CeBIT 2010: Wege zum Breitband auf dem Land
Umsetzung dauert knapp ein Jahr
In der vorletzten Phase erfolgt die öffentliche Ausschreibung. Formal wird diese von der Kommune übernommen, die Inhalte dagegen liefert Konext. Meistens würden etwa zwei bis vier Ausschreibungen erfolgen, sagt Fornefeld. Nur selten kommt es vor, dass ein Anbieter einen gesamten Landkreis erschließt.
Der letzte Schritt beim Breitbandausbau ist die Umsetzung vor Ort. Für diese Phase wie auch für alle anderen müssen Kommunen nach Angaben von Fornefeld mit einer Projektdauer von einem Vierteljahr rechnen, bis zum Anschluss an die Datenautobahn vergeht also knapp ein Jahr.
Funklösung als Ergänzung zur bestehenden Versorgung
Eine Ausnahme besteht aber, wenn sich die Kommune entschließt, selber zur Verlegung von Leerrohren in der Erde zu graben. Auch Fornefeld zieht dies Möglichkeit in Betracht. "Aus wirtschaftlicher Sicht ist das bei größeren Verlegungen interessant, also etwa, wenn man durch ein Feld muss", sagt der 50-Jährige. Bei der Verlegung von der Straße bis ans Haus sei der wirtschaftliche Nutzen aber marginal, denn nicht jeder Graben könne verwendet werden, "um dort sicher eine Leitung zu legen".
Viele Bürgermeister sind nicht sonderlich angetan von einer Vernetzung per Funk innerhalb ihrer Kommune. "Funklösungen sind wichtig und können bestehende Lösungen ergänzen, aber nie ersetzen", sagt dagegen Fornefeld. Aber: "Wer Gigabit-Anschlüsse will, muss auf eine Festnetz-basierte Lösung setzen.

Fördermittel für unterversorgte Gemeinden
Welche Lösung in Frage kommt, hänge von der Anzahl der interessierten Einwohner ab. "Je mehr Haushalte dahinterstehen, umso eher geht es in Richtung Glasfaser-Infrastruktur", sagt Fornefeld. Sprechen sich unter 100 Teilnehmer für einen Anschluss aus, kämen jedoch eher Funklösungen in Betracht; ist die Nachfrage größer, würden Kommunen sogar auf einen eigenen Backbone bei der Internet-Zuführung zurückgreifen können.
Zur Finanzierung des Breitbandausbaus bieten sich Fördertöpfe oder privatwirtschaftliche Lösungen an. Kommunen, die mit weniger als ein Megabit pro Sekunde im Internet surfen, gelten als unterversorgt und werden etwa aus Töpfen wie der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) unterstützt. Voraussetzung: Die Region muss im ländlichen Raum liegen.
Experte sieht Bürgermeister besser motiviert
Die Realisierung eines Breitband-Projektes hänge eher nicht von der Förderung ab, sagt Fornefeld, "fast immer ist es ein Investitionsproblem." Wo Wirtschaftlichkeitslücken entstehen, kämen etwa Bankkredite in Frage, sagt der Berater.
Eine Kommune mit Internet zu versorgen, ist kein leichter Weg: Die Förderungsanträge sind bisweilen kompliziert, Projekte oft zu teuer, die Bürgermeister häufig mit der Vielzahl an Vernetzungsmöglichkeiten überfordert. Aber auf der anderen Seite droht die Abwanderung von Unternehmen und damit von Arbeitsplätzen, wenn die Abfahrt zur Datenautobahn verpasst wird. Fornefeld sieht die Bürgermeister besser motiviert als noch vor zwei bis drei Jahren: "Man hat erkannt, dass die Gemeinschaft auseinander geht, wenn man es nicht schafft, Breitband in die Kommune zu bringen"
