Verkehrte Netzwelt: DNA-Tango
Beim "Supermatch" gibts Cocktails gratis
Schnell werden die Mobilfunkanbieter die Möglichkeiten entdecken. Stichwort: Location based Services. Man nehme ein Handy mit der Dating-Software "Surf & Flirt" und Profil inklusive DNA-Daten, ein bisschen Bluetooth und ganz viel GPS. Fertig ist der mobile Partner-Scout. So kommt es, dass ein Mann und eine Frau, die sich noch nie zuvor gesehen haben, auf der Straße plötzlich ihr Handy aus der Tasche holen, gebannt aufs Display starren, wie ferngesteuert aufeinander zugehen und sich in die Arme fallen. Da haben sich zwei gefunden.
Im Bus werden Frauen in voller Fahrt aufstehen, zielstrebig durch den schwankenden Wagen stöckeln und einen Mann anquatschen, den sie noch nie zuvor gesehen haben. Discotheken und Clubs werden Singles statt des Stempels auf der Handfläche eine Higtech-Ring mit Atom-CPU, Innenraum-GPS und Mini-Display ans Handgelenk drücken. Haben sich zwei gefunden, gibt's einen Cocktail gratis. Wenn zwei besonders gut zusammenpassen, dann pulsiert ein blaues Herz im Display: "Supermatch, Supermatch" - und es gibt noch einen Cocktail.
Stundenhotels werden ein grandioses Comeback feiern. Denn mal ehrlich: Wozu teuer Geld und Zeit für das schleppende Kennenlern-Gelaber beim Asiaten verschwenden, wenn man eh weiß, dass man sich mag. Dank Handy, GPS und DNA läuft das Partnergeschäft auf Hochtouren, noch nie war es so einfach einen Partner zu finden. Ehen werden schneller geschlossen, glücklicher geführt und mit fröhlicheren Kindern gekrönt.
Bitte nur perfekte Partner
Da das zu schön ist um wahr zu sein, hat die Verkehrte Netzwelt schon den Niedergang der neuen DNA-Partnerschaften im Auge. Denn wer mit elektronischer Hilfe so schnell einen Partner findet, der findet auch schnell den nächsten. Das Abo für den Dating-Service im Handy läuft noch ein paar Monate - und wie man Bluetooth im Handy abschaltet, hat man dummerweise vergessen.
So flirten sich die Großstädter weiter durch den Digital Lifestyle, und immer wieder mal blinkt ein blaues Herz im Display. Treue als Relikt des Analogzeitalters. Zweites Problem: Wer so seinen elektronisch zertifizierten Traumpartner findet, bringt auch hohe Erwartungen mit. Hat die Dating-Software nicht die Note "Supermatch" vergeben? Und wehe, wenn der Partner dann nicht ganz perfekt ist. Ernste Gespräche und Geld-zurück-E-Mails sind programmiert.
Alarm vor Ehekrach
Bis dahin arbeitet die Hightech-Industrie aber bestimmt schon an geeigneten Gegenmitteln. Denn das ist das ewige Mooresche Gesetz: Alle 18 Monate verdoppelt sich die Geschwindigkeit, mit der die Technik den Menschen ins Unglück stürzt. So wird es den Ehekrisen-Alarm im Handy geben. Ein körpernaher Sensor analysiert ins T-Shirt eingenäht Atmung, Herzfrequenz und Blutdruck. Kommt der Ehepartner in die Nähe, dann wertet die Bioanalyse im Smartphone die Stimmung aus. In Zweifelsfall warnt eine schnarrende Stimme aus dem Handy: "Noch zwanzig Sekunden bis zum Konflikt - noch 19 Sekunden bis zum Konflikt noch 18 Sekunden - ".
Aber letztlich ist das kein Problem. Denn der intelligente Beziehungsagent im Smartphone merkt, wenn die Alarm-Meldungen eine bestimmte Häufigkeit erreichen und macht dann gleich übers Web einen Termin beim Eheberater aus. Und sollte das nichts mehr bringen, sucht der Beziehungsagent noch den passenden Scheidungsanwalt. Wenn alles durchgestanden ist, gibt´s nur noch eins: Smartphone zücken, das Profil in der Dating-Software auf den neuesten Stand bringen und Bluetooth aktivieren.
