Freiwillige kartieren Erdbebengebiet Haiti

Haiti: OpenStreetMap zeigt Wege durch die Trümmer

Innerhalb weniger Tage haben die so genannten "Crisis Mapper" eine detaillierte Karte des Erdbebengebiets auf Haiti erstellt. Der Lageplan soll Hilfsorganisationen dabei helfen, durch das verwüstete Gebiet zu kommen, ohne lange Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Die stündlich aktualisierte Karte steht über den Dienst OpenStreetMap zur Verfügung.

OpenStreetMap Haiti
Unzählige Markierungen zu den Gegebenheiten in Port-au-Prince wurden bereits von den Crisis Mappern eingestellt. Stündlich werden es mehr.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Markierungen für Hilfskräfte
  2. 2Erste Erfolge bereits 2009
  3. 3Stromnetz verhindert den Einsatz

Markierungen für Hilfskräfte

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Bislang haben die Crisis Mapper unter anderem Haitis Hauptstadt Port-au-Prince neu kartographiert und die Karte mit zahlreichen Hinweisen versehen. Die ehrenamtlichen Helfer erfassen freie Straßen genauso wie zusammengestürzte Brücken und Gebäude. Auch eine Übersicht über das örtliche Gesundheitssystem und die Orte, an denen sich die Menschen nach dem Erdbeben aufhalten, sollen erfasst werden.

Dazu arbeitet das Crisis Mapper-Team mit aktuellen Satellitendaten von Digitalglobe und GeoEye. Das japanische Erdbeben-Forschungsinstitut NIED gestattet der Initiative außerdem die Nutzung von Satellitenaufnahmen der Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA). Auch einige alte Karten der CIA kamen nach Angaben der Crisis Mapper zum Einsatz herangezogen.

Die Aktualisierung erfolgt fast live: Zwischen fünf Minuten und einer Stunde dauert es, bis das Team neue Kartendaten online bringt. Das Material steht allen Helfern als kostenloser Download zur Verfügung, derzeit arbeiten die Karten aber nur auf Geräten, die das Open Street Map-Format OSM unterstützen. Daneben stellen die Helfer noch spezielle Karten für Garmin-Navigationsgeräten zu Verfügung, da die Geräte des amerikanischen Herstellers nach Angaben des Teams von den meisten Organisationen vor Ort genutzt werden. Die Download-Größe eines Karten-Pakets liegt zwischen zwei und acht Megabyte.

Erste Erfolge bereits 2009

Die Crisis Mapper bestehen aus etwa 200.000 Mitgliedern der OpenStreetMap-Community und dem Humanitären OSM-Team, das in der Vergangenheit bereits einige Dienste bei der Kartografierung von Krisengebieten geleistet hat. So zeichnete das Gemeinschaftsprojekt OpenFloodMapping Ende des Jahres 2009 den Umfang der Überschwemmung in Großbritannien auf.

Auch das Humanitäre OSM Team blickt auf erste Erfolge bei der Kartografierung von Krisengebieten zurück. Die Gruppe zeichnete vor kurzem Hochwasserschäden in der albanischen Stadt Shkoder auf, auch während des tropischen Sturmw "Ketsana" auf den Philippinen und im Laufe der Krise nach der iranischen Wahl sammelte das Team Kartendaten.

Stromnetz verhindert den Einsatz

Die Reaktion der Hilfsorganisationen auf die Arbeit der Initiative fällt bislang allerdings eher zurückhaltend aus. Das Deutsche Rote Kreuz etwa greift nicht auf das OpenStreetMap-Projekt zurück. Die Organisation arbeitet vorwiegend mit dem von der UN gestellten Kartenmaterial und Kartenmaterial von Mapaction.org. Auch das Technische Hilfswerk (THW) setzt das Kartenmaterial der Crisis Mapper nicht ein.

"Der Kartendienst ist uns bekannt, ist aber in Haiti derzeit nicht einsetzbar", sagt Peter Bytomski, der beim THW für Ad-hoc-Einsätze zuständig ist. "Da im Krisengebiet das Stromnetz zusammengebrochen ist, alles über Notstrom läuft und Diesel rationiert ist, bleiben elektronische Kartenlösungen außen vor. Bei Satellitentelefonen ist zudem auf die Bandbreite und die Kosten zu achten. Wir nutzen daher vorwiegend normales Kartenmaterial und Satellitenbilder der Vereinten Nationen."

"OpenStreetMap ist eine sehr gute Zukunftsoption und kann in anderen Krisen sicher eingesetzt werden", erklärt Bytomski weiter. "Die Entwickler sollten aber darauf achten, das Material effizient zu gestalten und kleine Bandbreiten zu berücksichtigen. Nach dem Standard Operating Procedure arbeiten wir aber weiterhin parallel zu Navigationslösungen auch mit herkömmlichen Karten als Redundanz."

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