Entlassungen in Europa und den USA

Online-Dienst: AOL Deutschland zieht den Stecker

Der Onlinedienst AOL zieht sich aus Deutschland zurück. 140 Mitarbeiter müssen gehen. Auch andere europäische Standorte werden geschlossen. Die AOL-Dienste bleiben allerdings weiterhin aktiv, für Anwender ändert sich deshalb vorerst nichts.

AOL-Dienste
AOL-Dienste wie der E-Mail-Service, das Portal und der Instant Messenger werden auch in Deutschland weitergeführt.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1In Erinnerung: AOL-CD und Boris Becker-Werbung
  2. 2Zahlreiche Standorte in Europa vor dem Aus
  3. 3Erste E-Mail im Jahr 1989

Die AOL-CD. In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre war die Silberscheibe des US-amerikanischen Online-Pioniers überall präsent. Sie lag in Briefkästen und war in Zeitschriften eingeklebt. Viele Privatleute hatten ganze Stapel der Silberlinge zu Hause.

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In Erinnerung: AOL-CD und Boris Becker-Werbung

Die AOL-CD gehört zu den Memorabilien des Internetzeitalters wie das Netscape-Logo oder das kratzige Piepsen des Modems beim Einwählen. Während der AOL-Konkurrent Compuserve die Profis und Internet-Fans bediente, war AOL der volksnahe Service, der die Massen ins Internet brachte. Legendär ist die "Ich bin drin"-Kampagne mit dem Tennisidol Boris Becker.

Das ist lange her. Die AOL-CDs dürften längst auf den Wertstoffhöfen gelandet sein, und die Internetseite des Onlinedienstes hat sich zur Allerweltsseite entwickelt, die außer der E-Mail-Adresse nicht mehr viel Nutzen bringt. Als Zugangsprovider spielt AOL ebenfalls keine Rolle mehr, seitdem das Zugangsgeschäft an den Provider Hansenet verkauft wurde, der auch die Marke "Alice" anbietet.

Zahlreiche Standorte in Europa vor dem Aus

Jetzt will das Unternehmen nach Presseberichten in Europa die meisten Standorte schließen und Mitarbeiter entlassen. Auch Deutschland ist von der Schließung betroffen. Die Büros in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München werden geschlossen und 140 Mitarbeiter müssen gehen. Das bestätigte ein AOL-Sprecher gegenüber netzwelt.

In Europa soll nur Großbritannien als Standort erhalten bleiben. Entlassungen gibt es auch in den USA. Offensichtlich müssen auch die Niederlassungen in Dallas und Seattle dicht machen. Dass AOL auf einen radikalen Sparkurs geht, hatte sich schon im November 2009 angekündigt. Damals hatte das Unternehmen beschlossen, weltweit 2500 Arbeitsplätze zu streichen.

Für die AOL-Kunden ändert sich allerdings vorerst nichts. Sowohl die E-Mail-Funktionen als auch das Web-Portal und der Messaging-Dienst AOL Instant Messenger (AIM) werden weitergeführt. Die Dienste werden allerdings von "einem anderen Ort gemanagt", wie der AOL-Sprecher erklärt. Weiter aktiv bleibt auch das Tochterunternehmen Adtech, das für die technische Umsetzung das Anzeigengeschäft zuständig ist.

Erste E-Mail im Jahr 1989

Die derzeitige Situation markiert den vorläufigen Tiefpunkt, einer Entwicklung, die sich anfangs als gigantische Erfolgsstory las. Der 1985 als Quantum Computer Services gegründete Onlinedienst schickte 1989 seine erste E-Mail übers Netz und wurde 1991 in America Online umbenannt. 1995 hatte der Dienst schon eine Million Nutzer. Ein Jahr später waren es fünf Millionen. 1998 wurde schließlich der Konkurrent Compuserve übernommen. Der Internet-Pionier für Profis überlebte als Marke innerhalb des AOL-Konzerns bis zum Sommer 2009. Dann zog die Konzernmutter den Stecker.

Im Jahr 2000 übernahm AOL den Medienriesen Time Warner. Die Fusion bekam den Partnern aber gar nicht gut und gilt heute als schwerer Fehler. Ende 2009 trennte sich AOL wieder von Time Warner und ging an die Börse. Auch ein neues Logo hat sich das Unternehmen gegönnt. Genauer gesagt: Eine ganze Serie von Logo-Variationen, die alle auf demselben AOL-Schriftzug beruhen. Sieht schick aus. Den Mitarbeitern, die jetzt um ihren Arbeitsplatz bangen, wird das aber vermutlich wenig helfen.

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Beiträgeinsgesamt 2 Beiträge

Für mich kein Verlust. Hat mich eh gewundert, wie die sich so lange halten konnten, bei dem schlechten Support. Der Hit war die Software von denen, die sich nur mit Format C, vom Rechner wieder runter schmeißen...

sehr schade, falls es irgendwann kein AOL mehr gibt. Ich war immer höchst zufrieden und habe viele Freunde, die gleich denken. Ich hoffe, es geht noch recht lange wie gehabt weiter ...

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