Roaming: Günstig Telefonieren im Ausland
Base Reisevorteil und Reisevorteil Plus
Zunächst erscheinen die beiden anderen Tarife für mobile Telefonie recht teuer: Anders als bei T-Mobile oder Vodafone darf man die Freiminuten aus Deutschland nicht im Ausland aufbrauchen. Auch gelten bei Reisevorteil höhere Tarife außerhalb der EU. Sinnvoll ist BaseReisevorteil nur, wenn man günstig surfen möchte: Die Preise für Datenverbindungen liegen mit 5 Cent bis 20 Cent für 50 KB deutlich unter der Spanne des EU-Tarifs von 59 bis 99 Cent.
Reisevorteil ist also für Menschen interessant, die im Ausland auch E-Mails schreiben oder auf dem Handy surfen möchten. Dafür sind die Minutenpreise in Base Reisevorteil mit 29 Cent für ankommende Gespräche höher. Abgehende Gespräche kosten mit 29 Cent (statt 51 Cent bei Base International) aber deutlich weniger innerhalb der EU. Wie bei T-Mobile und Vodafone fällt für jedes Gespräch ein einmaliger Verbindungspreis von 75 Cent in der Minute an.
Die dritte Option im Tarifportfolio ist Base Reisevorteil Plus. Damit sind Datenverbindungen zwar wieder etwas teurer, jedoch kosten SMS aus dem Ausland in die EU-Länder nur 9 Cent - das ist deutlich günstiger als der SMS-Versand im deutschen Heimatland.
Einheitliche Preise ins Ausland für SMS
Wer von Deutschland aus ins Ausland telefoniert, hat bei Base keine zusätzlichen Optionen: Je nach Tarifzone kosten Gespräche entweder 69 Cent in Europa und nahen Ländern. Für den Rest der Welt wird eine Minute mit 1,79 Euro berechnet, was sehr günstig ist. Besonders sparsam geht Base bei SMS mit seinen Kunden um: Wer eine Textnachricht von Deutschland ins Ausland versendet, löhnt einheitliche 39 Cent.
Damit behält jeder Nutzer einen guten Überblick über die Kosten, hat aber weniger Optionen als bei T-Mobile und Vodafone für regelmäßige Gespräche ins Ausland. Eine Flatrate-Option für Auslands-Gespräche gibt es bisher nicht.
O2: Einheitliche Preise in allen Tarifen
Der vierte Netzbetreiber in Deutschland hat erst kürzliche das Roaming-Abkommen mit T-Mobile gekündigt und baut seine eigenen Netz-Aktivitäten aus. Kunden von O2 haben im Ausland keine Wahl - es gelten immer die standardmäßigen Preise für Telefon, SMS/MMS und Datenübertragung. Unabhängig vom gewählten Vertrag richten sich die Preise dabei exakt nach den Vorgaben der EU: Ab 51 Cent in der Minute telefoniert man aus dem EU-Ausland nach Deutschland, ab 13 Cent kostet der SMS-Versand.
Die Kosten für Datenverbindungen sind durchschnittlich: Beginnend mit 7 Cent für 10 KB in Europa bis zu 15 Cent für den Datenblock in entlegenen Ländern lassen sich Websites und E-Mails auf dem Handy oder mit dem UMTS-Stick günstig ansehen. Vorbildlich bei O2 sind die Roaming-Kosten für mobiles Internet in den Tarifzonen 1 und 2 (EU sowie europäische Länder), die auf 15 Euro pro Tag begrenzt sind. Das entspricht praktisch einer Flatrate für mobile Datenverbindungen.
Wer von Deutschland ins Ausland telefoniert, hat ebenfalls keine Wahl - es gilt eine einheitliche Preisliste ohne zusätzliche Optionen. Für eine SMS ins Ausland gilt wie bei Base ein einheitlicher Preis von 29 Cent, der damit genau 10 Cent günstiger ist.
MyEuropeTop: Verwirrende Option
Die einzige Option für Vieltelefonierer im Ausland ist MyEuropeTop von O2. Sie kostet im Monat 8,00 Euro und wird einmalig für 30 Tage gebucht. Auf Wunsch kann sie danach zweimal für erneut 30 Tage verlängert werden - fraglich bleibt, warum O2 nicht gleich eine Buchung für ein, zwei oder drei Monate ermöglicht.
Die Liste der Länder von MyEuropeTop entspricht der EU sowie einigen dritten Staaten, z.B. Schweiz, Island und den französischen Überseegebieten. Nicht mit dabei sind beliebte Urlaubsziele wie Ägypten oder die Türkei. Wer die Option bucht, telefoniert von den enthaltenen Ländern für günstige 39 Cent nach Hause oder wird für diesen Preis angerufen. Ein zusätzlicher Verbindungspreis fällt nicht an.
Leicht missverständlich ist die Formulierung, die ersten 100 Minuten eingehender Gespräche seien mit MyEuropeTop kostenfrei. Auf Nachfrage klärte die O2-Hotline auf, dass damit die ersten 100 Minuten aller Gespräche im jeweiligen Monat gemeint sind.
