Das Ende des Touchscreens?

Invensense: Handy-Steuerung mit Gesten

Invensense: Handy-Steuerung mit Gesten Ein neuartiger Prozessor könnte die Bedienung von Handys grundlegend verändern. Das System MPU-3000 des kalifornischen Hersteller Invensense kombiniert einen Spezialchip mit einem Gyro-Sensor. Damit kann der Anwender sein Mobiltelefon ohne Tasten bedienen - nur durch Gesten, die er mit dem Gerät ausführt.

Zugegeben, es sieht schon ein wenig merkwürdig aus, wenn ein Mensch auf der Straße sein Handy schüttelt, in der Luft herum schwenkt und darauf klopft. Das ist möglicherweise einer der Gründe, warum sich die Technik bisher bei Handys noch nicht so richtig durchgesetzt hat.

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Mit der Entwicklung des Herstellers Invensense könnte sich das ändern. Das kalifornische Hightech-Unternehmen hat die Technik jetzt deutlich verfeinert und ihr damit möglicherweise zu einem entscheidenden Leistungssprung verholfen. Die Entwicklung ermöglicht die nahezu komplette Steuerung von Mobiltelefonen über definierte Bewegungen des Geräts. Durch Schütteln, Drehen und Rütteln kann der Anwender die meisten Aufgaben - mal abgesehen vom Eingabe der Telefonnummer oder dem Tippen von Buchstaben in einer SMS - erledigen.

Motion Prozessor mit Gyro-Sensor

Möglich macht es ein Chip namens "MPU-3000" (MPU, Motion Processing Unit) in Verbindung mit einem Gyro-Sensor. Während der Sensor Bewegungen auf drei Achsen erfasst, verarbeitet der Chip diese Daten und gibt die damit verbundenen Befehle an die Software weiter. Vorteil gegenüber herkömmlichen Systemen, die in aktuellen Mobiltelefon wie etwa dem Samsung Jét S8000 oder den Smartphones von HTC integriert sind: Die Technik von Invensense arbeitet wesentlich zuverlässiger, präziser und feinfühliger. Der Anwender muss vorher nur die richtigen Handbewegungen oder Gesten erlernen. Der MPU-3000 verfügt zusätzlich über eine Schnittstelle, die den Anschluss eines externen Beschleunigungssensors erlaubt, um Bewegungen noch präziser mit sechs Achsen zu erfassen.

Neue Bedienkonzepte

Beschleunigungssensoren haben in den letzten Jahren immer mehr Anwendungen erobert. So kommt die Technologie beispielsweise in Kameras zum Einsatz, bei denen flexibel angebrachte Linsengruppen oder Bildsensoren verwackelte Bilder ausgleichen. Auch Spielecontroller wie Nintendos Wii nutzen diese Technik.

Invensense sieht in der Zukunft auch noch eine ganze Reihe weiterer Anwendungsbereiche für Mobilsysteme mit Motion Processing-Chip. So könnte der Anwender mit Gesten durchs Internet surfen oder die Navigations-Software bedienen. Die Technik hat das Potenzial, das Design von Mobilgeräten auf völlig neue Grundlagen zu stellen und vielleicht sogar Tasten und Touchscreen überflüssig zu machen.

Konkrete Produktankündigungen gibt es im Moment allerdings noch nicht. Hersteller von Mobilgeräten können Samples des Chips bestellen, um die Technik auszuprobieren. Die Massenfertigung des MPU-3000 startet frühestens im zweiten Quartal 2010. Laut Invensense kostet das System für Hersteller weniger als vier Dollar. Entsprechend ausgerüstete Smartphones ließen sich also ohne gigantische Mehrkosten in der Produktion auf den Markt bringen. So gesehen ist es in naher Zukunft durchaus denkbar, dass Menschen, die auf der Straße ihr Handy schwenken und schütteln, gar nicht mehr auffallen.

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