Schöne Bescherungen aus dem weltweiten Natz
Verkehrte Netzwelt: Mein wunderbarer Spam-Ordner
Viele Anwender sind beim Thema "Rechner und Internet" überängstlich und sehen überall nur Gefahren und Risiken. Doch mancher PC- und Internet-Neuling hat keine Angst vor Hackern und Viren - und findet auf diese Weise viele neue Freunde im Internet. Die besten Freunde schreiben sogar E-Mails. Die muss man sich nur noch holen aus dem Spam-Ordner.
Inhaltsverzeichnis
- 1Hausaufgaben-Hilfe für Chantal
- 2Spam sichert Arbeitsplätze und Wirtschaftsaufschwung
- 3Hello Rob, your Rechtschreibung is kaputt
Wir PC-Anwender sind schon ein griesgrämiges Volk. Zum Beispiel kritisieren die Leute ständig am schönen Internet herum. Zu wenig Bandbreite, zu viel Schund, überall Hacker und Viren. Mir macht das Internet einen Riesenspaß. Nur das ganze Gedöhns um die Sicherheit nervt langsam. Diese ganzen Gefahren sind doch völlig aufgeblasen, ich hatte noch nie einen Virus auf meinem Computer, noch nie so ein Bild mit Giftsymbol und Totenkopf auf dem Monitor.
Das ist doch alles nur Panikmache der Antiviren-Mafia, damit die Leute ihre überflüssigen Security-Programme kaufen. Ich habe keine Lust, ständig Sicherheitsupdates herunterzuladen. Ich nutze die Zeit lieber, um Spaß beim Surfen zu haben. Und den hab ich garantiert. Erst gestern erschien auf meiner E-Mail-Homepage so ein Extra-Fenster, Pop-up heißt das, glaub ich: "Gratuliere. Sie wurden ausgewählt. Sie haben einen Audi A3 gewonnen." Den hol mich mir gleich morgen ab.
Auch das mit dem Spam ist genau andersrum wie alle selbsternannten Experten immer behaupten. Ungefähr 80 Prozent aller E-Mails bestehen aus Spam, schreiben die. 135,5 Milliarden Spam-Mails gehen jeden Tag durchs Netz. Das muss man erst mal zur Kenntnis nehmen, bevor man gleich wieder lästert. Bei 135,5 Milliarden Mails können ja nicht alle schlecht oder böse sein. Das sind Mehrheiten - und die sollte man respektieren.
Hausaufgaben-Hilfe für Chantal
Außerdem gibt es eine Menge schöner Dinge in meinem Spam-Ordner. Man lernt da jede Menge netter Leute kennen. Meistens sind es ja die Mädchen, die Brieffreundschaften im Internet pflegen. Die haben immer so schöne Namen: Gina, Chantal, Solveigh, Mandy, Charlene und Lindsey. Die sind alle echt nett. Natascha will mich besuchen kommen, wie sie in ihrer E-Mail schreibt. Wenn man auf ihre Homepage klickt, kann man sie sogar vorher schon kennenlernen.
Und Mandy will, dass ich ihr bei den Hausaufgaben helfe. Die Ärmste denkt, dass sie "total versaut" ist. Arme gute Mandy: Schlechte Noten in der Schule bedeuten noch lange nicht, dass man ein schlechter Mensch ist. Ganz lieb ist auch die Chantal. Sie ist Krankenschwester und will mich in 1001er Nacht glücklich machen. All diese netten Menschen lernt man per E-Mail kennen. Oder auch per Skype. Gerade kommt bei Skype so eine neue Kontaktanfrage rein: "Solveigh will Sie kennenlernen". Ja, schaun wir doch einmal, was sie will, die Solveigh.
Manchmal sind bei den E-Mails auch ältere Damen dabei. "Reife Hausfrauen wollen dich verwöhnen", schreibt Johanna. Nichts einzuwenden! Sehr gerne lasse ich mich mal bekochen, der Wäschekorb im Bad quillt über, der Fußboden in der Küche hat schon lange keinen Wischmop mehr gesehen und die Fenster Schwamm drüber, sozusagen. Es ist mir ein Rätsel, warum die Leute so über den Spam schimpfen. Da kann man außerdem richtig viel Geld beim Shoppen sparen. Ein "Official Vendor" bietet gerade 80 Prozent Preisnachlass für ein medizinisches Präparat.
Ich meine, das ist doch ein richtiges Sonderangebot. Wenn das Betrüger wären, dann würden die doch nicht solche Preisnachlässe geben. Und wenn mir mal das Geld ausgeht, kann ich ja immer noch ins Online-Spielcasino "Royal Jack" gehen. Die haben mich auch schon über so ein Pop-up-Fenster im Internet Explorer kontaktiert und offiziell mitgeteilt, dass ich ein persönliches Guthaben über 50 Dollar zum Einstieg geschenkt bekomme.
Spam sichert Arbeitsplätze und Wirtschaftsaufschwung
Einen Vorteil der Spammerei habe ich noch gar nicht genannt. Diese Mails brauchen ja alle Speicherplatz und Bandbreite. Und das heißt logischerweise, dass die Industrie mehr Festplatten und dickere Netzwerkkabel verkauft. Und das sichert doch auch Arbeitsplätze. Da kann doch keiner was gegen haben. Stellen Sie sich mal vor, es gäbe keinen Spam. Dann würden auf einen Schlag 80 Prozent aller E-Mails und Millionen von Homepages, die daran hängen, wegfallen. Dann wären 80 Prozent der Festplatten in den Rechenzentren plötzlich leer, da könnten dann ganze Serverfarmen dicht machen.
Hello Rob, your Rechtschreibung is kaputt
Kleine Kritik vielleicht: Mit der Rechtschreibung haben es die guten Leutchen aus der Spam-Welt nicht so. Was sollen denn die ganzen Sonderzeichen und Leerzeichen in der Betreff-Zeile? Eine Klara Hofmann schreibt: "Nie wieder %% zu fr§§üh kom$men". Kein Problem, ich nehme einfach einen Bus später. Hallo Klara, wenn Du diese Zeilen liest, bitte kauf Dir doch mal ein Rechtschreibwörterbuch.
Aber die Männer sind auch nicht besser. Beispiel: Rob Wayne "So "kanns??t du läänger - garan%%tier!t." Hello Rob, I dont know, what you want so say, but please have a look on your Rechtschreibung. Aber ein paar Rechtschreibausrutscher tun einer guten Sache keinen Abbruch. Wie gesagt, die Hexenjagd gegen die spammenden Mitbürger aus dem Global Village muss aufhören. Auch wenn es einige wenige schwarze Schafe darunter gibt.
Ja klar, gibt es im Internet auch Betrüger. Weiß ich doch. Aber meine Bank passt auf. Die Security-Abteilung von denen ist echt auf Zack. Die hat mir gerade wieder eine "very urgent"-Mail geschrieben, dass Hacker unterwegs sind und die Security-Abteilung bei meinem Konto eine Sicherheitsüberprüfung durchführt. Dazu muss ich jetzt nur schnell meine Kontodaten und das Passwort rüberschicken. Um den Rest kümmern die sich

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haha hau mich weg, echt lustiger und dabei aber auch noch hilfreicher Artikel, danke.
Ist eine sehr interessante Auslegung zum Thema Spam. Da sollte man mal echt drüber nachdenken. Und lustig ist sie auch noch - cool-
:biglol: :lol: :biglol: Ist mal wieder allererste Sahne, die Verkehrte Netzwelt. Genial geschrieben, hervorragend thematisiert. :lol: :biglol: :lol: