UMTS-Nachfolger mit bis zu 150 Megabit pro Sekunde
CeBIT 2010: Mehr Tempo mit LTE-Mobilfunk
UMTS hat sich noch nicht in der Fläche durchgesetzt, schon steht der Nachfolger LTE in den Startlöchern: Der 4G-Mobilfunkstandard soll Anwendungen wie Videospiele und HD-Filme auf Endgeräte bringen. Deutsche Nutzer müssen auf kommerzielle LTE-Netze aber noch etwas warten.

Inhaltsverzeichnis
- 1LTE im Einsatz flexibler
- 2Netzausrüster und Provider zeigten Anwendungen auf der CeBIT
- 3LTE im Testversuch
- 4Mobilfunkauktion im April
- 5LTE-Handy vorgestellt
Mit einem Wisch über die Touchscreen-Oberfläche zieht eine Nokia Siemens Networks- Mitarbeiterin ein Video in die Mitte des Bildschirms, sofort steht der Film abrufbereit zur Verfügung. Auch ein Tennisspiel mit Nintendos Spielekonsole Wii garantiert Spielvergnügen in Echtzeit - und das über eine Mobilfunkleitung, nicht per DSL oder Kabel-Internet.
Möglich macht das der vermeintliche UMTS-Nachfolger LTE. LTE steht für Long Term Evolution und ermöglicht Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis 150 Megabit pro Sekunde in einer Mobilfunkzelle. Damit sind Anwendungen per Mobilfunk möglich, die bisher zu einem großen Teil übers Festnetz bereitgestellt wurden: Videokonferenzen, Spiele, kollaboratives Arbeiten oder Streaming selbst hoch aufgelöster Filme, zehn bis zwanzigmal so schnell auf Endgeräte geliefert wie per UMTS.
LTE im Einsatz flexibler
Das enorme Tempo zeigt sich in den geringeren Latenzzeiten im Vergleich zu anderen Standards. Dank einer Signallaufzeit von 10-20 Millisekunden (ms) sind Webseiten schneller aufrufbar. GSM dagegen erreicht nur eine Latenzzeit von rund 100 Millisekunden, in 3G-Netzen werden Geschwindigkeiten von 40 ms möglich, bei DSL rund 30 ms. "Wenn sich eine Webseite aufbaut, dann werden tausende Pings hin- und hergeschickt, das summiert sich", beschreibt Thorsten Robrecht, Leiter des LTE-Produktmanagments bei Nokia Siemens Networks die Vorteile des neuen Standards in der Praxis.
Hinzu kommt, dass die Provider unterschiedliche Frequenzbänder und Bandbreiten zur LTE-Anbindung nutzen können. Dank der Flexibilität werden Anbieter etwa in die Lage versetzt, bestehende Spektren weiter zu verwenden - die Kosten für die Umrüstung und den Betrieb der Mobilfunkstationen sind geringer. Und die Geschwindigkeit steigt, da der Mobilfunkstandard rein theoretisch auf die Bandbreiten 1,4; 3,5, 10, 15 und 20 Megahertz (MHz) skaliert werden kann, während beispielsweise für UMTS-Kanäle nur eine feste Bandbreite bereitsteht.

Netzausrüster und Provider zeigten Anwendungen auf der CeBIT
Was das ausmacht, zeigten Netzausrüster und Provider in der vergangenen Woche auf der CeBIT in Hannover, die am Sonnabend zu Ende ging. Nokia Siemens Networks etwa zeigte Anwendungen für LTE auf zwei großen Bildschirmen und simulierte dort Videokonferenzen, Video-Streaming und gemeinsames Arbeiten in Echtzeit. Dabei präsentierte das Unternehmen auch seine neue Mobilfunk-Basisstation Flexi BTS, die per Software-Update LTE-fähig wird.
Eindrucksvoll auch die Konzeptstudie, die Netzausrüster Alcatel-Lucent zusammen mit Partnern präsentierte. Im Mittelpunkt stand dabei ein Auto, dass sich per LTE mit dem Internet verbindet: Per Touchscreen, angebracht im Vorderraum und an den Rückseiten der Vordersitze, lassen sich Videos abspielen, Telefonanrufe tätigen, in Online-Shops einkaufen, über Sensoren Informationen über die aktuellen Straßenbedingungen abrufen und bei Bedarf auch ein Termin mit der nächsten Auto-Werkstätt vereinbaren.

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