Im Selbstversuch: Trendsportart Geocaching
Vorsicht Muggel!
Gerade als Einsteiger ist es oftmals etwas schwerer, einen Cache zu finden. GPS-Empfänger sind ja nur auf maximal zehn Meter genau, in Häuserschluchten oder unter Brücken leidet die Genauigkeit stärker. Also heißt es, mögliche Verstecke zu finden und sie einfach abzusuchen. Machnchmal haben die Cache-Inhaber in der Beschreibung noch einen kleinen Hinweis zum Versteck hinterlassen.
Nicht nur in Harry-Potter-Büchern gibt es eine Muggelwelt, denn auch beim Geocaching tragen Uneingeweihte diesen Namen. Der Suchende sollte sie nicht wissen lassen, was er da macht und wo das Versteck ist. Denn dann könnte der Cache in Gefahr sein. Im schlimmsten Fall informieren sie wegen einem Cacher die Polizei über "die verdächtige Person, die eine noch verdächtigere Box an öffentlichen Plätzen versteckt".
Während im Park Jogger gemütlich ihre Runden drehen, suche ich fieberhaft nach meinem ersten Cache. Als vorsichtiger Anfänger muss ich immer wieder wegen Muggel-Parkbesuchern von der freien Fläche abtauchen. Nach einer Stunde fieberhaftem Umhersuchens breche ich meine erste Suche erfolglos ab.
Vom einfachen Cache bis zur Tauchstation
Über die Hälfte der deutschen Caches sind einfache Behälter an einer beliebigen Stelle. Für noch mehr Spaß suchen Geübte nach so genannten "Multi-Caches", bei denen sie über mehrere Stationen bis zu einem letzten, besonders sehenswerten Cache geführt werden. Den Hinweis auf den nächsten Ort gibt es meistens erst eine Station vorher.
Bei "Mystery-Chaches" müssen sie erst ein oder mehrere Rätsel lösen, um die Suche nach dem Cache überhaupt beginnen zu können. Dies können Bilderrätsel oder Literaturaufgaben sein. Oftmals müssen mit einer mathematischen Aufgabe die Anfangskoordinaten eines Multi-Caches errechnet werden.
Im Internet werden die einzelnen Caches in einer Datenbank zusammengefasst. Geocaching.com ist dabei mit über eine Million Caches weltweit eine der stärksten Plattformen dieser Art. Alle Caches bewertet das Portal nach Schwierigkeit und Gelände, um den Nutzer davor zu schützen, sich selbst zu überfordern.
Leichte, traditionelle Caches sind insbesondere für Einsteiger geeignet. Auch Familien, die ihre Kinder wieder einmal an die frische Luft locken möchten, können auf solche Caches zurückgreifen. Die schwersten Caches verlangen dem Suchenden viel ab: So drohen bei "Lost Places" genannten Ruinen Einsturzgefahr und scharfe Kanten. Bergsteiger- oder Abseil-Caches erfordern viel Erfahrung und eine ordentliche Ausrüstung. Und selbst unter Wasser befindet sich der ein oder andere Cache.
Tauschen mit Ziel
In größeren Caches können neben herkömmlichen Tauschobjekten auch so genannte "Trackables" versteckt sein. Dazu sind an einigen Gegenständen Marken mit einer Tracking-Nummer angebracht. Diese "Travel Bugs" hat der Inhaber im Internet registriert und verfolgen ein ganz bestimmtes Ziel: sie sollen auf Reisen gehen.
Eine Anweisung, wohin der Travel Bug gebracht werden soll, befindet sich in der Beschreibung des Geocache. So sollen einige Gegenstände in eine ganz bestimmte Stadt gebracht werden oder zum Beispiel durch alle europäischen Länder reisen. Kann der Finder den Travel Bug ein Stück mitnehmen, wandert der Tauschgegenstand in den nächsten Cache, um in mehreren Stationen in den Zielcache zu gelangen.
Auch "Geocoins" zählen zu den Trackables. Dies sind aufwändig produzierte Medallien mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern, die ebenfalls durch alle Welt transportiert werden sollen. Die ältesten, im Jahre 2003 mit geringer Auflage produzierten Geocoins haben heute bereits einen relativ hohen Sammlerwert.
...der findet: Hightech-Spielspaß mit Suchtgefahr
Ich fasse wieder neuen Mut und mache mich bei frühlingshaften 15 Grad auf die nächste Tour. Diesmal habe ich mir einen leichten Cache ausgesucht und finde ihn auch prompt auf einem langen Spaziergang. Schnell trage ich Name und Datum in das Mini-Logbuch des kleinen Filmdosen-Caches ein und verstecke ihn nach dem Vorbeiziehen einiger Muggel-Passanten wieder ungesehen.
Für mich wird die GPS-Schnitzeljagd zu einem erfolgreichen Tag. Ich habe viele interessante Plätze entdeckt, architektonische Meisterwerke mitten in Hamburg, die ich vorher noch nie besucht hatte. Auch der sportliche Aspekt kommt auf meinen Wanderungen nicht zu kurz - die Sucht nach der Cachesuche hat mich bereits gepackt.
