bekannte weiterzuleiten. So gelangt eine spannende Meldung auch an Menschen, die keinen Zugang zu Google Buzz haben. Nach einem anfänglichen Hype lassen die Zugriffszahlen auf Google Buzz aber bereits merklich nach.

Facebook: Twittern im Netzwerk

Auch die beiden größten sozialen Netzwerke für private Anwender in Deutschland, Facebook und StudiVZ, haben den Trend zum Microblogging erkannt und bieten entsprechende Funktionen an. Das blaue Netzwerk aus den Vereinigten Staaten versteckt den Twitter-Klon hinter dem Punkt "Neuigkeiten". Facebook erlaubt sehr feine Einstellungen, wer aus dem Netzwerk die Nachrichten sehen darf – oder ob sie der ganzen Welt zur Verfügung stehen.

Es gibt grundsätzlich keine Follower – Menschen, mit denen man sich als Kontakt verlinkt hat, können bei Bedarf auch die eigenen Meldungen verfolgen. Um nicht den Überblick zu verlieren, unterscheidet Facebook zwischen neuen Meldungen und wichtigen Meldungen: Entweder der Besucher lässt sich alle Ereignisse und Nachrichten aus seinem Netzwerk chronologisch anzeigen oder er empfängt nur die wichtigsten Geschehnisse. Diese gewichtet Facebook je nachdem, wie viele Kommentare dazu abgegeben wurden oder wenn die Funktion "gefällt mir" verwendet wird.

Kommentare stellen praktisch die Antworten auf Einträge dar. So lassen sich Diskussionen mit mehreren Fragen und Antworten leicht verfolgen, da Facebook die Meldungen übersichtlich und eingedrückt darstellt. Praktisch ist, dass zu jeder Meldung auf die Frage "Was machst du gerade?" ein Link, Foto oder Video hinzugefügt werden kann. Anders als bei Google Buzz erscheinen diese aber nicht direkt innerhalb der Nachricht, sondern getrennt vom eigentlichen Textinhalt. Meldungen können wie bei Google Buzz eine beliebige Länge haben.

Buschfunk bei StudiVZ

Die VZ-Netzwerke erfreuen sich stetiger Beliebtheit, auch wenn Facebook immer mehr Nutzer in Deutschland begeistert. In StudiVZ kann direkt auf der Startseite des eigenen Profils eine Statusmeldung abgegeben werden. Dabei gibt es keine Zeichenbeschränkung. Eigene und fremde Meldungen, die von Leuten aus dem Netzwerk geschrieben werden, erscheinen in der Rubrik "Buschfunk" auf der Startseite.

StudiVZ-Meldungen lassen sich auch auf Twitter veröffentlichen. Dazu wird das VZ-Profil mit dem entsprechenden Konto bei Twitter verbunden – nach einem Hinweis zum Datenschutz erscheinen alle Meldungen im Buschfunk auch als Tweets. Die Verknüpfung lässt sich jederzeit wieder lösen. Positiv ist, dass weiterhin auch nur im Buschfunk geschrieben werden kann.

Offene Standards für Microblogging

Informationen in Echtzeit zu versenden ist eine nützliche Technologie - egal mit welcher Plattform. Der einzige Nachteil ist, dass es auf proprietären Standards basiert – und es nur bilaterale Möglichkeiten gibt, die Tweets zwischen mehreren Web-2.0-Anwendungen auszutauschen. Diese Lücke möchte der OpenMicroblogging-Standard schließen: Das offene Protokoll erlaubt den Austausch von Kurznachrichten über die Grenzen der Anbieter hinaus.

Der wichtigste Dienst, der das Protokoll implementiert, erblickte mit Identi.ca im Juli 2008 das Licht der Welt. Identi.ca basiert auf der freien PHP-Software StatusNet, die als Referenzimplementierung für OpenMicroblogging fungiert. Nachrichten, die dort versendet werden, können mit einem vorangestellten Ausrufezeichen auch an Gruppen geschickt werden. Über die Suchfunktion lassen sich Meldungen finden, die mit Tags gekennzeichnet wurden. Die Einträge anderer Dienste sind direkt erreichbar.

Besonders gelungen ist bei Identi.ca, dass alle Meldungen auf der Startseite in einer Zeitleiste angezeigt werden – auch für Besucher, die kein Konto angelegt haben. Über weitere Reiter lässt sich schnell ein Überblick gewinnen, welche Themen oder Personen im Moment besonders aktiv oder beliebt sind. Gelegentlich reagiert der Dienst aber noch etwas instabil und quittiert einen Klick mit Fehlern über die Datenbank.

Fazit: Twitter noch klar vorne

Twitter liegt noch immer klar an der Spitze der Microblogging-Dienste. Im Gegensatz zu Facebook lassen sich die Nachrichten auch von Menschen ohne Konto mitlesen und sind sogar in Suchmaschinen auffindbar. Wer allerdings viel in sozialen Netzwerken aktiv ist, kann seine Kontakte dort besser erreichen – alles hängt davon ab, wo Freunde und Bekannte angemeldet sind. Freie Alternativen wie Identi.ca sind in jedem Fall einen Blick wert.

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