Bewährungsstrafen wegen Youtube-Videos in Italien verhängt
Google: Manager wegen Verletzung der Privatsphäre verurteilt
Ein Gericht in Mailand verurteilte drei Manager des Internetgiganten Google zu Haftstrafen von sechs Monaten auf Bewährung. Laut des Richterspruchs leiste Google keine ausreichenden Schutzmaßnahmen für die Privatsphäre der Nutzer seines Video-Portals YouTube. Der Internetriese kündigte an, Einspruch einzulegen.
Gegen die Mitarbeiter Peter Fleischer, David Drummond und den ehemaligen Google-Finanzchef George Reyes wurden in Italien im Zuge eines Gerichtsverfahrens sechsmonatige Bewährungsstrafen verhängt. Ein vierter Angeklagter, Arvind Desikan, wurde aus nicht bekannten Gründen freigesprochen. Bestandteil des Verfahrens war ein im September 2006 veröffentliches Video auf der firmeneigenen Plattform YouTube. Auf dem Handy-Video waren vier Schüler beim Drangsalieren eines autistischen Jungen zu sehen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Unternehmen einen Mangel an Schutzmaßnahmen für die Privatsphäre des Jungen sowie allgemein Rechtsverletzungen durch Dritte vor. Dem stimmte das Gericht zu.
Menschenwürde über Firmeninteresse
Google verteidigte sich mit der angeblichen Tatsache, dass keiner der Angeklagten etwas mit dem Video zu tun gehabt hätte. Den Vorwurf wies Richter Oscar Magi zurück. Als Begründung sei die Veröffentlichung des Videos angeführt, die von Google hätte verhindert werden können. Google hingegen hatte die Aufnahme erst nach einer Aufforderung durch die italienische Polizei von der Website entfernt. Magi urteilte zugunsten der Privatsphäre des Jungen und verwies auf den Schutz der Menschenwürde, den er als wichtiger als Googles Firmeninteressen einstufte.
Das Unternehmen ist nun aufgefordert, effektivere Schutzmaßnahmen für sein Online-Portal zu errichten. Google wird nach eigenen Angaben Revision gegen das Urteil einlegen. Laut eines Statements des Unternehmens in seinem offiziellen Blog hätten die Mitarbeiter keine Verbindung zu dem veröffentlichten Video gehabt. Es sei rechtzeitig entfernt worden und Google habe der italienischen Polizei bei der Identifikation des Nutzers geholfen. Google sieht die Prinzipien der Freiheit, auf denen das Internet und sein Unternehmen beruhen, angegriffen.

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 6 Beiträge
kann Youtube nicht jedes Video das eingestellt wir sofort überprüfen. Das ist aus meiner Sicht, ohne Einstellung von ein paar hundert Mitarbeitern unmöglich. Jedoch wurde das Video bestimmt an Youtube...
Es ist doch üblich, dass Seitenbetreiber für ihre Inhalte haften. Selbst Forenbetreiber haben eine Aufsichtspflicht und müssen gesetzwidrige Inhalte der Nutzer entfernen. Google kann sich nicht einfach aus der...
Sollten in Italien tatsächlich Websitebetreiber für die Inhalte Dritter haftbar gemacht werden, wäre das das Aus für das Social-Web in Italien, denn eine redaktionelle Vorabkontrolle von dynamischen Inhalten ist...
Ja, Google muss jetzt 100 Milliarten Fotos durchschauen und prüfen, ob nicht irgendwo ein Eichhörnchen beim Kacken zu sehen ist. Es lebe der Wahnsinn!
Wenn jemand ein Plakat mit rechtswidrigem Inhalt an eine Wand klebt, wird auch nicht der Gebäudeeigentümer oder gar die Stadt verklagt.