Amerikanische Schule soll Privatsphäre verletzt haben
Sammelklage: Webcams von Schul-Notebooks überwacht (Update)
Der US-Anwalt Blake Robbins hat im Namen eines Jugendlichen und seiner Eltern eine Klage gegen das Schulamt eines Vorortes von Philadelphia eingereicht. Der Vorwurf: Die Verletzung der Privatsphäre der Familie. Die Schüler wurden mit Hilfe von Notebook-Webcams überwacht.
Das Update vom 22. Februar "FBI nimmt Ermittlungen auf" finden Sie am Ende des Beitrags.
Die Schule bot ihren Schülern einen Ausleihservice für Laptops an. Was diese allerdings nicht wussten: Die Geräte verfügten über Webcams, die ferngesteuert werden konnten. Auf den Notebooks war eine Software installiert, die einen Fernzugriff ohne Wissen des Nutzers ermöglicht. So ließ sich nicht nur überwachen, welche Webseiten ein Schüler aufrief oder mit wem er kommunizierte, sondern auch was der Schüler vor seinem Laptop oder in seinem Zimmer tut.
Schüler-Überwachung per Webcam
Auch auf die Webcam hatten die nicht näher bezeichneten Administratoren Zugriff. Dies kam heraus, als der Sohn der klagenden Familie in der Schule mit disziplinarischen Maßnahmen wegen "ungebührlichem Verhalten in seinem Elternhaus" bestraft werden sollte. Als Beleg legte der stellvertretende Schulleiter eine Aufnahme der Webcam des Schulrechners vor. Die Schüler zeigten sich besorgt aufgrund der Geschehnisse. Ständig werde ihnen eingetrichtert, auf ihre Privatsphäre im Netz aufzupassen - und dann spioniere die eigene Schule schamlos ihr Intimleben aus.
Die Überwachung der Notebooks wird von der Schulbehörde mit dem Jugendschutz begründet. Immerhin sollen die Kinder beispielsweise keinen Kontakt zu Fremden aufnehmen, die sie in einem Chat kennengelernt haben. Allerdings ging den Eltern die in der Klage beschriebene Überwachung deutlich zu weit.
Immerhin waren nicht nur die Kinder in einem unverhältnismäßigen Ausmaß betroffen, sondern auch die Privatsphäre des gesamten Haushalts. Das Verfahren soll als Sammelklage gestaltet werden, damit sich auch die Familien anderer Schüler beteiligen können. Die Details der Sammelklage können in der Klageschrift nachgelesen werden.
Update vom 22. Februar: FBI nimmt Ermittlungen auf
In einem Interview mit dem Fernsehsender "CBS News" erklärte der Kläger Blake Robbins, der stellvertretende Direktor seiner Schule habe ihm Verkauf von Drogen vorgeworfen. Als Beweis habe er ein mit einer Webcam aufgenommenes Foto angeführt. Robbins sei nicht bewusst gewesen, dass es möglich sei, die Kamera bei ihm zu Hause zu aktivieren. Außerdem seien die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen nicht wahr. "CBS News" berichtet zudem, dass auch die US-Bundespolizei FBI Ermittlungen aufgenommen hat. Sie wolle feststellen, ob Vertreter der Schuldbehörde gegen Abhörgesetze verstoßen hätten.
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