450.000 Abmahnungen wegen illegaler Downloads

Filesharing-Studie 2009: Die Abmahnwelle rollt

Mehr als 450.000 Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen verschickten deutsche Anwälte im Jahr 2009. Das geht aus einer Studie des Vereins zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e.V. hervor. Die Organisation wertete für ihre Untersuchung knapp 2.700 Datensätze von Betroffenen aus.

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Während der Verein im Vorjahr 2008 noch von 250.000 abgemahnten Filesharern ausging, weisen die neuen Zahlen 453.000 Fälle aus und deuten auf ein rapides Wachstum des Abmahn-Wesens hin. Als Grundlage für die Studie dienten dem Verein Berichte in zahlreichen Verbraucherforen sowie Einträge in der eigenen Datenbank "Wer mahnt was ab". Rechtsanwalt Alexander Wachs aus Hamburg hält die Zahlen für durchaus plausibel. "Zum einen sind die Hürden für IP-Auskünfte im letzten Jahr merklich gesunken, zum anderen lassen sich immer häufiger Mehrfach-Abmahnungen beobachten", sagt Wachs.

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Neben der zunehmenden Zahl der Forderungsschreiben wegen Internet-Downloads zeigt die Untersuchung vor allem, dass sich die Verteilung der abgemahnten Urheberrechtsverletzungen geändert hat. Nach Angaben der Studie stehen vor allem illegale Musikdownloads im Fokus der Abmahnungen. Im gleichen Zeitraum weist die Untersuchung eine Erhöhung der Zahl der abmahnenden Rechtinhaber von 110 auf 159 aus.

Verein vermutet 290 Millionen Euro Jahresumsatz

Der Verein geht anhand seiner Hochrechung davon aus, dass die beteiligten Kanzleien und Unternehmen im Jahr 2009 insgesamt 290 Millionen Euro mit Abmahnungen verdient haben. Bezüglich der erzielten Einnahmen zeigt sich Wachs skeptisch. Der Anwalt geht davon aus, dass lediglich 40 Prozent der Betroffenen den Zahlungsaufforderungen sofort nachkommen und hält einen Jahresumsatz von etwa 130 Millionen Euro für realistisch.

"Vielfach treffen die Abmahnungen auch Verbraucher, die die Forderungen aufgrund von Arbeitslosigkeit oder niedrigem Einkommen nicht begleichen können", sagt Wachs. Der Studie zufolge soll allein die Gesellschaft DigiProtect - Gesellschaft zum Schutze digitaler Medien mbH rund ein Drittel des Markts abdecken und im Jahr 2009 mit 161.100 Abmahnungen insgesamt 79,19 Millionen Euro verdient haben.

Abmahn-Statistik 2009
Abmahn-Statistik 2009: Die Hochrechung geht von 453.000 Fällen aus. (Quelle: Verein zur Hilfe und Unterstützung gegen den Abmahnwahn e.V.)

Einzelne Kanzleien sollen im Auftrag des Unternehmens binnen Jahresfrist zwischen drei und 31 Millionen Euro eingefordert haben. Digiprotect war für eine kurzfristige Stellungnahme nicht zu erreichen. Als abmahnfreudigste Kanzlei weist die Studie die Münchner Sozietät Waldorf mit 89.850 Abmahnungen im Jahr 2009 aus, die der Darstellung vehement widerspricht. "Die Zahl von knapp 90.000 durch unsere Kanzlei versendeten Abmahnungen ist völlig aus der Luft gegriffen, die realen Fallzahlen liegen deutlich niedriger. Erst recht gilt dies natürlich für die absurd hohe Schätzung der durch Rechteverletzer geleisteten Schadenersatzzahlungen", sagt Rechtsanwalt Björn Frommer, Partner bei Waldorf Rechtsanwälte.

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