Sonderpreise für weitere Länder
Etwas verwirrend ist auch die Praxis, dass O2 für Länder außerhalb der EU eine eigene Preisliste mit so genannten zusätzlichen Verbindungspreisen anbietet. O2 reicht einmalige Entgelte oder zusätzliche Minutenpreise der lokalen Roaming-Partner an den Kunden weiter. Die Spanne liegt dabei zwischen 39 Cent und weit über einem Euro in der Minute. Für den Kunden ist es nicht besonders übersichtlich und praktisch, vor der Reise immer die aktuelle Preisliste aufzuschlagen zu müssen. Der eigentliche Minutenpreis setzt sich am Ende aus diesen Aufpreisen und dem geltenden Roaming-Tarif zusammen.
Mobil erreichbar auf Kreuzfahrten
In den Jahren 2008 und 2009 waren knapp eine Million Deutsche auf einer Kreuzfahrt unterwegs. Damit ist Deutschland nach den Vereinigten Staaten und Großbritannien der drittgrößte Markt für Hochsee- und Flusskreuzfahrten. Urlauber möchten auch auf dem Schiff mobil erreichbar sein - was jedoch sehr teuer werden kann. Auf Flüssen bucht sich das Handy in das Netz des jeweiligen Ziellandes ein - insofern gelten hier die Bedingungen für das Europäische Ausland.
Auf hoher See oder Fähren gibt es dagegen spezielle Angebote von T-Mobile und Vodafone: Ein abgehendes Gespräch nach Deutschland kostet zum Beispiel bei T- Mobile (Netzbetreiber der beliebten Costa-Schiffe) satte 4,47 Euro pro Minute, ankommende Anrufe sind mit über fünf Euro noch teurer. Die Preise für SMS liegen zwischen 50 Cent und 1,50 Euro.
Wer einen der kleineren Netzbetreiber E-Plus oder O2 gebucht hat, schaut auf Schiffen oft in die Röhre: Die Anbieter haben keine eigenen Verträge mit den Betreibern der Seenetze. So ist telefonieren auf einem Schiff je nach Kreuzfahrt und Zielgebiet nur in Ausnahmefällen möglich.
Qualität und andere Netzbetreiber
Die Qualität der Gespräche ist dabei oft ungenügend. Oft bricht die Verbindung wegen des schlechten Empfanges ab. Auch Datenverbindungen über schnelles UMTS sind oft nicht möglich.
Insgesamt lohnt es sich, bei Kreuzfahrten die Netzauswahl manuell auszuwählen. Das mobile Telefon sollte am Ausflugshafen genutzt werden, um die relativ günstigen Landestarife zu nutzen.
Weitere Möglichkeiten zum Sparen
Mit den oben genannten Optionen kann jeder Vertragskunde die größten Kostenfallen umgehen. Als Prepaid-Kunde gelten teilweise die gleichen Optionen - sogar die zusätzlichen Vertrags-Optionen sind häufig auf Nachfrage bei der Hotline auch für Prepaid-Kunden buchbar.
Im Ausland lohnt ansonsten ein Blick auf die lokalen Prepaid-Anbieter. Besonders preiswert sind oft die Angebote europäischer Fluglinien, die direkt SIM-Karten im Flieger verkaufen. So bietet AirBaltic als größte Fluggesellschaft des Baltikum mit der AirBaltic Card eine günstige Alternative für längere Urlaube in Nord-/Osteuropa. Praktisch ist dabei, dass ankommende Gespräche im Baltikum sowie Finnland und Schweden für den Nutzer kostenfrei sind.
Noch mehr kann man nur sparen, wenn man konsequent auf sein Verhalten achtet: Telefon abschalten, wenig SMS versenden, automatischen E-Mail-Push deaktivieren. Zusätzlich sollte jede Weiterleitung auf die Mailbox deaktiviert werden, da die Anbieter hierfür unterschiedliche Gebühren berechnen. Zwar ist die Mailbox innerhalb der EU bei T-Mobile und Vodafone mittlerweile kostenlos, jedoch nicht in jedem Fall die Weiterleitung nach Hause.
Fazit: Günstige Telefonate in Europa
Wer beim Aufenthalt im europäischen Ausland die Kosten möglichst gering halten möchte, muss sich nicht extra eine Prepaid-Karte im Zielland kaufen - die vorgestellten Tarifoptionen von T-Mobile und Vodafone machen Telefonate im Ausland erschwinglich. Bei Base und O2 müssen Urlauber dagegen aufpassen und die Kosten im Blick behalten.
Zwar sind Gespräche und SMS im Ausland schon recht erschwinglich, MMS und Daten-Roaming bleiben dagegen sehr teuer. Hier lohnt es sich, einen nahe gelegenen Hotspot zu nutzen und auf den UMTS-Stick zu verzichten.
