Durchschaubar wie Plexiglas: Harman Kardon GLA-55 im Test
Hörtest
Je ein CMMD-Hochtöner, der laut Hersteller einen bis zu vier Oktaven nach unten erweiterten Frequenzgang ermöglichen soll, sitzt geschützt von Aluminiumstreben in jedem Glas-Lautsprecher. Darunter befindet sich ein Tieftöner, der mit einem respektablen Maximalhub von 2,5 Zentimetern auftrumpfen kann. Das hört sich bereits auf dem Papier nach druckvollem Bass an. Zusätzlich sorgt ein Bassreflex-Kanal für verzerrungsfreie Tiefton-Wiedergabe.
Folgende Wiedergabeliste wählte netzwelt für den Hörtest:
- - AC/DC: Ain't No Fun
- - Björk: Wanderlust
- - The Crystal Method: Bound too long
Über Geschmack und Design lässt sich streiten. Fest hingegen steht: Legt man die Messlatte für Desktop-Lautsprecher an, und als solche bezeichnet der Hersteller das System, klingen die GLA-55 außerordentlich gut. Selbst den Vergleich zu größeren Klangkörpern müssen die Harman-Skulpturen nicht scheuen.
Fast wie Glas: Lautsprechersystem GLA-55 von Harman Kardon.
Der Hörtest beginnt mit dem AC/DC-Klassiker "Ain't No Fun". Die Lautsprecher befinden sich im Test auf dem Schreibtisch auf Höhe eines Monitors, als Zuspieler dient ein Apple MacBook. Krachend und plastisch peitschend werfen die Lautsprecher uns die Gitarren-Sounds von Angus Young bereits im Intro um die Ohren. Leider geht die Stimme von AC/DC-Frontmann Brian Johnson im Gitarren-Gewitter ein wenig unter.
Ein ganz anderes Klangbild zeichnet sich beim nächsten Track ab. In Björks psychedelischem Titel "Wanderlust" schwirrt die Stimme der Isländerin förmlich ein paar Meter vor den Lautsprecher-Auslässen im Raum. Schließt man die Augen, scheint sie einem zentral angeordneten - aber nicht vorhandenen - Center-Speaker zu entfliehen. Wummernde Bässe geben einen Vorgeschmack auf den folgenden Belastungstest mit dem Titel "Bound Too long".
Harman Kardon GLA-55
Das aktive Lautsprecher-System GLA-55 von Harman Kardon sieht auf den ersten Blick aus wie eine Eisskulptur.
Die Oberfläche besteht allerdings nicht aus echtem Glas sondern aus Acryl.
Im verchromten Standfuß des rechten Lautsprechers finden sich Anschlüsse für Netzteil und den linken Lautsprecher.
Die facettenreich gestaltete Oberfläche lässt Licht unzählig oft brechen.
Die Öffnung des Bassreflexsystems sorgt für eine verwirbelungsfreie Tiefton-Wiedergabe.
Die GLA-55 von Harman Kardon sind im Handel erhältlich. Der Preis für ein Latsprecher-Paar beträgt laut unverbindlicher Preisempfehlung des Herstellers 799 Euro.
Bass im Überfluss, dreckig, tief, nass, explodierend, trocken: Wenn ein Titel für Bassquälereien geeignet ist, dann dieser Dancefloor-Track von The Crystal Method. Auch ohne Zollstock liegt die Vermutung nahe, dass der maximale Hub von 2,5 Zentimetern des Tieftöners jetzt ausgereizt wird. Aber selbst Lichtjahre entfernt von Zimmerlautstärke spielt das Harman-Kardon-System freudvoll und keinesfalls angestrengt auf.
Zum Preis von knapp 800 Euro im Handel: Glas-Lautsprecher Harman Kardon GLA-55.
Fazit
Wer bereit ist, knapp 800 Euro für Schreibtisch-Lautsprecher auf den Tisch zu legen, wird von den GLA-55 von Harman Kardon nicht enttäuscht. Sofern kein Ferrari-Schlüssel in der Nähe liegt, sind sie der Star auf jedem Schreibtisch. Der Klang liegt erwartungsgemäß auf sehr hohem Niveau, und selbst ausgeschaltet lenkt das Aktiv-System die Blicke auf sich.
Negative Kritik handelt sich das Lautsprecher-Set höchstens für die nur mit einem Schraubenzieher erreichbare Stellschraube zur Regelung der Bass-Intensität ein. Hier wäre ein komfortabler Drehregler an der Gehäuse-Rückseite die bessere Wahl gewesen.
